The Railway Children (deutsch: Die Eisenbahnkinder) ist eine Oper für jüngeres Publikum, komponiert von Mark-Anthony Turnage. Das Libretto schrieb Rachael Hewer, frei nach dem gleichnamigen Buch von E. Nesbit.

Handlung 1. Akt David und Cathy sind in ein Regierungsbüro eingebrochen; sie suchen nach Dokumenten, die sich auf russische Geheimagenten im Land beziehen. Als sie von Polizeibeamten überrascht werden, lässt David, der den Behörden bereits bekannt ist, sich verhaften, damit Cathy entkommen und mit den drei gemeinsamen Kindern Bobbie, Peter und Phyllis untertauchen kann. Begleitet von Yolanda, einer Co-Aktivistin Cathys und Davids, schlagen sie ihr Domizil in einem verwaisten Landhaus auf, das bereits früher einmal als Unterschlupf gedient hat.

Die Kinder tun sich schwer in ihrem neuen Zuhause, wo es an allem fehlt. Ablenkung bietet die nahegelegene Eisenbahnlinie – die drei Kinder winken den vorbeifahrenden Zügen und schicken imaginäre Grüße nach London an ihren Vater mit, über dessen Schicksal sie im Unklaren gelassen werden. Ein älterer Herr, der täglich mit demselben Zug fährt und das Winken der Kinder erwidert, fesselt ihre Aufmerksamkeit. Der örtliche Stationsvorsteher, Perks, erklärt ihnen, um wen es sich handelt: Sir Tommy Crawshaw, einstiger Fußballstar, ist nun ein beliebter und einflussreicher Lokalpolitiker. Mit einem selbstgemalten Banner gelingt es den Kindern, Sir Tommy auf sich aufmerksam zu machen, so dass sie ihm beim nächsten Kurzhalt im Bahnhof einen Brief übergeben können. Darin bitte sie ihn um Hilfe – und tatsächlich antwortet Sir Tommy: nicht nur mit einem Päckchen nötiger Nahrungs- und Haushaltsmittel, sondern auch mit dem Versprechen, sich näher mit Davids Fall zu befassen.

Eines Tages strandet ein Reisender am Bahnhof, am Ende seiner Kräfte, der nur Russisch und Französisch spricht. Cathy nimmt sich seiner an. Bobbie entdeckt in der Tasche des Fremden eine Zeitung, die vom aktuellen Gerichtsprozess gegen David berichtet: Fünf Jahre Gefängnis, so lautet der Schuldspruch.

2. Akt Bobbie fragt sich entsetzt, was ihr geliebter Vater für ein Verbrechen begangen haben könnte. Der geheimnisvolle Fremde, Tarpolski mit Namen, wohnt nun mit im Haus. Er sucht nach seiner aus der Heimat geflohenen Familie, fürchtet selbst Verfolgung. Die Kinder spekulieren, ob er ein russischer Spion ist.

Die schwierige Lebenslage bewirkt oft Streit zwischen Phyllis und Peter. Bobbie versucht, ihre Geschwister, die vom Urteil gegen ihren Vater nichts wissen sollen, bei Laune zu halten. Auf einem ihrer Streifzüge werden sie Zeugen eines plötzlichen Erdrutsches, der die Bahnlinie verschüttet. Der kommende Zug droht zu entgleisen. Es bleibt keine Zeit, um Hilfe zu holen. Kurzerhand versuchen die Kinder selbst, Warnzeichen zu geben. Auf Bobbies Idee hin benutzten sie dazu die knallroten Fußball-Shirts, die sie von Sir Tommy bekommen haben, und schwenken sie weithin sichtbar durch die Luft. Tatsächlich kann so im letzten Moment ein Unglück verhindert werden. Aber Bobbie bricht unter der Last der schrecklichen Erfahrungen zusammen.

Immer noch benommen, erlebt sie nach ihrer Genesung die öffentliche Zeremonie, mit der die „Eisenbahnkinder“ geehrt werden: Die wiederhergestellte Bahnbrücke wird ihnen gewidmet, eine daran angebrachte Tafel nennt ihre drei Namen. Mit einer schlichten Rede dankt Peter der jubelnden Menge. Da ergreift Cathy das Wort: Tarpolski, der ein russischer Dissident ist, war ihr bereits früher bekannt. Sie weist ein entlastendes Foto vor, das David und sie entdeckt hatten. Zugleich enttarnt sie die Person, deren Verrat David hinter Gitter brachte.

Bobbie begrüßt erleichtert ihren heimkehrenden Vater.

Unterschiede zur Buchvorlage Das Libretto beschränkt sich auf einige wichtige Episoden des Buchs und lässt andere wie Peters Kohlendiebstahl, Bobbies Zugreise, Perks’ Geburtstag, den Brand im Treidlerhaus oder die gefahrvolle Schnitzeljagd aus. Das verhinderte Zugunglück rückt aus einem ursprünglich in der Mitte platzierten Handlungsmoment weiter nach hinten, was in Bezug auf den dramatischen Verlauf geschickter erscheint. Aus dem Gepäckträger/Dienstmann Perks wird der Stationsvorsteher, die Person des im Buch namenlosen älteren Gentleman wird konkreter ausgestaltet, ebenso die wohl von einer Nebenfigur (der lokalen Haushälterin Mrs. Viney) abgeleitete Yolande.

Bei Nesbit geht die Mutter dem Schreiben von Geschichten als Erwerbstätigkeit nach, bei Hewer ist sie durch ihre Kampagnenarbeit zu sehr in Anspruch genommen, um sich um die Kinder zu kümmern. Insgesamt arbeitet Rachael Hewer die politischen Motive stärker aus, verbindet die Geschichte von Cathy und David mit derjenigen Tarpolskis. Auch in Nesbits Buch ist der Fremde (dort: Szezcpansky) ein russischer Flüchtling; er steht dort jedoch in keiner Verbindung zu den Eltern der drei Kinder und ihrem Tun.

