Die beiden historischen Grabmale vom alten Kirchhof in Datterode, einem Ortsteil der Gemeinde Ringgau im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis, sind am Anfang der 2010er Jahre unterhalb der Kirche aufgestellt worden. Sie sind die letzten der vielen, teilweise aufwendig gestalteten Grabsteine, die einst auf der ehemaligen Begräbnisstätte bei der Kirche standen.

Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts begruben die Einwohner von Datterode hier ihre Verstorbenen. In den Jahren um 1964 und 1965 wurden die noch existierenden Grabsteine aus dieser Zeit an die Rückseite des Kirchturms gesetzt. Von den damaligen fünf Grabmalen, die aus dem Buntsandstein der Region gefertigt wurden, blieben nur zwei erhalten. Die drei verlorengegangenen, mit einer Höhe von rund 1,50 Metern etwa gleich großen lateinischen Kreuze dienten dem Andenken an den Pfarrer zu Datterode, Carl Eisenberg, der 1847 an Typhus starb, seiner im Jahr 1843 verstorbenen Ehefrau sowie einer ebenfalls 1843 im 59. Jahr Verstorbenen.

Auf Initiative des Heimatvereins Datterode, der sich auch der Sicherung der „kulturhistorischen Kleinode“ in ihrem Dorf verschrieben hat, wurden die beiden noch erhaltenen Grabsteine Ende der 2000er Jahre geborgen und in einem Steinmetzbetrieb in Netra gereinigt, ausgebessert und konserviert. Auf dem von ehrenamtlichen Helfern neu hergerichteten Platz unterhalb der Kirche wurden sie im Jahr 2011 mit erläuternden Texttafeln aufgestellt. Der Standort am Kirchrain, der auch „Kleiner Anger“ genannt wird, war auch einst eine Gerichtsstätte.Heimatverein Datterode: Der Kirchrain und seine Denkmale; abgerufen am 17. September 2026.Kristin Weber: Der Platz am Datteröder Kirchrain ist kulturhistorisch bedeutend und jetzt aufgewertet. In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) vom 4. November 2015; abgerufen am 17. September 2026.

mini|hochkant|Grabmal der Pfarrersfrau Gertruda Jacobi Grabmal der Pfarrersfrau Gertruda Jacobi Das klassizistische Pfeilerdenkmal aus grauem Buntsandstein vom Anfang des 19. Jahrhunderts war ehemals dreiteilig. Von ihm haben sich nur der hohe Sockel und der Obeliskenstumpf erhalten. Die frühere Bekrönung in Form einer Vase oder Kugel war nicht mehr auffindbar. Sie ging vermutlich in der Nachkriegszeit verloren. Der Stumpf zeigt an allen vier Seiten Aufschriften innerhalb von Medaillons, die von Schleifen gehalten werden. Auf der Vorderseite ist lückenhaft noch zu lesen: „Wanderer/Wer hier ruhet, das/ließest du! Was diese Frau/alß tugenthafte Gattin, sorg/fältige Mutter und treue/Tochter und Ehefrau war/das ...“. Auf dem Feld daneben steht: „Grabmahl/der Gattin/vom Pfarrer Georg Ja/Cobi zu Datterode“ und es folgt die Inschrift: „Frau mußte ins Grab/steigen in der blüthe Jahre/ …“ Die Rückseite trägt die Inschrift: „Dort oben im Himmel sehen wir uns wieder!“

Auf dem Sockel sind ebenfalls über einem kräftigen Gesims an allen vier Seiten Inschriften erhalten: „Die hier Ruhende ist/die Frau Pfarrerin Gertru/da Jacobi, eine Tochter/des Herrn Pulverfabri/canten Georg Bierschenk/und dessen Ehegattin Frau/Anna Catharina Bier/schenk zu Wichmannshausen/Sie starb den 17ten SEP:/1808 im 26ten Jahre/Ihres Alte(rs)“. Auf dem Feld rechts daneben ist zu lesen: „Bis zu jenem frohen Wiedersehen/ruhe hier/O selige Frau,/deine von uns Allen verehr/te Asche sanft“ und links daneben: „Gott!/Was ist der Mensch!/Deine Wege sind/uner/forschlich!“ und in dem Feld der Rückseite: „Hier auf diesem Grabe/beweint die jammernde Liebe/eine treue Gattin/eine zaertliche Mutter/und eine gute Tochter.“

mini|hochkant|Grabstein für Johann Eobald Wieditz Grabstein für Johann Eobald Wieditz Der rund 1,40 Meter hohe, spätbarocke Grabstein trägt auf dem unteren Teil einen großen runden Schriftspiegel, der von einem Zierrahmen umgeben wird. Im Aufsatz darüber ist ein achtzackiger Stern eingearbeitet, den eingerollte Akanthusranken umschließen. Die Vorderseite trägt die Inschrift: „Hier ruhet in Gott/Johann Eobald Wieditz/geboren am 30. Nov. 1817/verheirathete sich am 30. Nov./1845 mit Barbara Elisabeth/geborene Wetterau zu Harmuths/hausen und er zeugte in einer/5jährigen Ehe, 3 Kinder, 1. S. und 2. T./Er starb am 13. Nov. 1850 im/Alter von 33 Jahr 3 M. 30 T.“ Auf der Rückseite sind oben im Relief die Symbole des Müllerhandwerks, ein Mühleisen mit aufgelegtem Zirkel, zu sehen und darunter die Inschrift: „Der Tod schlägt tiefe Wunden/Dies habe ich empfunden/seit dem ich Dich verlohr/lch weine mit 3 Kindern/Gott mag die Schmerzen lindern/Zu ihm sehn wir empor.“

Denkmalschutz Wegen ihrer geschichtlichen Bedeutung werden die Grabsteine nach § 2 Absatz 1 des Hessischen Denkmalschutzgesetzes als Kulturdenkmale geschützt und sind in das Denkmalverzeichnis des Landes Hessen unter der Nummer 956413 eingetragen worden.Historische Grabsteine, Am Kirchrain 4, Ringgau-Datterode. In: Kulturdenkmäler in Hessen. Website des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen; abgerufen am 17. September 2026.

Literatur

Weblinks

Der Kirchrain und seine Denkmale. Im Internetauftritt des Heimatvereins Datterode.

Einzelnachweise

Kategorie:Grabmal in Hessen Kategorie:Kulturdenkmal in Ringgau (Gemeinde)