Francesca Toccafondi (* 15. September 1638 in Siena; † 11. September 1685 ebenda) war eine franziskanische Tertiarierin und Mystikerin. Ihre nachgelassenen Schriften wurden nach ihrem Tod im Zuge der Quietismus-Krise von der römischen Inquisition verurteilt, stellen heute jedoch eine wichtige historische Quelle dar.

Leben Toccafondi war eine Tochter von Giacomo und Domenica Passi. Sie wurde in Siena, in der Nähe der Kirche San Biagio geboren und am folgenden Tag getauft. Aus Quellen ist über ihre frühen Jahre nur die Armut der Familie und die tiefe Frömmigkeit ihrer Mutter bekannt.

Einige Jahre lebte sie mit ihrer Mutter, einer Laiin namens Caterina und einer Augustinerin namens Lucrezia in einem Haus nahe der Suffragio-Kirche in einer Art informeller, asketisch geprägten Frauengemeinschaft. Sie widmete sich dem Gebet, asketischen Übungen und führte ein sehr asketisches Leben. Die Gemeinschaft der vier Frauen wurde finanziert durch die Almosen zahlreicher Unterstützer bzw. religiöse Verehrer. Sie hatte geistlichen Begleiter aus dem Jesuiten-, Karmeliter-, Dominikaner-, Franziskaner und Augustinerorden, einige waren auch Weltpriester.

Auf Initiative zweier von ihnen, des Krankenpflegers Antonio Mattei, eines Eremiten, und des für die Waisenmädchen zuständigen Kaplans Don Virgilio Antonio Cenni, beide am Hospital Santa Maria della Scala, wurde sie ab Anfang 1675 ebenda Leiterin des sogenannten „mittleren Klosters“ für die nach Altersgruppen unterteilten jungen Frauen. Viele Jahre lang wirkte sie an der Seite der Augustinerterziarin Barbara Squarci, die bereits um das Jahr 1662 einen Heiligenruf hatte, als Lehrerin und geistige Leiterin für die Klausurschwestern und eine Gruppe weltlicher Männer und Frauen, und trat letztlich Squarcis Erbe hinsichtlich deren Heiligenrufs an. Sie wird auch als santa viva betrachtet.

Zwischen Juli 1677 und März 1678 verfasste Toccafondi auf Geheiß Matteis eine ausführliche Autobiografie. Ihr Beichtvater Cenni bearbeite und untergliederte diese posthum um das Jahr 1687 und ergänzte sie um Briefe und andere Schriften Toccafondis. Diese Überarbeitung zeigte eine Struktur und hagiographisch anmutende Elemente, die im Falle eines, wenn auch nie eingeleiteten Seligsprechungsprozesses, für eine Seligsprechung gesprochen hätten. Weitere religiöse Führungspersonen, beispielsweise der Kapuzinerbruder Antonio Francesco Candelari aus den Marken, prüften das Werk aus dem gleichen Motiv. Eine Abschrift befindet sich in der Nationalbibliothek von Florenz unter dem Titel Vita della servata di Dio Sor Francesca senese del Terzo ordine di San Francesco, scritto da la medesima per obedienza (deutsch: Leben der Dienerin Gottes, Schwester Francesca aus Siena vom Dritten Orden des Heiligen Franziskus, von ihr selbst aus Gehorsam verfasst).Signatur der BNCF: (Conventi soppressi da ordinare, Filippini, 21, striscia 118)

Toccafondi starb in der Nacht des 21. Juni 1685 im Krankenhaus Santa Maria della Scala in Siena. Erzbischof Leonardo Marsili ordnete eine Autopsie an. Insbesondere sollten die damals mittlerweile berühmten Zeichen – beispielsweise ein Kreuz und einige religiöse Buchstaben, darunter das Christusmonogramm, auf ihrer Brust – untersucht werden. Die ärztlichen Untersuchungen ergaben das, was auch sienesische Adlige aus Toccafondis Umfeld bezeugten – die Zeichen auf ihrer Brust wurden menschlich erzeugt und zwar in ihre Haut eingeritzt bzw. geätzt.

Wenige Jahre nach Toccafondis Tod, im Verlauf des fortgeschrittenen Inquisitionsprozesses um Miguel de Molinos, wurde Italien und eben auch Siena von einer Welle von Verurteilungen wegen Quietismus heimgesucht. Toccafondis Schriften wurden beschlagnahmt und ihr spirituelles Umfeld verurteilt, beispielsweise Antonio Mattei zum Abschwur und lebenslanger Haft. Toccafondis autobiographisches Werk wurde am 3. September 1691 von der Inquisition verurteilt und auffindbare Exemplare eingesammelt.

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