Jūhatsu Kyōda (, * 5. Dezember 1887 in Naha, Okinawa; † 31. August 1968 in Beppu, Ōita, Japan) war ein einflussreicher okinawaischer Karate-Meister und ist der Begründer des Tō’on-ryū Stils, welchen er seinem Meister Higaonna Kanryō gewidmet hat.

Leben miniatur|Kyoda (rechts) beim Sparring mit Miyagi Chojun Jūhatsu Kyōda (許田 重発, auch Shigehatsu Kyōda gelesen), war der vierte Sohn von Jūkō Kyōda. Seinen ersten Kontakt mit Karate hatte er mit 15 Jahren bei einem Lehrer namens Higaonna Kanryō (東恩納寛量, 1853 – 1916) oder Higashionna Kanryū – die Buchstaben des Familiennamens (東恩納) werden auf Okinawa „Higaonna“ und auf Japanisch „Higashionna“ ausgesprochen. Higaonna Kanryō war Meister des Naha-te, bekannt als „Higaonna des Westens“.

Jūhatsu Kyōdas Vater war mit Higaonna Kanryō befreundet, was ihm den Zugang zum Dōjō (Schule) dieses Meisters erleichterte. Von ihm lernte Jūhatsu die Kata Nêpaï – die charakteristischen Merkmale von „Nēpai“ sind die vielfältigen Angriffs- und Verteidigungsbewegungen, die in einer einzigen, schnellen Abfolge von Aktionen ausgeführt werden, während man sich vor- und zurückbewegt. Steht der Übende auf einem Bein (dem linken) und öffnet beide Arme, stößt er einen Schrei aus, der dem Ruf eines Kranichs ähnelt.

Nur einen Monat nach ihm begann Chōjun Miyagi (der spätere Gründer des Gōjū-ryū) sein Training im selben Dojo. Später stieß auch Kenwa Mabuni (Gründer des Shitō-ryū) dazu. Jūhatsu Kyōda trainierte fleißig bei Higaonna, bis sein geschätzter Lehrer im Jahr 1916 verstarb. Anschließend schlug er eine pädagogische Laufbahn ein.

Seine pädagogische Haltung prägte auch seine Philosophie der Kampfkunst, da er davon überzeugt war, dass Eigenschaften wie ein starker Charakter und ein unbezwingbarer Geist Kindern im schulpflichtigen Alter durch Kampfkunst vermittelt werden könnten und sollten. Er förderte diesen Aspekt des „Kokutai“ (nationales Wesen) aktiv, indem er an den Grund- und Mittelschulen, an denen er vor dem Zweiten Weltkrieg unterrichtete, mehrere Kampfkunst-Clubs gründete.

Als Lehrer hatte er auch den Chinesisch-Ryūkyūïen-Meister Wú Xián Guì (呉賢貴/吴贤贵, 1886–1940), auf Japanisch Go Kenki, ursprünglich aus dem Bezirk Taijiang (福州市台江區) der Provinz Fujian (福建省). Dieser Meister des chinesischen Stils des weißen Kranichs (白鹤拳) eröffnete im Higashimachi-Bezirk von Naha (1912) ein chinesisches Teegeschäft. Von diesem Meister erhielt er die Lehre der Kata Nêpaï (ネーパイ).

Als Erwachsener studierte er am Shihan Gakō (師範学校) in Nishi, Naha das Lehrerseminar. Zu der Zeit lernte er von Yabu Kentsū die Kata Jion.

Später wurde Jūhatsu Kyōda Direktor der Kōshin-Grundschule (甲辰小学校), welche am 10. Oktober 1944 durch amerikanische Bombenangriffe zerstört wurde.

1925 ist Jūhatsu Kyōda einer der vielen Tōde-/Karate-Lehrer, die Dōjō „Karate kenkyu kaï“ (唐手研究会) des Vereins „Okinawa Karate Kenkyu Kurabu“ (沖縄空手研究倶楽部) unter dem Vorsitz von Motobu Chōyū (本部朝勇) – Meister des Tomari-te/Shorin-ryu – unterrichten. 

