Das Erscheinungsbild des Bundesheeres der Ersten Republik (1918–1919 auch Deutschösterreich genannt) orientierte sich bis 1933 weitgehend an der deutschen Reichswehr, erst dann wieder am alt-österreichischen Vorbild. Einige österreichische Charakteristika, wie braune Schnürschuhe oder die bei der Kavallerie husarenartig umgehängte zweireihige Mente mit Pelzkragen, blieben aber bestehen. Außerdem war bei Unteroffizieren der Kragen von Waffenrock oder Feldbluse nicht mit Tresse bzw. Borte eingefasst, so wie in der Reichswehr der Fall.
Von 1920 bis 1933 feldgraue besaß die Feldbluse mit verdeckter Knopfleiste einen hohen Stehumfallkragen, dazu nach deutschem Muster Doppel- bzw. Kapellenlitzen auf den Kragenspiegeln in Waffenfarbe. Obligatorisch waren der deutsche Stahlhelm (Modell 1916) und, für alle Grade, ab 1920 die Tellerkappe in der einst für k.u.k.-Marineoffiziere vorgeschriebenen Form (Modell 1907).
1919–1920 Der jungen Republik fehlten nach dem Zusammenbruch und Auseinanderbrechen des Habsburgerreichs die Geldmittel zur Ausstattung eines neuen Heeres. Darum griff man auf noch existierende Materialbestände der k.u.k Armee zurück: Mantel, Feldbluse, Hosen und weiche Schirmkappe mit herunterklappbarem Ohrenschutz, alles aus feldgrauem Stoff. Offiziere oft noch die schwarze steife Kappe, dann das Herrschermonogramm (allerhöchster Namenszug) rot-weiß-rot übernäht.Urrisk (1993), S. 15, 20
Nach dem Ende der Doppelmonarchie waren alle bisherigen Rangabzeichen in Fortfall geraten, so auch für die Ende 1918 entstandene Volkswehr. Erst am 2. April 1919 verfügte man neue Abzeichen. Diese bestanden aus am linken Ärmel zu tragenden blauen Stoffstreifen. Bei Offizieren saßen die Rangabzeichen auf dem Unterärmel, in einer Kombination aus schmalen (1 cm), mittelbreiten (2,5 cm), breiten (4 cm) und überbreiten (6 cm) Querbalken. Die Oberoffiziere führten einen mittelbreiten und darüber keinen (Leutnant), einen (Oberleutnant) oder zwei (Hauptmann) schmale Streifen, in jeweils 1 cm Abstand. Bei Stabsoffizieren (Major, Oberstleutnant, Oberst) war der unterste Streifen breit und bei Generalen (Generalmajor, Feldmarschalleutnant, General) überbreit, ansonsten wiederholte sich das System, indem gegebenenfalls bis zu zwei schmale Streifen hinzukamen. Den Fähnrich kennzeichnete indes ein Querstreifen von nur 1,5 cm Breite.Heeresgeschichtliches Museum (1968), S. 156
Bei den Volkswehr-Mannschaften saßen die 1,5 cm breiten Rangstreifen auf dem linken Oberärmel und waren winkelförmig. Die Einzelwinkel des Gefreiten zeigten nach unten, nach oben aber jene von Korporal (ein Winkel), Zugsführer (zwei), Wachtmeister (drei) und Stabswachtmeister (vier). Den Offiziersstellvertreter kennzeichneten indes vier Horizontalstreifen. Die vier Winkel des Gagisten ohne Rangklasse, des ranghöchsten Nicht-Offiziers, wiesen nach unten. Schon rund zwei Wochen nach dem Ursprungserlass, wurde am 19. April 1919 verfügt, dass den Gagisten ohne Rangklasse künftig ein 1,5 cm breiter Querstreifen kennzeichnen sollte. Das Abzeichen nach Art des Fähnrichs war allerdings nicht, wie bei diesem, auf dem Unterarm zu tragen, sondern auf dem Mittelarm, 20 cm oberhalb des unteren Ärmelrands.Heeresgeschichtliches Museum (1968), S. 156–157
Kurz zuvor (Verfügung vom 19. Januar 1919) hatte das deutsche Friedensheer, als Vorläufer der Reichswehr, sehr ähnliche Rangabzeichen erhalten. Die ein bis vier Stoffstreifen der Unteroffiziere (Unteroffizier, Sergeant, Vizefeldwebel, Feldwebel, Offiziersstellvertreter) auf dem linken Oberarm verliefen jedoch horizontal, nicht winkelförmig. Der Gefreite besaß kein Rangabzeichen, Feldwebel und Offizierstellvertreter (sic) teilten sich vier Stoffbalken als gemeinsames Abzeichen, der Feldwebelleutnant führte den Stoffbalken des Leutnants.Adolf Schlicht, Jürgen Kraus: Die deutsche Reichswehr. Die Uniformierung und Ausrüstung des deutschen Reichsheeres 1919–1932 (= Kataloge des Bayerischen Armeemuseums Ingolstadt. Bd. 3). Hrsg. von Ernst Aichner. Verlag Militaria. Edition Stefan Rest, Wien 2005, ISBN 3-902526-00-9, S. 48–49.
