Michael (Michel) Johann Müller († 1763 oder 1771 in Stralsund) war ein deutscher Bildhauer des Barock, der im 18. Jahrhundert eine Werkstatt in Stralsund betrieb und vor allem Kirchen im nördlichen Vorpommern ausstattete.

Leben Über Müllers Leben ist wenig bekannt. Er kam als Auswärtiger nach Stralsund und war wahrscheinlich Schüler und Werkstattmitarbeiter bei Elias Keßler. Erstmals in den städtischen Urkunden erscheint Müller erst, nachdem Keßler 1730 verstorben war und Müller nach Ablauf des Trauerjahres am 20. Januar 1731 in der Stralsunder Marienkirche dessen Witwe Maria Rose heiratete und damit die Werkstatt übernahm.Detlef Witt: Ein Meister barocker Holzskulptur: Elias Kessler hat die Stralsunder Bildhauerkunst im 18. Jahrhundert über seinen Tod hinaus geprägt, veröffentlicht in Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Offene Kirchen 2026: jung und alt – alt und neu, S. 56–59. Im selben Jahr erhielt er das Bürgerrecht in Stralsund. Nach dem Tod seiner ersten Frau schloss er am 10. November 1736 eine zweite Ehe mit Christina Elisabeth Drews. Die in den städtischen Urkunden zwischen 1768 und 1770 genannten Georg Friedrich Müller (* um 1739), der 1768 als Bildhauer das Bürgerrecht erhielt, und dessen vermutlich jüngerer Bruder, der Bildhauergeselle Johann Michael Müller, waren vermutlich seine Söhne aus zweiter Ehe. Sein Sterbedatum ist nicht sicher bezeugt, da sowohl für 1763 als auch 1771 Sterbeeinträge für einen Bildhauer Müller – jeweils ohne Vorname – im Kirchenbuch verzeichnet sind.

1747 ist Müller als Besitzer des im selben Jahr erbauten Hauses Palmentierstraße 69 (heute Heilgeiststr. 94) genannt.

Werk Das erste Müller sicher zuzuschreibende Werk sind die Skulpturen am Orgelprospekt der St.-Jakobi-Kirche in Stralsund. In den Rechnungen ist festgehalten, dass er dafür 350 Reichstaler erhielt – 100 weniger, als er gefordert hatte.

Mehrere seiner Werke zeigen eine enge Abhängigkeit von Keßlers Arbeiten. So finden sich in den Giebelfeldern einiger seiner Altaraufsätze, aber auch als Bekrönung mehrerer Beichtstühle, die Wolkengloriole, die auch Keßler für mehrere seiner Altäre verwendet hatte, beispielsweise das 1726/27 für Sagard hergestellte Retabel. Die vom Pietismus geprägte, ausgefeilte Zahlensymbolik des Vorbildes, des 1706–1708 von Thomas Phalert geschaffenen Hauptaltars der St.-Nikolai-Kirche in Stralsund, ist bei Müller wie bereits bei Keßler deutlich vereinfacht und auf Symbole der Trinität wie das Dreieck und die Dreizahl der Engel reduziert. Wie auch bei Keßlers Altären rahmen auch bei Müllers Retabeln häufig Skulpturen von Mose mit den Gesetzestafeln und Aaron als Hohepriester das Mittelfeld. Dabei fällt auf, dass Müllers Skulpturen weniger bewegt, aber individueller und ausdrucksvoller gestaltet sind. Besonders gut lässt sich die stilistische Ähnlichkeit, aber auch die Fortentwicklung in der 1726/28 auf dem Darß errichteten Seemannskirche (Prerow) beobachten, wo ein 1728 von Keßler geschaffener Kanzelaltar direkt neben einer zwölf Jahre später von Müller gearbeiteten Taufkapelle steht.

Werke (Auswahl) 1731: Skulpturen am Orgelprospekt der St.-Jakobi-Kirche in Stralsund 1736/1740: Mose und Aaron am Altar der Kirche Wusterhusen 1740: Taufkapelle in der Seemannskirche (Prerow) 1742/43: Kanzelaltar in der Kapelle Bessin 1744: Kanzel in der Kirche Eixen 1746: Altaraufsatz in der St.-Nikolai-Kirche (Altefähr) 1747/48: Altaraufsatz in der St.-Georg-Kirche (Wiek) 1750: Kirchenausstattung der Christus-Kirche (Velgast); Kanzelaltar 1984 entfernt und zerlegt 1752–1754: Altaraufsatz, Beichtstuhl und vermutlich auch Tauftisch in der St.-Katharinen-Kirche (Trent) 1765 (zugeschrieben): Kanzel der St.-Laurentius-Kirche (Zudar)

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Einzelnachweise

Kategorie:Bildhauer des Barock Kategorie:Bildhauer (Deutschland) Kategorie:Geboren im 17. oder 18. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 18. Jahrhundert Kategorie:Mann