Jūhatsu Kyōda nannte seinen Stil Tō’on-ryū und verwendete dabei die chinesische Aussprache der Kanji-Zeichen (東恩流), die den Namen seines Lehrers Higaonna bilden. (東恩 = Tō’on, 流 = Ryū / Stil). Obwohl To’on-ryū fälschlicherweise bisweilen lediglich als ein weiterer Zweig des Gōjū-ryū betrachtet wird, handelt es sich um ein eigenständiges System.

1933 wurde der Stil offiziell durch die Dai Nippon Butokukai anerkannt und 1934 erhielt Jūhatsu Kyōda sein Tōde-Lehrerdiplom (唐手教師嘱託) vom Daï Nippon Butokukaï.

Im Jahr 1936 änderte die Schulabteilung der Präfektur Okinawa offiziell die Schreibweise von Tōde zu Karate.

Anlässlich der Gründung der Okinawa-Abteilung des Dai Nippon Butokukai 1939 präsentierte Jūhatsu Kyōda die Kata Suparinpei. Später bezeichnete Kyōda diese Kata als Pechurin (was „100 Schritte“ bedeutet). Für Kyōda selbst wie auch für andere diente diese Veranstaltung als Beleg für seine Stellung als rechtmäßiger Nachfolger der Lehren von Higaonna Kanryō. Man nimmt an, dass Higaonna Kanryō die Kata während seines Aufenthalts in China von seinem Lehrer Ryu Ryuko (Xie Zhongxiang) erlernte. Im Jahr 1941 führte Kyōda bester Schüler, Kanki Izumikawa (泉川 寛喜, 1908 – 1967), die Kata Suparinpei bei der ersten Karate-Vorführung Japans in Yokohama vor.

Nach seiner Pensionierung 1944, zog er zu seinem dritten Sohn Shigemitsu (Jūkō) Kyōda, der in Beppu (Präfektur Ōita) arbeitete. In dieser Zeit unterhielt er kein festes Dojo, sondern unterrichtete in seinem Haus.

Nach Miyagis Tod im Jahr 1953 wandten sich mehrere hochrangige Gōjū-ryū-Schüler an Kyōda und baten ihn, Miyagis Nachfolger zu werden und die Führung des Gōjū-ryū zu übernehmen. Aufgrund seiner direkten Schülerschaft bei Higaonna und seines höheren Rangs im Vergleich zu Miyagi galt er für sie als die logischste Wahl. Aber er lehnte ab, da seine Bedingung von den Funktionären des okinawischen Gōjū-ryū nicht akzeptiert wurden.

1958 gründete Jūhatsu Kyōda eine Karateschule, nachdem er eingeladen worden war, Karate in der Garnison Beppu der japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte zu unterrichten.

Am 31. August 1968 starb Jūhatsu Kyōda in Beppu im Alter von 81 Jahren.

Nachfolge Das Besondere an dieser Traditionslinie ist, dass alle Nachfolger im Geiste von Jūhatsu Kyōdas Namen das Schriftzeichen „Shige“ bzw. „Jū“ (重) – das erste Kanji seines Vornamens – in ihren eigenen Budō-Namen (Kampfkunstnamen) übernommen haben, um die direkte Traditionslinie und die Ehre des Gründers fortzuführen. Ju (重) steht auch für: schwer, wichtig, ernst.

Soke und Gründer: Shigehatsu Kyōda – Jūhatsu Kyōda (1887–1968). Soke: Shigemitsu Kyōda – Jūkō Kyōda. Der dritte Sohn des Gründers (1926–1983). Soke: Shigekazu Kanzaki – Jūwa Kanzaki (神崎重和, 1928–2018), auch unter Kazuya Kanzaki (神崎和也) bekannt. Ju (重) wie vorher, Wa (和): Harmonie, Frieden, Ruhe, Sanftmut. Soke: Shigehide Ikeda (池田重秀) – Jūshu Ikeda. Ju (重) wie vorher, Sho (秀): Exzellenz, überlegen, herausragend.

