Fermanagh and South Tyrone ( []) ist ein Wahlkreis () in Nordirland, der einen Abgeordneten ins britische Unterhaus (House of Commons) entsendet. Er besteht seit 1950 und liegt in den Grafschaften Fermanagh und Tyrone. Bedeutende Orte im Wahlkreis sind Dungannon, Enniskillen, Irvinestown und Lisnaskea.

Geschichte Die Boundary Commission for Northern Ireland schuf den Wahlkreis im Hinblick auf die Unterhauswahl 1950. Er entstand durch die Aufteilung des bisherigen Zweierwahlkreises Fermanagh and Tyrone. 1983, 1997 und 2024 nahm die Boundary Commission im Rahmen periodischer Überprüfungen verschiedene Änderungen des Grenzverlaufs vor.

Der Wahlkreis umfasst(e) folgende Gebiete: 1950–1983: den Urban District Dungannon, die Rural Districts Clogher und Dungannon sowie im Rural District Omagh die Wahlsprengel Aghafad, Dervaghroy, Dromore, Drumharvey, Ecclesville, Fallaghearn, Fintona, Greenan, Killskerry, Lifford, Moorfield, Rahoney, Seskinore, Tattymoyle und Trillick 1983–1997: den Fermanagh District und den Dungannon District 1997–2024: den Fermanagh District sowie im Dungannon District die Wards Augher, Aughnacloy, Ballygawley, Ballysaggart, Benburb, Caledon, Castlecaulfield, Clogher, Coolhill, Drumglass, Fivemiletown, Killyman, Killymeal, Moy, Moygashel und Mullaghmore seit 2024: im Armagh City, Banbridge and Craigavon District den Ward Blackwatertown, im Fermanagh and Omagh District die Wards Ballinamallard, Belcoo & Garrison, Belleek & Boa, Boho, Cleenish & Letterbreen, Brookeborough, Castlecoole, Derrygonnelly, Derrylin, Donagh, Ederney & Kesh, Erne, Florence Court & Kinawley, Irvinestown, Lisbellaw, Lisnarrick, Lisnaskea, Maguiresbridge, Newtownbutler, Portora, Rosslea, Rossorry und Tempo sowie im Mid Ulster District die Wards Augher & Clogher, Aughnacloy, Ballygawley, Ballysaggart, Caledon, Castlecaulfield (teilweise), Fivemiletown, Killymeal, Moy, Moygashel und Mullaghmore

Seit jeher herrscht ein labiles Gleichgewicht zwischen unionistischen und nationalistischen Wählern, wobei die Nationalisten in letzterer Zeit eine knappe Mehrheit haben. Bei vielen Wahlen trug ein Kandidat der einen Seite den Sieg davon, weil sich die Stimmen auf mehrere Kandidaten der Gegenseite verteilt haben. Wohl gerade wegen dieses Gleichgewichts verzeichnete Fermanagh und South Tyrone mehrfach die höchste Wahlbeteiligung und den geringsten Vorsprung des Gewinners aller nordirischen Wahlkreise. 1950 und 1951 wurde der Sitz von der Nationalist Party gewonnen, 1955 dann von Sinn Féin. Der Sinn-Féin-Kandidat Philip Clarke verlor seinen Sitz jedoch als Folge einer Wahlbeschwerde, da er aufgrund seiner Verurteilungen im Zusammenhang mit der Irischen Republikanischen Armee (IRA) nicht wählbar war; daraufhin wurde der Sitz seinem unterlegenen Gegenkandidaten Robert Grosvenor von der Ulster Unionist Party (UUP) übertragen.

1970 gewann Frank McManus den Sitz; er hatte auf der Unity-Liste kandidiert, deren Ziel es war, die nationalistischen Wähler zu vereinen. Bei der Unterhauswahl im Februar 1974 trat jedoch die Social Democratic and Labour Party (SDLP) ebenfalls an, was zu einer Spaltung der nationalistischen Wählerschaft führte und es Harry West von der UUP ermöglichte, mit Unterstützung der Vanguard Progressive Unionist Party und der Democratic Unionist Party zu gewinnen. Im Oktober 1974 schlossen die Nationalisten ein Bündnis, und Frank Maguire gewann als unabhängiger Republikaner. Er behielt seinen Sitz bei der Unterhauswahl 1979, als sowohl die unionistischen als auch die nationalistischen Stimmen gespalten waren – erstere durch das Eingreifen von Ernest Baird, dem Vorsitzenden der kurzlebigen United Ulster Unionist Party, und letztere durch Austin Currie, der sich der offiziellen Entscheidung der SDLP widersetzte, nicht für den Sitz zu kandidieren.

Maguire starb im März 1981. Die anschließende Nachwahl fand vor dem Hintergrund des irischen Hungerstreiks von 1981 statt. Im Rahmen der Kampagne für die fünf Forderungen der Gefangenen wurde Bobby Sands, der kommandierende Offizier der Provisional Irish Republican Army im Maze Prison, als Kandidat der Bewegung „Anti-H-Block/Armagh Political Prisoner“ nominiert. Sands gewann mit über 1400 Stimmen Vorsprung auf Harry West von der UUP. und starb 26 Tage später im Hungerstreik. Eine im Eilverfahren verabschiedete Gesetzesänderung untersagte Gefangenen, die eine Haftstrafe von 12 Monaten oder länger verbüßten, die Kandidatur für das Parlament. So trat bei der zweiten Nachwahl Sands’ Bevollmächtigter Owen Carron als „stellvertretender politischer Gefangener“ an und setzte sich durch; 1982 wechselte er offiziell zu Sinn Féin.

