Der Hellweg ist eine Straße im Düsseldorfer Stadtteil Flingern-Nord. Heute verläuft er von der Cranachstraße im Westen in östlicher Richtung und geht an der Grenze zu Gerresheim in die Dreherstraße über. Der Hellweg und die angrenzenden Straßen bilden zugleich ein Wohnquartier, dessen Geschichte eng mit der Stadterweiterung Flingerns, dem sozialen Wohnungsbau der Weimarer Republik und der Entwicklung des Flinger Broichs verbunden ist.

Besondere Bedeutung besitzt die zwischen 1929 und 1931 errichtete Siedlung Hellweg (auch Siedlung Flinger Broich). Sie entstand zur Bekämpfung der damaligen Wohnungsnot und gilt als Beispiel des Neuen Bauens in Düsseldorf. Teile der Siedlung stehen unter Denkmalschutz.

Lage und frühe Entwicklung

Der Hellweg liegt am östlichen Rand Flingerns im Übergangsbereich zum Flinger Broich und nach Gerresheim. Das Gebiet war lange Zeit nur dünn besiedelt. Der Flinger Broich war durch feuchte Niederungen geprägt, die auf einen ehemaligen Rheinarm zurückgeführt werden. Brüche, Wasserflächen und sumpfige Bereiche bestimmten Teile der Landschaft. Später entstanden hier unter anderem Ziegeleien, Industriebetriebe, Kleingärten und Sportanlagen.

Mit dem starken Bevölkerungswachstum Düsseldorfs und der Industrialisierung Flingerns rückte das Gebiet seit dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zunehmend in den städtischen Siedlungsraum. Trotzdem blieb der Bereich östlich der geschlossenen Bebauung Flingerns zunächst durch Kleingärten, Behelfsunterkünfte, unbebaute Flächen und einzelne Häuser geprägt.

Ende der 1920er Jahre wurde dieser Zustand auch in Zusammenhang mit der Düsseldorfer Wohnungsnot wahrgenommen. Zeitgenössische Berichte beschrieben den Hellweg und seine Umgebung als nur teilweise erschlossenes Randgebiet mit schlechter Beleuchtung und teilweise äußerst einfachen Wohnverhältnissen. Ein Bericht des Düsseldorfer Stadt-Anzeigers von 1929 beschrieb das Gebiet zwischen dem sogenannten „Jammertal“, dem Eisenbahndamm Grafenberg–Eller und dem Hellweg. Dort befanden sich neben Wohnbaracken auch Erdhöhlen und zeitweise bewohnte Schrebergartenhäuser. Der Bericht thematisierte zugleich die schlechten Wohnverhältnisse und forderte die Unterbringung der Bewohner in menschenwürdigen Wohnungen sowie den Abriss der Notunterkünfte.

Siedlung Hellweg

Entstehung

Nach dem Ersten Weltkrieg herrschte in Düsseldorf erhebliche Wohnungsnot. Zur Schaffung preisgünstiger Wohnungen ließ die Stadt Ende der 1920er Jahre große Wohnanlagen errichten. Zwischen 1929 und 1931 entstand am Hellweg und zwischen Hellweg und Benzstraße die zunächst als Kleinstwohnungen Siedlung Flingerbroich beziehungsweise Städtische Kleinwohnungen Flingerbroich bezeichnete Siedlung.

Bauherr war die Bürohausgesellschaft m.b.H. Düsseldorf. An der Planung waren unter anderem Fritz Hofmeister, Hanns Bökels und Otto Biskaborn beteiligt. Die Quellen machen zur Urheberschaft der Gesamtplanung unterschiedliche Angaben: Baukunst NRW führt Fritz Hofmeister als Gesamtplaner auf und schreibt ihm insbesondere das Konzept der ersten Planungsphase zu; die Stadt Düsseldorf nennt dagegen Hanns Bökels und Otto Biskaborn als Urheber der Gesamtplanung. Als weitere beteiligte Architekten nennt Baukunst NRW Wilhelm Ernst, Carl Krieger, Fritz Leykauf, Hermann Schagen, Hans Spiegel, Gustav Utermann und Eduard Lyonel Wehner.

Das ursprüngliche Konzept war auf mehr als 1000 Wohneinheiten mit typisierten Kleinwohnungen ausgerichtet. Im ersten Bauabschnitt entstanden 520 Wohnungen. Acht viereinhalbgeschossige Blöcke wurden parallel zum Hellweg angeordnet. In einer zweiten Bauphase ab 1930 wurde die Anlage durch nord-südlich ausgerichtete Zeilenbauten zwischen Benzstraße und der heutigen Dieselstraße erweitert.

Mit dem Bau der Siedlung wurde auch der Straßenraum des Hellwegs grundlegend verändert. Der zuvor vergleichsweise schmale Hellweg wurde verlegt und zu einer breiten, geschwungenen Ost-West-Verbindung ausgebaut. Damit wurde die Straße selbst zu einem wesentlichen Element der städtebaulichen Neuordnung des Gebiets.