Shigekazu Kanzaki erteilte zu seinen Lebzeiten nur 3 Lehrlizenzen (Menkyo Kaiden). Diese gingen an:

Shigemasa Yoshino (吉野重正, 1937–2017) – Jūsei Yoshino. Ju (重) wie vorher, Sei (正): richtig, gerecht, angemessen Shigekazu Fujishima (藤島 重捷) – Jūshō Fujishima. Ju (重) wie vorher, Sho (捷): Sieg, schnell, Erfolg, klug. Shigehide Ikeda (池田重秀) – Jūshu Ikeda.

Weitere Schüler des Tō’on-ryū:

Iraha Chōkō (伊良波長幸, 1901–1986). Eizo Onishi (大西 栄三, 1932–), gründete an der renommierten Keiō-Universität in Tokio im Jahr 1954 das Koei-Kan Karate-Do (幸栄館). Katsumi Murakami (村上勝美, 1927–), er ist der Autor der Bücher: Okinawa Karate-Do to Ryukyu Kobudo (1973 erschienen, auf Japanisch); Bujutsu Nyumon How to Learn Bujutsu (1985 erschienen, auf Japanisch); Saijutsu Traditional Okinawan Weapon Art (2000 erschienen, auf Englisch). Ira Nagayuki (伊良波長幸). Mario McKenna ist ein Schüler von Katsumi Murakami und wurde durch ihn Meister Kanzaki Shigekazu vorgestellt. Mario McKenna unterrichtet Toon-Ryu in Vancouver.

Kata-Liste

Kihon 1 + 2 – Kata erstellt von Jūhatsu Kyōda. Eine Reihe grundlegender Block-, Schlag-, Tritt- und Stoßtechniken im Stehen und in Bewegung. Sanchin (サンチン) – bedeutet: drei Schlachten oder drei Kriege, Kata von Higaonna Kanryō. Yabu Jion (ジオン) – bedeutet: Liebe und Güte, Gnade oder auch Tempelklang, von Yabu Kentsū. Shihō-uke/Tsuki-uke: „Vier-Richtungs-Blocktechnik / -Schlagtechnik“, eine von Shigekazu Kanzaki entwickelte Kata, beinhaltet grundlegende Blocks, Drehungen, Schläge und Tritte, die schwer zu meistern sind und einen Ausgangspunkt für das Erlernen fortgeschrittener Tōon Ryu-Kata bilden. Higaonna Kanryō no Seisan: „13 Hände“oder „13 Schritte“. Kata von Higaonna Kanryō.(diese ist anders als alle anderen Versionen der okinawanischen Seisan-Kata). Sansēru (サンセル) – bedeutet: „36“ (steht für 6 × 6, symbolisiert im Buddhismus die sechs Sinne und sechs Tugenden), Kata von Higaonna Kanryō. Kowa (Kihon 3): Eine Kata, erstellt von Jūkō Kyōda und Shigekazu Kanzaki. Der Name stammt von den Kanji für Jūkō Kyōda (KO) und Shigekazu Kanzaki (WA). Die Kata beinhaltet verschiedene Tritttechniken, nämlich Mae-Geri, Mawashi-Geri, Yoko-Geri, Ushiro-Geri und Nidangeri. Embusen Kata wird verwendet, um Karateka auf das Erlernen der Yabu no Jion Kata vorzubereiten. Yabu no Jion: Kata, angeblich erstellt von Yabu Kentsu, angepasst an die Tōon Ryu-Basis. Betchurin / Petchurin (ペチョーリン) – bedeutet: 100 verbundene Schritte von Higaonna Kanryō, sie unterscheidet sich deutlich von der Sūpārinpei „108“-Kata des Goju-Ryu-Stils. Nēpai (ネーパイ): Die Kata bedeutet: 28 Schläge, Kata von Wú Xián Guì alias Go Kenki hat.

Literatur

Weblinks

Toon Ryu Karate Okinawa Martial Arts, YouTube, 2025 (englisch, Laufzeit: 8 min 4 s)

Einzelnachweise

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