Kai Schiemenz (* 10. November 1966 in Erfurt) ist ein deutscher Bildhauer und Zeichner. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Leben Kai Schiemenz studierte von 1990 bis 1991 an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und von 1992 bis 1998 Visual Cultural Studies an der Universität der Künste Berlin. 1999 war er dort Meisterschüler von Lothar Baumgarten.

1999 erhielt Schiemenz den GASAG-Kunstpreis. Es folgten unter anderem ein Arbeitsstipendium für Bildende Kunst der Berliner Senatskanzlei von 2001 bis 2004, ein Stipendium der Villa Aurora in Los Angeles 2005, ein Arbeitsstipendium der Stadt Madrid 2006, eine Residency an der Monash University in Melbourne 2009 sowie ein New-York-Stipendium der Berliner Senatskanzlei für Kulturelle Angelegenheiten 2010.

Werk Schiemenz beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit Stadt, Raum und Architektur. In den frühen 2000er Jahren entstanden Zeichnungen und Raumsimulationen, in denen er unter anderem Elemente aus Comic, Illustration und Konstruktionszeichnung miteinander verband. Der Tagesspiegel beschrieb 2000 seine damaligen Arbeiten als Verbindung von Zeichnung, Konstruktionsentwurf und Raumsimulation.

Über mehr als ein Jahrzehnt entwickelte Schiemenz große, begehbare Konstruktionen, die zwischen Architektur und Skulptur angesiedelt waren. Sie dienten als Modelle von Räumen und öffentlichen Strukturen und wurden teilweise als begehbare Installationen im öffentlichen Raum realisiert. Zu den verwendeten Materialien gehörten unter anderem Holz, MDF-Platten und Dachlatten.

Ein Beispiel für diese Auseinandersetzung mit Architektur und Utopie ist die 2006 entstandene Installation in Zamość in Polen, die sich auf Wladimir Tatlins Monument der III. Internationale bezog. Auch in Zeichnungen und Arbeiten auf Papier setzte sich Schiemenz mit den Architekturvisionen der russischen Konstruktivisten auseinander. Das Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt unter anderem seine 2005 entstandene Arbeit Avantgarde.

Seit etwa 2012 arbeitet Schiemenz verstärkt mit Glas. Seine Glasskulpturen entstehen nach Abformungen, die in einer tschechischen Manufaktur in Glas übertragen werden. Die Arbeiten greifen unter anderem Formen und Strukturen von Gestein auf. Das GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig zeigte 2021/22 zehn freistehende Glasskulpturen und drei Wandarbeiten von Schiemenz.

Neben Glas verwendet Schiemenz unter anderem Keramik, Holz und Papier. In der Ausstellung ''Große und Kleine – Pistazie / Malve / Koralle'' in der Städtischen Galerie Wolfsburg wurden 2016 unter anderem farbige Glasskulpturen und Arbeiten aus glasierter Baukeramik gezeigt. Die damalige Rezeption beschrieb einen Wandel von den früheren begehbaren Architektur-Skulpturen hin zu einer stärkeren Konzentration auf Volumen, Material und Oberfläche.

Ausstellungen Schiemenz war seit den 1990er Jahren an zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen beteiligt.

2005 nahm er an der Ausstellung Wittgenstein in New York – Architektur in der zeitgenössischen Kunst auf Papier im Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin teil. 2011 war er dort mit Arbeiten in der Ausstellung Neue Realitäten. FotoGrafik von Warhol bis Havekost vertreten.

2016 zeigte die Städtische Galerie Wolfsburg die Einzelausstellung Große und Kleine – Pistazie / Malve / Koralle. Im selben Jahr nahm Schiemenz am Lichtparcours Braunschweig teil, für den er die Lichtskulptur Bastion Beauté realisierte.

2019 war Schiemenz gemeinsam mit William Tucker und Stefan Guggisberg in der Ausstellung ''Bunte Steine'' im Georg Kolbe Museum in Berlin vertreten. Die Ausstellung zeigte rund 30 Werke der drei Künstler und stellte ihre unterschiedlichen Auseinandersetzungen mit dem Motiv und der Materialität von Gestein einander gegenüber.

Von November 2021 bis April 2022 zeigte das GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig die Einzelausstellung Gläserne Steine. Zu sehen waren Arbeiten aus den Jahren 2013 bis 2019.

2024 zeigte die Galerie EIGEN + ART in Berlin die Einzelausstellung PRIEL. 2026 war Schiemenz an der Ausstellung Colour Crush in der Kunsthalle Nürnberg beteiligt, die vom 21. März bis zum 7. Juni 2026 stattfand.

Arbeiten für die Griffelkunst Die Griffelkunst-Vereinigung Hamburg hat seit 2012 mehrfach Arbeiten von Schiemenz herausgegeben. 2012 präsentierte sie seine Rauminstallation Mr. Hyde und veröffentlichte gleichzeitig Portfolio Nº4, eine Publikation über seine Installationen, Skulpturen, Grafiken und Malerei.

Für die Griffelkunst entstanden außerdem acht großformatige Holzdrucke. 2017 gab die Vereinigung zwei keramische Arbeiten von Schiemenz als Editionen E 533 und E 534 heraus. Dabei handelt es sich um glasierte Keramikkacheln, die auf Multiplex montiert sind.

Preise und Stipendien 1999: GASAG-Kunstpreis, Berlin 2001–2004: Arbeitsstipendium Bildende Kunst der Senatskanzlei des Berliner Senats 2004: Projektstipendium des Hauptstadtkulturfonds Berlin 2005: Villa-Aurora-Stipendium, Los Angeles 2006: Arbeitsstipendium der Stadt Madrid 2009: MADA Residency, Monash University, Melbourne 2010: New-York-Stipendium der Senatskanzlei Berlin für Kulturelle Angelegenheiten

Literatur Dirk Dobke (Hrsg.): Portfolio Nº4. Kai Schiemenz. Griffelkunst-Vereinigung Hamburg, Hamburg 2012. Julia Wallner (Hrsg.): Bunte Steine. William Tucker, Kai Schiemenz, Stefan Guggisberg. Georg Kolbe Museum, Berlin 2019. Gläserne Steine. Kai Schiemenz. GRASSI Museum für Angewandte Kunst, Leipzig 2021. Stefan Klein, Knut Ebeling: Kai Schiemenz – Priel. Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin, Dr. Cantz'sche Verlagsgesellschaft, Berlin 2023.

Einzelnachweise

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