Es ist der Russisch-Japanisch Krieg von 1904/05, der in der Buchvorlage nachhallt, ohne freilich explizit benannt zu werden. Die Oper rückt die Handlung näher in die Gegenwart: Während das vorläufige AufführungsmaterialThe Railway Children – Libretto – Final unrevised, Boosey & Hawkes London, 13. Dezember 2024 noch Mai 2020 beziehungsweise die unmittelbare Zeit der Aufführung ausweistals Inschrift der Gedenktafel: „With gratitude and remembrance Twenty-ninth of May, Twenty-twenty [The date changes for each performance]“, ist in der Endfassung der Glyndebourne-Produktion 1984 als Jahr der Handlung genanntKlavierauszug, revidierte Fassung 12. März 2026 – also die Spätphase des Kalten Krieges. Cathy und David sind Aktivisten; sie sympathisieren mit russischen Dissidenten, die von Teilen der britischen Behörden offenbar insgeheim bekämpft werden. Die Eröffnungsszene mit der Durchsuchung des Regierungsbüros ist von Hewer hinzuerfunden. Auch bei Nesbit spricht die Mutter Russisch, und der Vater wird fälschlich des Geheimnisverrats an Russland beschuldigt – dass sie politisch aktiv sind, wird in der Buchvorlage nicht gesagt.

Werkgestalt Die Instrumentierung der Oper umfasst: Flöte, Oboe (auch Englischhorn), 2 Klarinetten (beide auch Bassklarinette), Fagott (auch Kontrafagott), Horn, Trompete, Posaune, Schlagzeug (1 Spieler: Pfeife, große Trommel, Tamtam, Holzblock, Marimba, Röhrenglocke, Vibraphon, Claves, Gong, Tamburin, Drumset, Hängebecken), Harfe (auch Ratsche), Klavier (auch Celesta), Violine, Viola, 2 Violoncelli, Kontrabass. Diese Besetzung und ihre kompositorische Behandlung lassen die Gesangsstimmen hervortreten und gewähren die Verständlichkeit des Textes. Stilistisch ist die Musik im Personalstil Turnages durch aufgelöste Tonalität, vorwärtstreibende Rhythmik, Vielfalt an Klangfarben, Reminiszenzen an klassische Formen und Einflüsse des Jazz geprägt.

Die beiden jeweils in acht Bilder unterteilten Akte der Oper sind durchkomponiert. In das musikalische Kontinuum sind unter anderem Soloszenen von Tarpolski (I/8), Bobbie (II/1) und von Perks (II/3), ein Trio von Cathy, Yolanda und Tarpolski (II/2) sowie die Chorszenen (I/5 und II/6) als geschlossenere Einheiten eingebettet. Die Gesangsstimmen folgen der Sprachmelodie, in einem meist syllabischen Parlando. Hewers Text verwendet überwiegend moderne Alltagssprache und ist fast gänzlich neu formuliert; nur einige wenige Verse, von der Mutter für Bobbie verfasst, sind unverändert von Nesbit übernommen (Szene I/2). Einige weitere zentrale Stellen werden ebenfalls durch gebundene Sprache markiert, etwa Perks’ Lobrede auf Sir Tommy, der Brief der Kinder, Bobbies Selbstgespräch im Angesicht des nahenden Zugs, Cathys Enthüllung oder das allgemeine Loblied auf die Britische Eisenbahn.

Produktionen Das Werk verfassten Mark-Anthony Turnage und seine Partnerin Rachael Hewer zu Beginn der Corona-Pandemie; angesichts damals ungewisser Aussichten auf eine Aufführung und überhaupt die Zukunft des Opernlebens konzipierten sie es im Geheimen, für möglichst einfache Produktionsbedingungen, mit vergleichsweise wenigen Rollen und nur kleinem Orchester.Jahrbuch Boosey & Hawkes | Sikorski, Berlin 2026, S. 66f.

Später konnte Stephen Langridge, Regisseur und Künstlerischer Leiter der Oper von Glyndebourne, für eine Realisierung gewonnen werden. Die Uraufführung im Herbst 2025 fiel zusammen mit der Feier von 200 Jahren Eisenbahngeschichte im Vereinigten Königreich. Die Glyndebourne Sinfonia unter der musikalischen Leitung von Tim Anderson begleitete, in den Hauptrollen, Edward Hawkins (David / Mr Tarpolski), Rachael Lloyd (Cathy), Jessica Cale (Bobbie), Henna Mun (Phyllis), Matthew McKinney (Peter), Bethany Horak-Hallett (Yolanda), Gavan Ring (Mr Perks) und James Cleverton (Sir Tommy Crawshaw); zum Kreativteam gehörten neben Stephen Langridge (Regie) unter anderem Nicky Shaw (Ausstattung), Mark Jonathan (Licht), Max White (Video) und Aidan Oliver (Chorleitung). Sechs Aufführungen in Glyndebourne vom 30. Oktober bis 6. November 2025 folgte eine halbszenische Darbietung in der Londoner Queen Elizabeth Hall am 8. November 2025.www.glyndebourne.com, Online-Archiv, abgerufen am 17. September 2026

Konzertant war das Werk erneut zu erleben am 20. Juli 2026 beim walisischen Aberystwyth Music Festival, dirigiert von Iwan Teifion Davies, mit Kräften der Welsh National Opera und des Royal Welsh College of Music & Drama.

Pressestimmen

Weblinks The Railway Children auf der Website des Musikverlags Boosey & Hawkes, London The Railway Children auf der Website der Glyndebourne Opera

Einzelnachweise

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