Die Operation Vivaldi ist eine mehrphasige Militäroperation der ukrainischen Streitkräfte im Russisch-Ukrainischen Krieg. Die erste Phase begann im Frühsommer 2026 mit einer „stillen Offensive“ im Donbas. Bekannt wurde die Operation durch eine Ansprache von Brigadegeneral Andrij Bilezkyj, Kommandeur des 3. Armeekorps, im September 2026.
Der Name „Vivaldi“ ist eine Anspielung auf Antonio Vivaldis berühmtestes Werk Die vier Jahreszeiten, da die Operation aus vier Phasen bestehen soll.
Hintergrund Nach der Einnahme von Pokrowsk legten die russischen Streitkräfte ihren Fokus auf den ukrainischen „Festungsgürtel“, bestehend aus den Städten Slowjansk, Kramatorsk, Druschkiwka und Kostjantyniwka, entlang der Fernstraße N 20. Diese Städte sind schwer befestigt und gelten als die letzte Verteidigungslinie der Ukraine im Donbas. Da die Einnahme schwer befestigter Großstädte viel Zeit in Anspruch nehmen würde, entschied sich die militärische Führung Russlands dafür, den Festungsgürtel von Norden und Süden her einzuschließen. Dafür müssen die Städte Lyman im Norden und Dobropillja im Süden eingenommen werden. Entsprechend starteten russische Truppen einen Angriff auf Dobropillja und Angriffe in Richtung Lyman.
Verlauf Erste Phase Die erste Phase von Operation Vivaldi begann am 22. Mai 2026 mit dem Ziel, den nördlichen Keil der russischen Zangenbewegung in Richtung Lyman zu zerschlagen. Konkret will man russische Truppen hinter den Fluss Tschornyj Scherebez drängen. Ausgeführt wird die Gegenoffensive vom 3. Armeekorps.
Die Offensive wurde bis Mitte September nicht offiziell von ukrainischer Seite aus bestätigt oder kommentiert. Trotz des vermeintlich signifikanten Fortschritts wurden die Geländegewinne aus Gründen der operativen Sicherheit verschwiegen. Darum wurde von unabhängigen Beobachtern von einer „stillen Offensive“ gesprochen.
Am 1. September behauptete der russische Präsident Wladimir Putin, dass russische Truppen 14 Ortschaften, darunter die Stadt Swjatohirsk, erobert hätten. Kurze Zeit später, am 7. September, veröffentlichte der Kommandeur des ukrainischen 3. Korps, Andrij Bilezkyj, ein Video aus Swjatohirsk. Darin widerlegte er die Behauptung über die Einnahme der Stadt und sprach davon, dass die 60. Mechanisierte Brigade vollständige Kontrolle über Swjatohirsk habe. Ebenfalls meinte er, dass es sich bei der Stadt um das ukrainische Hinterland handeln würde, also dass sie weit hinter der eigentlichen Frontlinie liege.
Zwischen dem 9. und 11. September wurde der russische Keil nach Analyse des Institute for the Study of War (ISW) durchtrennt.
Am 15. September wurde Operation Vivaldi in einer weiteren Videoansprache Bilezkyjs offiziell bekannt gegeben. Darin erklärte er, ukrainische Truppen hätten die Ortschaften Serednje, Nowoseliwka, Jarowa, Oleksandriwka und Teile von Korowij Jar befreit. Laut ISW sollen ukrainische Truppen bis zu 85 Quadratkilometer zurückgewonnen haben.
Die ukrainischen Verbände erzielten diese Geländegewinne durch Vorstöße mit kleinen, hochmobilen Trupps unter Deckung von Drohnen statt mit großangelegten, mechanisierten Angriffen. Die Trupps nahmen nach und nach isolierte russische Stellungen in Wäldern und Dörfern durch Gefechte auf kurzer Entfernung ein. Unterstützt wurden die Verbände des 3. Korps dabei durch das 8. Sondereinsatzregiment der Sondereinsatzkräfte und der Einheit Artan des Militärnachrichtendienstes HUR.
Ein weiteres Element waren Mittelstrecken-Schläge ukrainischer Drohnen auf die russische Logistik. Erst 50 km, dann bis zu 120 km hinter der Frontlinie griffen ukrainische Truppen Lager und Fahrzeuge an. Diese Schläge zwangen die Verbände der russischen 144. Motorisierten Schützendivision (20. Gardearmee), ihre Versorgungslager hinter die russische Staatsgrenze zu verlegen, was die Versorgungslage an der Kampflinie erschwert und die Reaktionsfähigkeit hemmt.
Zweite Phase Am 20. September, fünf Tage nach offizieller Verkündung der Operation, gab Brigadegeneral Bilezkyj bekannt, dass die zweite Phase bereits begonnen hatte. Laut seinen Angaben hatte das 3. Korps seit Anfang dieser Phase zwei weitere Dörfer vollständig befreit und ein weiteres unter Kontrolle gebracht. Dabei handle es sich um Schandryholowe, Derylowe und Drobyschewe. Demnach wurden somit weitere 40 Quadratkilometer zurückgewonnen, womit die Gesamtzahl nach offiziellen ukrainischen Angaben 125 Quadratkilometer beträgt.
Die Operation ist weiterhin im Gange.
Siehe auch Ukrainische Gegenoffensive in der Ostukraine Ukrainische Gegenoffensive in Cherson 2022 Operation Spinnennetz
Einzelnachweise
Kategorie:Militärische Operation des russischen Überfalls auf die Ukraine seit 2022 Kategorie:Konflikt 2026