Neues Bauen

Die Anlage gilt als Beispiel des Neuen Bauens in Düsseldorf. Charakteristisch sind die weitgehende Standardisierung der Gebäude, Flach- beziehungsweise flach geneigte Pultdächer, kubische Baukörper und weitgehend schmucklose Fassaden. Klinker- und Putzflächen strukturieren die Gebäude am Hellweg. Die später entstandenen Zeilenbauten wurden in aufgelockerter Nord-Süd-Ausrichtung errichtet.

Während am Hellweg eine viergeschossige Blockrandbebauung entstand, wurde im Inneren der Siedlung eine aufgelockerte Zeilenbauweise verwendet. Die Wohnungen waren als kostengünstige Kleinwohnungen konzipiert und insbesondere für einkommensschwache, kinderreiche und von Wohnungsnot betroffene Familien vorgesehen.

Zeitgenössische Wahrnehmung

Der Düsseldorfer Stadt-Anzeiger bezeichnete die Siedlung im August 1930 als eine „Stadt für sich“. Zu diesem Zeitpunkt umfasste sie nach Angaben der Zeitung 512 Wohnungen mit rund 2500 Bewohnern. Als Zielgruppen wurden unter anderem besonders bedürftige Wohnungssuchende, von Zwangsräumungen Betroffene und kinderreiche Familien genannt. Zugleich hob der Bericht den Gegensatz zwischen der neuen Wohnanlage und den damals noch weitgehend unbebauten und nachts schlecht beleuchteten Flächen der Umgebung hervor.

Im Juli 1931 berichtete die Zeitung über die weitere Entwicklung des Quartiers. Wo sich wenige Jahre zuvor noch Gärten und Felder befunden hatten, waren Wohnblöcke und neue Straßen entstanden. Der Hellweg wurde nun als breite, von Baumreihen gegliederte Straße mit einer Promenade in der Mitte, getrennten Fahrbahnen, Radwegen und breiten Bürgersteigen beschrieben. Zur Siedlung gehörten außerdem Grün- und Spielflächen sowie sechs Verkaufsläden.

Peter Kürten und der Hellweg

Ende der 1920er Jahre gehörte das noch teilweise unbebaute Gebiet um Hellweg, Flinger Broich, Torfbruch und Ostpark zu den Schauplätzen der Verbrechen des Serienmörders Peter Kürten. Die Mischung aus Kleingärten, Behelfsunterkünften, wenig bebauten Flächen und schlecht beleuchteten Wegen begünstigte die Abgeschiedenheit einzelner Tatorte.

Hanno Parmentier beschreibt in seiner Biografie über Kürten den Bereich zwischen Bruchstraße, Torfbruchstraße, Ostpark und Bertastraße als eine Übergangslandschaft am damaligen Stadtrand, die Kürten auf der Suche nach Opfern durchstreifte. Neben Kleingärten bestanden dort Siedlungen und Notunterkünfte. Bereits Ende 1928 begegnete Kürten nach eigener späterer Aussage in der Bertastraße einem Kind, das sich auf dem Weg zu Verwandten „in der Siedlung am Hellweg beim Postsportplatz“ befand. Nach einem Überfall auf Apollonia Kühn in der Bertastraße am 2. Februar 1929 führte sein Weg über den Bahndamm und den heutigen Siedlerweg zum Tunnel am Hellweg.Hanno Parmentier: Der Würger von Düsseldorf. Leben und Taten des Serienmörders Peter Kürten. Sutton Verlag, Erfurt 2013, S. 19–21, 36. Die damalige Randlage und die noch geringe Bebauungsdichte des Gebiets sind auch im Düsseldorfer Stadtplan von 1922 und in einem Luftbild von 1927 erkennbar.

Im Februar 1929 traf Kürten in unmittelbarer Nähe des Hellwegs auf den arbeitslosen Schlosser Rudolf Scheer und tötete ihn. Eine am 15. Februar 1929 angefertigte polizeiliche Tatortskizze dokumentiert die damalige Umgebung und verzeichnet unter anderem den Alten und Neuen Hellweg, Flinger Broich, eine Ziegelei, Kleingärten und Eisenbahnanlagen.Parmentier, S. 43–45. Die Tat wurde zunächst dem bereits wegen anderer Überfälle verdächtigten Johann Stausberg zugeschrieben. Nach seiner Festnahme im Mai 1930 gestand Kürten auch den Mord an Scheer.

Am 25. Oktober 1929 griff Kürten die 34-jährige Frau Meurer am Hellweg an und verletzte sie durch Messerstiche schwer. Sie überlebte und identifizierte Kürten nach dessen Festnahme als Täter. Ein Artikel des Düsseldorfer Stadt-Anzeigers vom 27. Oktober 1929 schilderte den Tatort als ausgesprochen schlecht beleuchtet. Zwischen der Rosmarinstraße und der Dreherstraße habe es keine Straßenlaternen gegeben.

