Die Zyklonsaison im Nordindik 1995 umfasste acht vom India Meteorological Department (IMD) erfasste tropische Tiefdrucksysteme. Drei entwickelten sich zu zyklonischen Stürmen; zwei davon erreichten mindestens die Stärke eines sehr schweren zyklonischen Sturms. Sieben Systeme entstanden im Golf von Bengalen, nur eines im Arabischen Meer.
Im Mai folgten drei kurzlebige Deep Depressions ungewöhnlich rasch aufeinander. Die beiden stärksten Stürme entstanden im November. BOB 06 verursachte nicht nur an den Küsten Indiens und Bangladeschs Schäden, sondern löste später in Nepal heftige Schneefälle und Lawinen aus. Der stärkste Sturm BOB 07 traf Ende November auf den Südosten Bangladeschs.
Stürme
Deep Depression BOB 01
Am 5. Mai bildete sich nördlich von Sri Lanka ein Tiefdruckgebiet, das nach Westnordwesten zog und sich noch am selben Tag zu einer Depression entwickelte. Die Zirkulation war in die Monsunrinne eingebettet und bestand zeitweise aus mehreren kleinen Zentren. Am 6. Mai traf die Deep Depression nahe Cuddalore auf Tamil Nadu und schwächte sich am folgenden Tag zu einem Resttief ab.
Das System brachte Tamil Nadu und dem benachbarten Andhra Pradesh starke Niederschläge. In Tamil Nadu kamen zwölf, in Kerala fünf Menschen ums Leben; rund 400 Häuser wurden beschädigt.
Deep Depression BOB 02
Bereits am 8. Mai entstand etwa 120 km vor der Küste Andhra Pradeshs die nächste Depression. Sie zog nordostwärts, verstärkte sich zur Deep Depression und traf am 9. Mai nahe Tuni auf Land. Am folgenden Tag ging sie über Land in ein Resttief über.
In Andhra Pradesh forderte das System 22 Todesopfer. Rund 40.000 Häuser wurden beschädigt; die Schäden wurden auf etwa 4,7 Milliarden Rupien beziffert.
Deep Depression BOB 03
Die dritte Deep Depression innerhalb von zwei Wochen bildete sich am 14. Mai vor der Küste Orissas. Sie zog zunächst annähernd parallel zur Küste nach Norden und traf am 16. Mai auf Sagar Island in Westbengalen. Anschließend wanderte sie nordostwärts durch Bangladesch und löste sich am 18. Mai über Assam auf.
Eine bis zu drei Meter hohe Sturmflut und starker Regen überschwemmten Küstengebiete Bangladeschs. Etwa 100.000 Menschen wurden in Schutzräume gebracht, mehr als 60.000 verloren ihre Unterkunft. Auf Hatia wurden über 5000 Häuser und große landwirtschaftliche Flächen zerstört. In Bangladesch kamen 60 Menschen ums Leben; zusammen forderten die drei Depressionen im Mai in Indien weitere 86 Todesopfer.
Depression BOB 04
Die Reste eines tropischen Tiefdruckgebiets aus dem westlichen Pazifik überquerten Indochina und gelangten Mitte September in den Golf von Bengalen. Das IMD klassifizierte das System am 15. September als Depression, das JTWC führte es als tropischen Sturm 01B. Die Depression zog nach Westnordwesten und traf am 17. September nahe Balasore auf Orissa. Ihr Resttief bestand noch mehrere Tage und brachte Orissa und Bihar starke Niederschläge.
Depression BOB 05
Am 26. September bildete sich im nordwestlichen Golf von Bengalen eine Depression. Sie zog nach Nordwesten und überquerte nahe Balasore die Küste. Ein Hochdruckgebiet lenkte das System anschließend nach Nordosten; am 28. September löste es sich über Westbengalen auf. In Orissa, Bihar und Westbengalen kam es zu Starkregen. Im Distrikt Malda wurden 570 mm Niederschlag gemessen.
Zyklonischer Sturm ARB 01
Ein über Zentralindien gelegenes Tiefdruckgebiet gelangte am 12. Oktober in das Arabische Meer und entwickelte sich dort zu einer Depression. Auf einer westnordwestlichen Zugbahn verstärkte sich ARB 01 am 14. Oktober zu einem zyklonischen Sturm mit Windgeschwindigkeiten von 85 km/h. Zunehmende Windscherung schwächte das System ab; es drehte nach Südwesten und löste sich am 17. Oktober weit östlich der somalischen Küste auf.
Sehr schwerer zyklonischer Sturm BOB 06
Aus der Monsunrinne entstand am 6. November östlich von Indien eine Depression. Sie zog nach Nordwesten und verstärkte sich stetig. Am 9. November erreichte BOB 06 mit dreiminütig anhaltenden Windgeschwindigkeiten von 120 km/h die Stärke eines sehr schweren zyklonischen Sturms und traf nahe der Grenze zwischen Andhra Pradesh und Orissa auf Land. Das System zog ungewöhnlich weit nach Norden und löste sich am 11. November über Nepal auf.
Wind, Starkregen und eine etwa 1,5 m hohe Sturmflut beschädigten in Indien Häuser, landwirtschaftliche Flächen, Stromleitungen und Boote. Dort kamen 128 Menschen ums Leben; der Sachschaden wurde auf 46,3 Millionen US-Dollar geschätzt. Vor Bangladesch starben 45 Menschen, nachdem hohe Wellen mehrere Schiffe versenkt oder fortgerissen hatten.
Die feuchte Restzirkulation verursachte im Osten Nepals einen für November außergewöhnlichen Schneesturm. Schneehöhen von bis zu zwei Metern lösten Lawinen und Erdrutsche aus; dabei starben 63 Menschen. Rund 450 Personen wurden bei der bis dahin größten Such- und Rettungsaktion des Landes geborgen.
Extrem schwerer zyklonischer Sturm BOB 07
Eine Störung nahe dem Norden Sumatras zog westnordwestwärts durch den Golf von Bengalen und entwickelte sich am 21. November zu einer Depression. Das System intensivierte sich rasch und erreichte am 24. November dreiminütig anhaltende Windgeschwindigkeiten von 190 km/h. Danach bog BOB 07 nach Nordosten ab und geriet unter zunehmende Windscherung. Am 25. November traf der Zyklon südlich von Cox’s Bazar mit Windgeschwindigkeiten von etwa 120 km/h auf Bangladesch und löste sich wenig später über Myanmar auf.
Vor dem Landfall wurden rund 300.000 Menschen evakuiert. Eine etwa ein Meter hohe Sturmflut überschwemmte vorgelagerte Inseln, etwa 10.000 Hütten wurden zerstört und die Ernte im Rakhaing-Staat schwer beschädigt. Viele Fischer wurden zunächst vermisst. Insgesamt kamen 172 Menschen ums Leben.
Siehe auch Atlantische Hurrikansaison 1995 Südpazifische Zyklonsaisons: 1994–1995
Einzelnachweise
Weblinks
India Meteorological Department Joint Typhoon Warning Center
Kategorie:Naturkatastrophe 1995 N1995