1920–1923 Mit dem Wehrgesetz vom 18. März 1920 schlug die Geburtsstunde des Bundesheeres der 1. Republik, in das man am 1. Oktober 1920 die Bataillone der Volkswehr überführte.Urrisk (1993), S. 24 Die neue Uniform M.20 glich in Farbe und Schnitt weiterhin der Feldadjustierung der k.u.k. Armee: Feldgrau mit grasgrünem Kragen, die einreihige Bluse mit vier eingeschnittenen Taschen, die Taschenpatten bei Offizieren (und eventuell auch Offiziersstellvertreter?) geschweift, sonst zur Mitte und nach unten hin leicht spitz zulaufend. Der Stehumfallkragen des doppelreihigen Mantels mit den traditionellen Paroli in Waffenfarbe. Auf den Schultern von Feldbluse und Mantel jetzt feldgraue Achselspangen, ab dem Dienstgrad Oberst mit breiter, silberfarbenen Längsborte und 2 mm breitem Rand in Waffenfarbe. Dazu generell das Truppen- oder Standeskörper-Kennzeichen, in Form von Ziffern oder Buchstaben. Davon ausgenommen blieben Generale, die keiner Brigade zugeteilt waren.Urrisk (1993), S. 26, vgl. dazu S. 27 Bild 15 u. 16 Der Stehkragen der Bluse mit Doppellitzen nach deutschem Muster (bis einschließlich Oberstbrigadier, eventuell auch General).Vgl. dazu Urrisk (1993), S. 26 sowie S. 33 Bild 21 mit Abb. des Oberstbrigadiers Johann Graf auf Gruppenfoto; für den Dienstgrad General fand sich in den zitierten Quellen kein Hinweis auf die Machart der Kragenspiegel (Doppellitzen oder Larisch-Stickerei?) Neu war auch die Tellerkappe mit Augenschirm, für alle Dienstgrade: Mit waffenfarbigen Vorstößen am graugrünen Besatz- bzw. Umlaufstreifen und Deckelrand; die metallgeprägte rot-weiß-rote Bundeskokarde am Kappendeckel; auf dem Besatzstreifen darunter das jeweilige messingne Landeszeichen in einem Lorbeerkranz und, mit Ausnahme des frei stehenden Kärntner Kreuzes und ebenso des Tiroler Adlers, in variierender Wappenschildform. Für den Felddienst eine ebenfalls neue, schirmlose Feldkappe in Schiffchenform, mit herunterschlagbarem Ohrenschutz, nach dem Muster der berittenen Truppen. Die Feldkappe konnte unter dem Stahlhelm getragen werden.Urrisk (1993), S. 28, 58 Dazu knöchelhohe schwarze Schnürschuhe mit benagelter Sohle und im Gelände feldgraue Wickelgamaschen, berittene Infanteristen usw. sowie Kraftfahrtruppe mit schwarzen Ledergamaschen. Pioniere keine Schnürschuhe, sondern vermutlich Halbstiefel, Kavallerie aber kniehohe Stiefel.Vgl. dazu Urrisk (1993), S. 55–56 sowie S. 50 Bildtafel
Die Soldaten erhielten nun auch neue Rangabzeichen.Urrisk (1993), S. 30. Diese waren auf beiden Unterärmeln zu tragen und bestanden aus Horizontalborten, wobei auf der obersten eine kreisrunde Schlaufe („Kriegerschleife“) saß, ähnlich dem Elliotsauge der k. u. k. Marine. Zugleich verschwanden die bisherigen Chargen Gefreiter (bis 1923 umbenannt in Schwarmführer), Korporal (1927 wieder eingeführt), Gagist ohne Rangklasse (1924 ersetzt durch den Vizeleutnant), Fähnrich (1925 wieder eingeführt), Generalmajor (bis 1923 umbenannt in Oberstbrigadier) und Feldmarschallleutnant (1933 wieder eingeführt).Heeresgeschichtliches Museum (1968), S. 192–194, 204–205Urrisk (1993), S. 111