In unmittelbarer Nähe des Tatortes befand sich das Haus Hellweg 201, wo besagte Frau Meurer lebte. Der Zeitungsbericht beschrieb dort ein großes, verwahrlostes Backsteinhaus und mehrere in Richtung Gerresheim anschließende Baracken. Eine ebenfalls dort lebende Familie wartete auf die Zuteilung einer Wohnung in der gerade entstehenden neuen Siedlung am Hellweg. Parmentier zufolge wurde die damals im Bau befindliche Siedlung in den Ermittlungsakten als „die neuen Häuser“ bezeichnet.Parmentier, S. 13.

Als Reaktion auf die Überfälle wurde der Polizeischutz in dem Gebiet verstärkt. Für die Schrebergartenkolonie am Hellweg und das damals als „Jammertal“ bezeichnete Gebiet richtete die Polizei vorübergehend eine nachts besetzte Wache ein, von der aus zusätzliche Streifen durchgeführt wurden.

Nach Kürtens Festnahme im Mai 1930 berichteten Zeitungen, dass er zur Überprüfung seiner Aussagen unter anderem zu Tatorten am Torfbruch und am Hellweg gebracht worden sei.

Hellweg-Bande

In der unmittelbaren Nachkriegszeit wurde der Name der Straße durch die sogenannte Hellweg-Bande über Düsseldorf hinaus bekannt. Die Gruppe war 1945 und 1946 in Flingern aktiv und verübte Einbrüche und Überfälle auf Lebensmittel- und Warenlager, Transporte und Geschäfte.

Als Anführer gilt Hubert Lange, genannt „Graf Mocca von Tonelli“. In der späteren lokalen Überlieferung wurde er teilweise als „Robin Hood vom Hellweg“ bezeichnet, weil ein Teil erbeuteter Lebensmittel an Bewohner des von Not und Lebensmittelknappheit betroffenen Viertels verteilt worden sein soll.

1946 wurde der Kern der Gruppe festgenommen. Lange wurde von einem britischen Militärgericht zunächst zum Tode verurteilt; das Urteil wurde später in eine Zuchthausstrafe umgewandelt.Walther Hensel: 3 × Kommunalpolitik. 1926–1964. Ein Beitrag zur Zeitgeschichte. Grote, Köln 1970, S. 118–121.

Seit 2025 erinnert eine Informationsstele des FlingerPfads an der Ecke Bruchstraße/Hellweg an die Geschichte der Siedlung und der Hellweg-Bande.

Denkmalschutz und Modernisierung

Die Bebauung am Hellweg wurde 2017 unter Denkmalschutz gestellt. Die heute als Hellweg-Siedlung bezeichnete Anlage befindet sich im Eigentum der Städtische Wohnungsgesellschaft Düsseldorf (SWD).

Seit 2020 wird die historische Bebauung abschnittsweise modernisiert. Dabei sollen die teilweise noch auf den Kleinwohnungsbau der späten 1920er Jahre zurückgehenden Grundrisse an heutige Wohnstandards angepasst werden, während die denkmalgeschützten Fassaden und der städtebauliche Charakter erhalten bleiben.

Parallel dazu wird das Quartier durch Neubauten ergänzt. In einem 2016 durchgeführten Landeswettbewerb wurden Konzepte zur Weiterentwicklung der Siedlung Flinger Broich entwickelt. Dabei sollten sowohl der historische Bestand als auch die charakteristischen Grünräume berücksichtigt werden.

Verkehr

Der Hellweg ist eine wichtige Ost-West-Verbindung zwischen Flingern und Gerresheim. Gemeinsam mit der Dreherstraße bildet er eine Achse des Düsseldorfer Radhauptnetzes. Auf dem Abschnitt zwischen Bruchstraße und Junkersstraße wurden auf beiden Straßenseiten rund 400 Meter Radfahrstreifen angelegt.

Literatur

Hanno Parmentier: Der Würger von Düsseldorf. Leben und Taten des Serienmörders Peter Kürten. Sutton, Erfurt 2013, ISBN 978-3-95400-178-1. Walther Hensel: 3 × Kommunalpolitik. 1926–1964. Ein Beitrag zur Zeitgeschichte. Grote, Köln 1970. Gerda Kaltwasser: 1946. Neuanfang: Leben in Düsseldorf. Stadtmuseum Düsseldorf, Düsseldorf 1986. Alfons Kenkmann: Wilde Jugend. Lebenswelt großstädtischer Jugendlicher zwischen Weltwirtschaftskrise, Nationalsozialismus und Währungsreform. Klartext, Essen 1996.

Weblinks

Einzelnachweise

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