mini|Johne’s Wein-Schiff mini|Seitenansicht mini|St. Pauli am Platzl um 1953 Johne’s Wein-Schiff (Bucentaurus) war ein großer Weingastronomiebetrieb auf dem Münchner Oktoberfest von 1949 bis 1962 und gehörte zu den außergewöhnlichen gastronomischen Betrieben der Theresienwiese. Historisch ist Weinausschank auf dem Oktoberfest seit 1885 belegt.Oktoberfest.de: Kufflers Weinzelt – Abschnitt „Die Geschichte: Weinausschank seit 1885“
Der Festbau wurde 1949 von dem Münchner Gastwirt Wilhelm Johne eingerichtet und orientierte sich in seiner schiffsartigen Gestaltung am historischen bayerischen Prunkschiff Bucentaur auf dem Starnberger See.Cornelia Oelwein: Der Orlandoblock am Münchner Platzl. Geschichte eines Baudenkmals. Oldenbourg, München 2000, ISBN 978-3-486-56507-2, S. 88–89. Auf dem Oktoberfest-Lageplan von 1951 ist der „Bucentaurus“ als einer von vier gastronomischen Großbetrieben außerhalb der sieben Brauereifesthallen verzeichnet.bavarikon: Onlinequelle:https://www.bavarikon.de/object/bav:MSA-OBJ-000000000PSC1008?lang=de Die Fotografien zeigen einen mehrgeschossigen Holzbau mit schiffsartig ausgebildetem Bug, Bullaugen, Galerien und verglasten Obergeschossen.
Festbau und Standort Der Oktoberfest-Lageplan von 1951 weist für den Standplatz Johnes Maße von 46 × 21 Metern aus; dies entspricht einer Standfläche von rund 966 Quadratmetern. Die Angabe beschreibt den Standplatz und nicht die tatsächliche Innen- oder Nutzfläche des Gebäudes.
Der Betrieb verband die Wiesn-Gastronomie der Familie Johne mit dem Münchner Lokal „Johne’s St. Pauli“ am Platzl.
Geschichte Wilhelm Johne war seit 1931 Pächter der „Winzerstuben“ in der Pfisterstraße am Münchner Platzl. 1934 erhielt das Lokal den Namen „Johnes Hamburger Seemannskneipe“; später wurde es als „Johne’s St. Pauli“ und um 1960 als „Johne’s St. Pauli mit Shanghai-Bar“ geführt. Ein Münchner Adressbucheintrag von 1960 nennt den Betrieb unter dieser Bezeichnung.Münchner Adreßbuch, S. 608, 1960
1949 ließ Johne dann auf dem Oktoberfest das Weinschiff „Bucentaurus“ errichten. Nach dem Ende des schiffsförmigen Festbaus wurde die Wiesn-Tradition der Familie mit dem Weinzelt „Johne’s Goldenem Fassl“ fortgeführt.
Name und historische Vorbilder Der Name „Bucentaurus“ stellte eine Verbindung zu repräsentativen Prunkschiffen her. Als bekanntestes Vorbild gilt der venezianische Bucintoro, das Staatsschiff des Dogen. Für Bayern ist der unter Kurfürst Ferdinand Maria im 17. Jahrhundert entstandene Bucentaur auf dem Starnberger See belegt, der sich seinerseits am venezianischen Vorbild orientierte. Johne bezeichnete den Festbau auf einer Menükarte von 1953 als Rekonstruktion des bayerischen Bucintoro auf dem Starnberger See. Cornelia Oelwein beschreibt ebenfalls den Bezug zu diesem Prunkschiff.
Gastronomisches Angebot mini|hochkant|Menükarte aus dem Jahr 1953 mini|hochkant|Menükarte aus dem Jahr 1953 Die erhaltenen Speise- und Weinkarten dokumentieren ein Angebot aus offenen und flaschenweise angebotenen Weinen, Sekt und Spirituosen. Auf der Speisekarte standen unter anderem Suppen, kalte Platten, Münchner Würste, Gulasch, geräuchertes Ripperl und „Brathühner am Spieß nach Größe“.
Johne’s St. Pauli am Platzl Das mit dem Wiesn-Betrieb verbundene Lokal St. Pauli lag in der Pfisterstraße 4 am Platzl. Oelwein verfolgt die Geschichte des Betriebs von den „Winzerstuben“ über „Johnes Hamburger Seemannskneipe“ bis zu „Johne’s St. Pauli“; der spätere Name „mit Shanghai-Bar“ ist auch in Adressbuch- und Werbeangaben belegt. Fotografien aus dem Familienarchiv zeigen eine maritime Innengestaltung mit Bullaugen, Schiffsmotiven und Barbereich.
Nachfolgebetrieb „Goldenes Fassl“ Das Weinschiff wurde ab 1964 durch das Weinzelt „Johne’s Goldenes Fassl“ ersetzt; sowohl der Sohn Hans-Peter Johne, als auch Oelwein nennt diesen Betrieb als Nachfolger. Zeitgenössische Menükarten aus dem Familienarchiv belegen den Betrieb unter anderem für 1964, 1965, 1967 und 1968; die Karte von 1967 wirbt mit dem Zusatz „früher Wein-Schiff – Bucentaurus“.
Nach der Überlieferung durch den Sohn des Gastwirtes wurde der Familienbetrieb "Goldenes Fassl" nach dem Tod Wilhelm Johnes im Jahr 1970 durch seine Ehefrau bis 1972 fortgeführt.
Einzelnachweise
Kategorie:Oktoberfest (München)