mini|Mario Balassi: Selbstporträt, Öl auf Leinwand, 46 × 37 cm Mario Balassi (getauft im Januar 1605 in Florenz; gestorben am 9. Oktober 1667 ebenda) war ein italienischer Maler des Barock. Er wirkte vorwiegend in Florenz, zeitweise auch in Rom und Wien, und spezialisierte sich auf religiöse Historienbilder sowie Porträts. Laut den zeitgenössischen Angaben Filippo Baldinuccis wurde Balassi vor allem als versierter Imitator älterer Malstile sowie als anerkannter Gemäldekenner wahrgenommen. In der kunsthistorischen Forschung wird sein Werk seit dem 20. Jahrhundert im Kontext der florentinischen Malerei des Seicento neu bewertet, unter anderem durch Hermann Voss (1961) und in jüngerer Zeit durch die Monografie von Federico Berti (2015).

Leben Mario Balassi erhielt seine künstlerische Ausbildung zunächst bei Jacopo Ligozzi und nach dessen Tod in der Werkstatt von Matteo Rosselli, in der er bis zu seinem 18. Lebensjahr blieb. Anschließend arbeitete er als Gehilfe in der Werkstatt von Domenico Cresti, genannt il Passignano. Dort oblag ihm die Vergrößerung und Übertragung von Zeichnungen des Meisters auf Leinwand sowie deren Ausführung. Als Passignano im Auftrag des Papstes nach Rom reiste, begleitete ihn Balassi. In Rom malte er im Auftrag von Don Taddeo Barberini, dem Kardinalneffen, ein Altarbild für die Cappella Barberini in Sant’Andrea della Valle. Es handelt sich um eine freie Nachbildung von Raffaels Verklärung Christi, die sich heute in Santa Maria della Concezione in Rom befindet. Nach Passignanos Rückkehr nach Florenz blieb Balassi, von den Barberini besoldet, vom Dezember 1631 bis Juli 1633 in Rom.

Anschließend nahm ihn Ottavio Piccolomini mit an den kaiserlichen Hof nach Wien, wo Balassi unter anderem Kaiser Ferdinand II. porträtierte. Um 1637 verließ er Wien und hielt sich zum Studieren und Arbeiten in Dalmatien, im Veneto und vor allem in Venedig auf. Nach dem Tod zweier Brüder und eines Schwagers kehrte er nach Florenz zurück, wo er bis zu seinem Lebensende blieb. In den folgenden Jahrzehnten schuf er zahlreiche sakrale Werke für Kirchen in Florenz, Prato und Empoli, darunter einen Heiligen Nikolaus von Tolentino (1637), sowie Werke für die Familie Rucellai (1653) und für Prato (1658 und 1667). Das im Auftrag seines Beichtvaters begonnene Martyrium des heiligen Laurentius für den Dom von Prato blieb bei seinem Tod unvollendet und wurde später von Carlo Dolci vervollständigt. Mario Balassi starb im Jahr 1667 in Florenz und wurde in der Grabstätte der Rosenkranzbruderschaft in der Kirche Santa Maria Novella beigesetzt, deren Mitglied er war.

Werk Balassis Malerei ist eklektisch geprägt und verbindet Elemente aus der Werkstatt Matteo Rossellis – insbesondere die weiche, überfließende Darstellung von Gewändern, die naturalistische Wiedergabe von Gesichtern und die Figurentypen – mit Einflüssen der römischen Malerei, die er während seiner Zeit für Papst Urban VIII. und die Familie Piccolomini aufnahm. Mario Balassi war auch für seine Fähigkeit bekannt, die Malweise älterer Meister nachzuahmen, darunter florentinische Künstler des 15. und 16. Jahrhunderts sowie Albrecht Dürer. Ein in altertümlichem Stil ausgeführtes Männerporträt soll sogar seine Kollegen getäuscht haben. Kardinal Carlo de’ Medici bot dafür 200 Scudi, da er annahm, ein antikes Werk zu erwerben. Balassi galt zudem als geschätzter Gemäldekenner und wurde wiederholt zu Gutachten und Wertermittlungen herangezogen. Gegen Lebensende wandelte sich sein Stil zunehmend ins Manieristische. Versuche, eigene Jugendwerke zu überarbeiten, sollen diese nach zeitgenössischer Überlieferung eher beeinträchtigt haben.

Werke (Auswahl)

Weitere Werke (Auswahl) Verklärung Christi (freie Nachbildung nach Raffael), signiert und datiert 1630, Santa Maria della Concezione, Rom Porträt Kaiser Ferdinands II., vor 1637, Wien (entstanden am kaiserlichen Hof) Porträt des Herzogs Ottavio Piccolomini, um 1637, Wien Das Rebhuhn-Wunder des heiligen Nikolaus von Tolentino, um 1637, ehemals in der Kirche San Francesco, später in der Kirche Sant’Agostino in Prato Maria mit Kind und Johannesknabe, Schiefer, Wien, Kunsthistorisches Museum Die Befreiung Petri, datiert 1653 (Auftrag der Familie Rucellai), Privatbesitz Der heilige Dominikus empfängt die Madonna, signiert und datiert 1658, Galleria Comunale, Prato Immaculata mit dem heiligen Laurentius und Ordensgründern, signiert und datiert 1659, Santo Stefano, Empoli (Auftrag des Lorenzo Neri) Selbstporträt, Florenz, Uffizien Martyrium des heiligen Laurentius, 1667, Dom von Prato (unvollendet, vollendet von Carlo Dolci)

Literatur Anna Matteoli: Balassi, Mario. In: Allgemeines Künstlerlexikon (AKL). Band 6, De Gruyter, München/Leipzig 1992, S. 386.

Renzo Chiarelli: Balassi, Mario. In: Dizionario Biografico degli Italiani. Band 5, Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1963. Francesca Baldassari: La pittura del Seicento a Firenze. Indice degli artisti e delle loro opere. Robilant+Voena, 2009. Federico Berti: Mario Balassi 1604–1667. Catalogo completo dei dipinti e dei disegni. Enrico Frascione Arte, Florenz 2015.

Weblinks Treccani

Einzelnachweise

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