Bei den Parlamentswahlen 1983 erlitten die Nationalisten eine Niederlage, als die SDLP ebenfalls kandidierte. Es gewann Ken Maginnis, der den Sitz für die UUP in den folgenden achtzehn Jahren bis zu seinem Rücktritt hielt. Änderungen der Wahlkreisgrenzen hatten mittlerweile zu einem ausgeglichenen Verhältnis von etwa 50:50 zwischen Unionisten und Nationalisten geführt, und es wurde erwartet, dass ein einzelner unionistischer Kandidat den Sitz würde halten können. Es kam jedoch zu einer Aufsplitterung sowohl der nationalistischen als auch der unionistischen Stimmen. Die Sinn-Féin-Kandidatin Michelle Gildernew gewann mit 53 Stimmen Vorsprung. Anschließend wurde das Ergebnis angefochten, da Vorwürfe lauteten, ein Wahllokal sei gewaltsam über die festgelegte Frist hinaus offen gehalten worden, wodurch mehr Menschen ihre Stimme abgeben konnten. Die Gerichte gaben der Anfechtung nicht statt, da sie der Ansicht waren, dass die nach der gesetzlichen Schließungszeit abgegebenen Stimmen das Ergebnis nicht beeinflusst hätten.

Gildernew verteidigte ihren Sitz bei den zwei darauffolgenden Wahlen, wobei ihr Vorsprung 2010 lediglich vier Stimmen betrug. Eine Wahlbeschwerde des unterlegen unionistischen Kandidaten Rodney Connor bemängelte, dass die Zahl der in den Wahllokalen erfassten Wahlzettel nicht mit jener übereinstimmte, die anschließend im Auszählungszentrum registriert wurde. Die Beschwerde wurde zurückgewiesen, nachdem festgestellt worden war, dass lediglich drei zusätzliche Stimmen unauffindbar blieben. Selbst bei deren Ausschluss hätte Gildernew immer noch einen Vorsprung von einer Stimme gehabt. Gildernew verlor ihren Sitz 2015 an Tom Elliott von der UUP, konnte ihn aber 2017 zurückgewinnen. 2019 setzte sie sich mit 57 Stimmen Vorsprung durch, 2024 ging der Sitz an ihre Parteikollegin Pat Cullen.

Abgeordnete Jahre Abgeordneter Partei Foto 1950–1955 Cahir Healy 1955 Philip Clarke 1955–1964 Robert Grosvenor 1964–1970 James Hamilton 60px 1970–1974 Frank McManus 1974 Harry West 60px 1974–1981 Frank Maguire 1981 Bobby Sands 1981–1982 Owen Carron 1982–1983 1983–2001 Ken Maginnis 2001–2015 Michelle Gildernew 60px 2015–2017 Tom Elliott 60px 2017–2024 Michelle Gildernew 60px 2024– Pat Cullen 60px

Wahlergebnisse

Unterhauswahl 1950

Unterhauswahl 1951

Unterhauswahl 1955

Nach der Wahl wurde Philip Clarke von einem Wahlgericht für nicht wählbar erklärt, woraufhin das Mandat an Robert Grosvenor ging.

Unterhauswahl 1959

Unterhauswahl 1964

Unterhauswahl 1966

Unterhauswahl 1970

Unterhauswahl Februar 1974

Unterhauswahl Oktober 1974

Unterhauswahl 1979

Nachwahlen 1981 Die erste Nachwahl fand am 9. April 1981 nach dem Tod von Frank Maguire statt.

Die zweite Nachwahl folgte am 20. August 1981 nach dem Tod von Bobby Sands im Irischen Hungerstreik von 1981.

Unterhauswahl 1983

Nachwahl 1986 Die Nachwahl fand am 23. Januar 1986 statt, nachdem sämtliche unionistischen Abgeordneten zurückgetreten waren, um ihre Ablehnung des anglo-irischen Abkommens zu verdeutlichen.

Unterhauswahl 1987

Unterhauswahl 1992

Unterhauswahl 1997

Unterhauswahl 2001

Unterhauswahl 2005

Unterhauswahl 2010

Unterhauswahl 2015

Unterhauswahl 2017

Unterhauswahl 2019

Unterhauswahl 2024

Weblinks Übersicht der Wahlergebnisse (englisch) Britische Wahlergebnisse seit 1832 (englisch) Karte der Wahlkreisgrenzen 2010–2024 Karte der Wahlkreisgrenzen seit 2024

Einzelnachweise

Kategorie:Wahlkreis für das House of Commons (Nordirland) Kategorie:Armagh City, Banbridge and Craigavon Kategorie:Fermanagh and Omagh Kategorie:Mid Ulster Kategorie:Wahlkreisgründung 1950