Charles Adolphus Kiesler (* 14. August 1934 in St. Louis, Missouri; † 11. Oktober 2002 in San Diego, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Sozialpsychologe, Professor an der Carnegie Mellon University und zuletzt Kanzler der University of Missouri. Charles Kiesler Life story auf xwhos.com, abgerufen am 12. September 2026. Charles Kiesler auf notablepeopleproject, abgerufen am 12. September 2026.
Leben Er wuchs in dem Dorf Otter Lake in Michigan in einer Arbeiterfamilie auf. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er im Alter von zehn Jahren als ältestes von fünf Kindern Verantwortung für den Haushalt. 1951 schloss er die Otter Lake High School als Jahrgangsbester ab. Er begann sein Studium an der Michigan State University, unterbrach dieses aber für seinen Dienst in der United States Air Force während des Koreakriegs.Charles A. Kiesler OBITUARY auf San Diego Union Tribune, abgerufen am 14. September 2026 1958 erwarb er an der Michigan State University einen B.A. und 1960 seinen Master of Arts. 1963 promovierte er zum Ph.D. unter der Betreuung von Leon Festinger an der Stanford University. Der Titel seiner Dissertation lautete The Relationship Between the Degree of Conflict and the Number of Choice Alternatives.
Nach dem Studienabschluss arbeitete er von 1963 bis 1964 als Assistant Professor an der Ohio State University, danach wechselte er 1965 an die Yale University, wo er bis 1970 lehrte. In den frühen 1970er Jahren war er Professor für Psychologie und Leiter des Fachbereichs an der University of Kansas. Anschließend, von 1975 bis 1979, fungierte er als Executive Director der American Psychological Association. 1979 wechselte er als Walter Van Dyke Bingham Professor of Psychology an die Carnegie Mellon University, wo er zunächst als Psychologieprofessor und später als Fachbereichsleiter tätig war, von 1983 bis 1985 übernahm er das Amt des Dekans der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften (College of Humanities and Social Sciences). 1985 wechselte er als Provost an die Vanderbilt University, hier war er auch bis 1992 als Vice Chancellor for Academic Affairs tätig. Von 1992 bis 1996 war er Kanzler der University of Missouri; diese Position verlor er aufgrund verwaltungstechnischer Kontroversen.Charles Kiesler auf c-span, abgerufen am 12. September 2026. Nach seinem Ausscheiden aus der University of Missouri leitete er bis zu seinem Tod den „Fund for the Advancement of Psychological Sciences“ der Association for Psychological Science.
Werk Seine Laufbahn bewegte sich zwischen forschungsorientierter psychologischer Tätigkeit und Hochschulverwaltung, wobei er sich durch die Verbindung von psychologischer Wissenschaft, öffentlicher Politik und institutioneller Führung auszeichnete.
Als Sozialpsychologe wurde er durch seine Theorie des Engagements bekannt. La théorie de l’engagement (Charles Kiesler) vom 10. März 2017, abgerufen am 12. September 2026. Diese empirisch bewährte Theorie besagt, dass nur unsere Handlungen uns binden und Engagement erzeugen. Wir fühlen uns durch unser tatsächliches Verhalten, das von anderen beobachtet werden kann, gebunden. Starke Drohungen oder hohe Belohnungen wirken sich eher entbindend aus und führen zu einer Verringerung des Engagements. Damit leistete er eine empirische Erweiterung der kognitiven Dissonanztheorie von Leon Festinger.
Ab den späten 1970er- und 1980er-Jahren verlagerte er sein Forschungsinteresse hin zur angewandten Psychologie und Systemanalyse. Er etablierte die Mental Health Policy als ein legitimes, empirisches Forschungsfeld innerhalb der Psychologie. Gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau Teru Morton untersuchte er die stationäre psychiatrische Versorgung in den USA. Er wies nach, dass das US-System durch Fehlanreize von Krankenversicherungen stark fehlgesteuert war. Er legte auch empirische Daten vor, die zeigten, dass Patienten oftmals in teuren, stationären psychiatrischen Abteilungen von Allgemeinkrankenhäusern (Inpatient Care) untergebracht wurden, obwohl eine ambulante oder gemeindenahe Betreuung (Outpatient Care) medizinisch oft sinnvoller, kosteneffektiver und für die Betroffenen humaner gewesen wäre. Er untersuchte auch, wie psychologische Interventionen und Beratungen am Arbeitsplatz oder in Gemeinden nachweislich Fehltage reduzieren, die Arbeitsleistung steigern und dem System am Ende Kosten sparen können.