Für Offiziere (inklusive Generale) waren die Abzeichen silbern, für Chargen und Unteroffiziere dunkelgrün. Der Gefreite (Artillerie: Vormeister), nun bis 19. Mai 1923 Schwarmführer genannt, führte eine dunkelgrüne Borte. Die Charge Korporal entfiel und lebte erst 1927 wieder auf. Der Zugführer besaß zwei Borten, der Wachtmeister drei Borten, je mit einem 1 cm breiten Intervall.Urrisk (1993), S. 31Steinböck (1963), S. 16 Beim Stabswachtmeister (vier Borten) und Offiziersstellvertreter (fünf Borten) lagen die drei unteren Borten dicht übereinander und wurden von je einem 3 mm schmalen, weißen Streifen voneinander getrennt. Der am 24. Februar 1923 eingeführten Dienstgrad Stabshauptmann bzw. Stabsrittmeister besaß vier Silberborten in je 1 cm Abstand; in diesen Rang musste ein Teil der dienstaltersjüngeren Majore zurücktreten, da das alliierte Militärkomitee die Herabsetzung Zahl der Stabsoffiziere (inklusive Generale) auf 650 verlangt hatte (1927 erhielten die degradierten Majore ihren alten Rang zurück, der Dienstgrad Stabshauptmann/Stabsrittmeister ging 1933 endgültig ein).Heeresgeschichtliches Museum (1968), S. 193, 205. Der Major führte drei dicht übereinander angeordnete, von je einem 3 mm schmalen, roten Streifen getrennte Silberborten, der Oberstleutnant und Oberst ebenso, darüber jedoch eine bzw. zwei weitere Silberborten in 1 cm Abstand. Den Oberstbrigadier (ab 1. März 1923 Generalmajor) kennzeichneten sechs Silberborten in zwei Dreier-Paketen, der General zusätzlich eine weitere Silberborte in 1 cm Abstand.Urrisk (1993), S. 31
Erneut hatte man hier dem deutschen Muster nachgeeifert. Schon am 5. Mai 1919 hatte die Vorläufige Reichswehr ähnliche, doch durchweg silberfarbige Rangabzeichen erhalten. Die Unteroffiziere nun jedoch mit nach unten weisenden Armwinkeln statt Horizontalbalken, beim Offizierstellvertreter (sic) der unterste in eine Schleife auslaufend. Bei den Offizieren nur die Ränge bis zum Hauptmann die oberste Horizontaltresse mit einer Schleife, alle übrigen ohne Schleife und zur Mitte hin nach oben zu einer kleinen Spitze auslaufend.Schlicht, Kraus (2005), S. 63, 78–79 Nach alt-österreichischem Vorbild, dazu je ein Paar doppelt gelegte schmale Schulterschnüre mit zwei Schiebern: für Mannschaften und Unteroffiziere feldgrau, Offiziere silbern, Generale gold.Schlicht, Kraus (2005), S. 72–73 Die steife Dienstmütze und die weiche Feldmütze (beide mit Augenschirm) anfangs noch mit schwarz-weiß-roter Reichskokarde auf dem Mützenband bzw. Besatzstreifen, die Landeskokarde darüber am Mützendeckel. Bei der Feldmütze die Kokarden aus Stoff (oft vorschriftswidrig aus Metall), bei der Dienstmütze immer aus Metall. Nach Wegfall der bisherigen Nationalkokarde (seit 5. Mai 1919 im silbernen Eichenlaubkranz) und Einführung der schwarz-rot-goldenen Adlerkokarde an der Dienstmütze (am 29. September 1919), die Feldmütze nur noch mit Landeskokarde, die an die Stelle der Nationalkokarde auf dem Besatzstreifen wandert.Schlicht, Kraus (2005), S. 55–59
1923–1933 Die neue Uniform M.23 folgte bewusst deutschem Muster. So hieß es in der provisorischen Adjustierungsvorschrift von 1925 zu vielen Uniformstücken „wie in Deutschland“.Urrisk (1993), S. 38 Bluse und Mantel jetzt beide mit Stehumfallkragen, der Mantelkragen nun ohne Paroli oder Doppellitzen. Bei der einreihigen Bluse mit verdeckter Knopfleiste die Brusttaschen nun aufgesetzt, doch ohne Quetschfalte (bei der Reichswehr mit!). Dazu am Kragen, wie zuvor schon, nach Reichswehrmuster Doppellitzen bzw. für Generale Larisch-Stickerei.Urrisk (1993), S. 38, 41 Die Hüfttaschen bei Bluse und dem zweireihigen Mantel schräg eingeschnitten, wie bisher. Die Taschenpatten wie bisher.Urrisk (1993), S. 38, 49 Ab dem 5. April 1924 ein Waffenrock nach alt-österreichischem Schnitt, mit offener Knopfleiste und sechs Metallknöpfen, dazu grasgrüne Aufschläge und Stehkragen. Auch hier am Kragen Doppellitzen oder Larisch-Stickerei. Der Waffenrock jetzt für alle Dienstgrade und nicht mehr, wie bis 1918, bloß für Offiziere.Urrisk (1993), S. 40–41