mini|Miniaturportrait der Marcelle Tascher de la Pagerie, geborene Clary, Portrait von Daniel Saint. Marie-Marseille-Adéle „Marcelle“ Tascher de la Pagerie (geb. Clary; * 3. Oktober 1792 in Marseille, Frankreich; † 23. April 1866 in Dammartin-en-Goële, Frankreich) war eine französische Gräfin. Sie fungierte als Oberhofmeisterin (: hovmästarinna) ihrer Tante, der schwedischen Königin Desideria von Schweden.
Biografie Marcelle Tascher de la Pagerie war die Tochter von Etienne-Francois Clary (1757–1823) und Catherine-Marguerite-Marseille Guey († 1804). Sie heiratete am 15. Juni 1811 Graf Henri de Tascher de la Pagerie (1785–1816), einen Cousin 1. Grades der französischen Kaiserin Joséphine. Die Ehefrau Joseph Bonapartes, des Bruders von Napoleon Bonaparte, Julie Clary (1771–1845) war ihre Tante.
Gemeinsam mit ihrem Mann ging Marcelle Tascher nach Spanien, um dort am Hof Joseph Bonapartes ihrer Tante als Hofdame zu dienen. Ihr Mann hatte 1813 den Rang eines Maréchal de camp im Königreich Spanien bekleidet. Nach dem Ende der dortigen französischen Herrschaft kehrte das Paar 1814 nach Frankreich zurück. Ihr Mann diente daraufhin als Oberst in der Französischen Armee und begleitete, weiterhin als Adjutant Jospeh Bonapartes, diesen bei der Flucht des Hofes nach Blois.
Nach dem frühen Tod ihres Mannes 1816 galt Marcelle Clary als Vorbild an Treue und ehelicher Liebe – als Dreiundzwanzigjährige verwitwet, verheiratete sie sich nicht nochmals. 1823 begleitete sie ihre Tante Desideria, als diese nach Schweden zurückkehrte, um ihre Rolle als Königin am schwedischen Hof anzutreten. Zwischen ihrer Ankunft und dem Tod der vorherigen Königin (1818) war das Hofleben weitgehend zum Erliegen gekommen. Bei dessen Wiederaufnahme schaffte der neue König Karl XIV. Johann, Desiderias Mann, eine Reihe der alten Bräuche ab, wie etwa das öffentliche Speisen, die zeremonielle Begleitung des Königspaares ins Schlafgemach und das Küssen der Kleidersäume der königlichen Damen bei Hofpräsentationen. Auch der Hofstaat wurde in diesem Zusammenhang neu organisiert. Caroline Lewenhaupt, bisher Oberhofmeisterin der Königin, wurde durch Marcelle Tascher abgelöst. Zum weiteren französischen Gefolge gehörten unter anderem die Söhne von Marschall Michel Ney – die Offiziere und beliebte Persönlichkeiten der Gesellschaft wurden –, die Kammerdiener des Königs Joachim Moulier, Jean Barthelemy Doutta und Louis Brunot sowie die weiteren Hofdamen Eleonore Felix und Virginie Brunot, flankiert von verschiedenen Verwaltern, Köchen und Vorlesern.
In der Folge wurde Marcelle Tascher zur wichtigsten Gefährtin Desiderias. Im Gegensatz zur neuen Königin war sie weithin beliebt im Hofstaat, schloss bald Freundschaften und der Salon ihrer eigenen offiziellen Wohnung im Schloss entwickelte sich rasch zu einem Treffpunkt für die jungen Leute des Hofkreises. Auch das Diplomatische Corps nutzte ihren Salon für seine geheime Informationsbeschaffung hinter der höfischen Fassade.J. A. C. Hellstenius: Minnen ur Sveriges nyare historia, samlade av B. von Schinkel. Bihang. Utg. af S.J. Boëthius. Samson & Wallin. Stockholm.
1827 kündigte Tascher an, Schweden aus Heimweh verlassen zu wollen. Sie wurde nach ihrer Rückkehr von Desideria schmerzlich vermisst; diese hatte fortan nur noch schwedische Hofdamen um sich und fühlte sich isoliert.Ingvar von Malmborg (Hrsg.): Min gud tocket hov! Det svenska hovet från Napoleon till Louis Philippe (: Mein Gott, der Hof! Der schwedische Hof von Napoleon bis Louis-Philippe.) In: Familjen Bernadotte - kungligheter och människor (: Die Familie Bernadotte – Königshaus und Volk). Stockholm. 2010. Auch anlässlich ihrer Krönung 1829 äußerte Desideria, sie hätte Tascher gebraucht.
Literatur Lilly Lindwall: Desideria. Bernadotternas anmoder. Åhlén och Åkerlunds Förlag A.-B. Stockholm. 1919.
Einzelnachweise
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