Als Universitätsadministrator setzte er sich mit dem Prinzip des Nischendesigns (Niche Planning) im Bildungswesen auseinander. Er untersuchte, wie Universitäten angesichts knapper Ressourcen strategisch Schwerpunkte setzen müssen, statt zu versuchen, in jedem denkbaren Fachbereich die Besten zu sein. In seiner Zeit als CEO der American Psychological Association stärkte er die politische Sichtbarkeit der Psychologie; er erreichte es, dass die Psychologie in den USA als evidenzbasierte Politikressource wahrgenommen wurde.
Ehrungen/Positionen 1988: Gründer und Präsident der American Psychological Society (heute Association for Psychological Science)
Privates Er war zuerst mit der Psychologin Sara Kiesler (* 1940) verheiratet; die beiden hatten sich während des Studiums an der Stanford University kennengelernt. Das Ehepaar bekam vier Kinder. Nach der Scheidung heiratete er 1987 Teru L. Morton, eine Kollegin aus dem Fachbereich Psychologie; die Ehe hielt bis zu seinem Lebensende. Aus der Ehe ging der Sohn Hugo Kiesler hervor.Edward P. Sheridan: Charles Adolphous Kiesler (1934-2002). In: American Psychologist, 2003, 58 (4), S. 313–314. Charles Kiesler verstarb mit 68 Jahren an Lungenkrebs.
Publikationen (Auswahl) Monografien Mit Celeste G. Simpkins: The Unnoticed Majority in Psychiatric Inpatient Care (Springer Series on Stress and Coping). Springer, New York 2013, ISBN 978-1489911094. Psychology of Commitment: Experiments Linking Behaviour to Belief (Social Psychology Monographs). Academic Press, Cambridge, MA 1971, ISBN 978-0124064508. Attitude Change: A Critical Analysis of Theoretical Approaches (Series in psychology). John Wiley & Sons, Hoboken 1969, ISBN 978-0471474654. Mit Amy E. Sibulkin: Mental Hospitalization: Myths and Facts about a National Crisis. Sage Publ., Thousand Oaks 1987, ISBN 978-0803928787. Mit Sara B. Kiesler: Conformity (2nd ed.). Longman Higher Education, Harlow 1969, ISBN 978-0201036640. Psychology and national health insurance: A sourcebook. ISBN 978-0912704135.
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge Mit Teru L. Morton: Psychology and public policy in the "health care revolution". In: R. P. Lorion; I. Iscoe; P. H. DeLeon; G. R. VandenBos (Hrsg.); Psychology and public policy: Balancing public service and professional need (S. 57–79). American Psychological Association, Washington, D.C. 1996, ISBN 978-1557983473. Mit Jeffrey A. Buck; Thomas D. Ashman; Celeste G. Simpkins: Medicaid limits on support of institutional psychiatric care. In: Administration and policy in mental health and mental health services research, 1995, 22 (6), S. 573–580. Mental Health Policy and Mental Hospitalization. In: Current Directions in Psychological Science, 1993, 2 (3), S. 93–96. Mit Celeste Simpkins; Teru Morton: The psychiatric inpatient treatment of children and youth in general hospitals. In: American journal of community psychology, 1989, 17 (6), S. 821–830. Mit Joan S. Zaro: The development of psychology as a profession in the United States. In: Applied Psychology, 1981, 30 (3), S. 341–353. Sequential events in commitment. In: Journal of Personality, 1977, 45 (1), S. 65–78. Mit Robert D. Singer: The effects of similarity and guilt on the projection of hostility. In: Journal of Clinical Psychology, 1963, 9 (2), S. 157–162. Attraction to the group and conformity to group norms. In: Journal of Personality, 1963, 31, 559–569.
Weblinks
Charles A. Kiesler’s research while affiliated with University of Missouri and other places auf Research Gate, abgerufen am 14. September 2026. R. P. Lowman: Obituary: Charles A. Kiesler. In: The Psychologist-Manager Journal, 2003, 6 (2), S. 101–106. J. Daw Holloway: Former CEO Kiesler dies auf American Psycholpogical Association, abgerufen am 14. September 2026. Debra J. Rog: A Conversation with Charles A. Kiesler. In: American Journal of Evaluation, 1988, 9 (2), S. 45–52.
Einzelnachweise
Kategorie:Psychologe Kategorie:Sozialpsychologe Kategorie:Hochschullehrer (Ohio State University) Kategorie:Hochschullehrer (Yale University) Kategorie:Hochschullehrer (University of Kansas) Kategorie:Hochschullehrer (Carnegie Mellon University) Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1934 Kategorie:Gestorben 2002 Kategorie:Mann