Die Österreichische Plattform für Forschungs- und Technologiepolitikevaluierung (Kurzform fteval) ist ein 1996 gegründeter österreichischer Zusammenschluss von Institutionen, die im Bereich der Evaluierung von Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik (FTI-Politik) tätig sind. Die Plattform ist seit 2006 als Verein organisiert und hatte 2025 28 institutionelle Mitglieder.

Geschichte Die Plattform fteval wurde 1996 gegründet, um zu mehr Evidenz­basierung in der österreichischen Forschungs- und Technologiepolitik beizutragen. Auslöser war laut Angaben der Plattform der kurz zuvor erfolgte Beitritt Österreichs zur Europäischen Union, der die Ausrichtung an europäischen Evaluierungsstandards notwendig machte. Die Tätigkeit begann als loses Netzwerk mit einem Newsletter und einer informellen Veranstaltungsreihe; der Newsletter entwickelte sich später zum fteval Journal for Research and Technology Policy Evaluation. 2002 begann mit der Institutionalisierung der Plattform die gemeinsame Erarbeitung verbindlicher Evaluierungsstandards durch die Mitgliedsorganisationen; seit 2006 ist fteval als Verein organisiert.

Mitglieder und Struktur Der Plattform gehören (Stand 2025) 28 institutionelle Mitglieder aus drei Gruppen an:

Auftraggebende von Evaluierungen, etwa Ministerien und Forschungsförderungsagenturen, Durchführende von Evaluierungen, etwa Forschungseinrichtungen und Consultancies, Intermediäre, darunter die Österreichische Akademie der Wissenschaften, der Rat für Forschung, Wissenschaft, Innovation und Technologieentwicklung und die AQ Austria (Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria).

Nach Angaben des damaligen fteval-Geschäftsführers Klaus Schuch (ZSI – Zentrum für Soziale Innovation) ist es österreich- und weltweit ungewöhnlich, dass neben Förderagenturen und Evaluierungsanbietern auch Ministerien selbst Mitglied der Plattform sind. Die Plattform selbst führt keine Evaluierungen durch und diskutiert keine laufenden oder geplanten Einzelevaluierungen; die Mitgliedsorganisationen verpflichten sich zu einem gemeinsamen Verhaltenskodex.

Schuch leitete die Geschäfte der Plattform bis 2023; seither ist Isabella E. Wagner Geschäftsführerin.

Vorstand und Geschäftsführung (2024–2026) (Quelle: ftevalImpressum & Datenschutz. In: fteval. Abgerufen am 29. September 2026.) Obfrau: Sonja Sheikh Obfrau-Stellvertreterin: Birgit Woitech Schriftführerin: Verena Régent Kassier: Leonhard Jörg Vorstandsmitglied: Jürgen Janger Geschäftsführerin: Isabella E. Wagner

Aufgaben und Aktivitäten

fteval Journal

Aus dem ursprünglichen Newsletter entstand das fteval Journal for Research and Technology Policy Evaluation, in dem praxisnahe und wissenschaftliche Beiträge zur FTI-Politikevaluierung erscheinen. Bis 2025 wurden mehr als 50 Ausgaben mit über 200 Artikeln, überwiegend in englischer Sprache, veröffentlicht.

Standards

Die fteval Standards der Evaluierung in der Forschungs- und Technologiepolitik wurden von den Mitgliedsorganisationen gemeinsam erarbeitet und dienen als verbindlicher Referenzrahmen für Auftraggebende, Evaluierende und Evaluierte. Sie wurden 2018 überarbeitet und erweitert.

Repositorium

Im fteval Repositorium veröffentlicht die Plattform österreichische Evaluierungsberichte, Studien und Strategiedokumente aus dem FTI-Bereich; 2025 waren dort über 600 Dokumente frei zugänglich.

Internationale Konferenzen

Gemeinsam mit internationalen Partnern veranstaltet die Plattform fteval in mehrjährigem Rhythmus Konferenzen zur Evaluierung von FTI-Politik. 2006 fand die Open-Evaluation-Konferenz mit rund 60 Vortragenden und 250 Teilnehmenden statt. 2018 richtete die Plattform im Rahmen der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft die Konferenz „Impact of Research and Innovation Policy at the Crossroads of Policy Design, Implementation and Evaluation“ in Wien aus. Seit 2021 wird die Konferenzreihe unter dem Titel REvaluation Conference fortgeführt. Laut APA-Science handelt es sich dabei um die größte europäische Fachkonferenz zur Evaluierung von Forschungspolitik, die die Plattform normalerweise im Dreijahresrhythmus veranstaltet.

REvaluation Podcast

Seit 2022 produziert die Plattform den Podcast REvaluation zu aktuellen Themen der Forschungspolitik und ihrer Evaluierung.

Evaluation Talent Award

Anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens führte die Plattform 2021 gemeinsam mit dem damaligen Rat für Forschung und Technologieentwicklung (heute FORWIT) den Evaluation Talent Award ein, der herausragende Nachwuchsarbeiten im Bereich der FTI-Politikevaluierung auszeichnet.

Rezeption In einer wissenschaftlichen Rückschau auf fünf Jahrzehnte Systems- und Innovationsforschung wird fteval neben der European Evaluation Society (gegründet 1992) und der DeGEval – Gesellschaft für Evaluation e.V. (gegründet 1997) als eine der spezialisierten Vereinigungen genannt, die sich in den 1990er Jahren etablierten; die Plattform habe sich seither zu einer paneuropäischen Ressource für Evaluierende und ihre Auftraggebenden entwickelt, unter anderem durch die systematische Sammlung von Evaluierungsberichten, das fteval Journal for Resarch and Technology Policy Evaluation und die Organisation großer internationaler Evaluierungskonferenzen.

Die OECD bezeichnete die Plattform in ihrem Länderbericht zur österreichischen Innovationspolitik als in dieser Form einzigartig in Europa.

Über die 2021 in Wien abgehaltene REvaluation Conference berichtete auch der ORF-Hörfunksender Ö1 in der Sendereihe Dimensionen.

Literatur

Klaus Schuch: Österreichische Plattform für Forschungs- und Technologiepolitikevaluierung (fteval). In: Zeitschrift für Evaluation. Band 13, Nr. 2, 2014, S. 395–397, waxmann.com (freier Download). Isabella Wagner: Evaluierungskultur stärken: Die Arbeitsweise der Plattform fteval als Raum für Kooperation und kollektives Lernen. In: Handbuch Qualität in Studium, Lehre und Forschung. Ausgabe 95, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2026, hqsl-bibliothek.de.

Weblinks Offizielle Website fteval Repositorium REvaluation Podcast

Einzelnachweise

Kategorie:Verein (Wien) Kategorie:Gegründet 1996 Kategorie:Wissenschaftspolitik Kategorie:Organisation (Wissenschaftspolitik)