Johannes Ludwig Nommensen (* 26. Dezember 1909 in Sigumpar, Sumatra, Niederländisch-Indien; † 23. Februar 1967 in Kiel) war ein deutscher KZ-Arzt.
Werdegang Kindheit und Ausbildung Nommensen wurde am 26. Dezember 1909 als Sohn des Missionars Jonathan Nommensen in Sigumpar auf Sumatra geboren. Sein Großvater war der Missionar Ludwig Ingwer Nommensen. Im Jahr 1920 wurde Johannes Nommensen nach Deutschland geschickt und lebte von nun an bei Verwandten seiner Mutter in Itzehoe. Dort absolvierte er die Volksschule und die Oberrealschule bis zur Obersekundareife. Anschließend verließ er seine Pflegefamilie und zog 1927/28 in ein Knabenhaus der Rheinischen Missionsgesellschaft in Barmen. Sein Abitur bestand er 1932 in Elberfeld.
Nommensen studierte Medizin in Marburg, Kiel und Tübingen. Während der Semesterferien 1935 absolvierte er die Famulatur in den Alsterdorfer Anstalten in Hamburg, wo seine Tante arbeitete. Nach seinem Staatsexamen arbeitete er im Städtischen Klinikum in Neumünster. Seine Promotion beendete er 1938, seine Approbation erhielt er im März 1939. Seit Mai 1939 war er in der Lubinus-Klinik in Kiel tätig.
KZ-Arzt in Sachsenhausen, Ravensbrück, Dachau und Neuengamme Nommensen trat zum 1. November 1933 der Schutzstaffel bei (SS-Nummer 194.673). Seinen Dienst versah er im SS-Sanitätssturm XX. Zum 1. Mai 1937 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 3.970.356).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/30820468
Seinen ersten Dienst im KZ Sachsenhausen leistete er vom 24. September bis zum 15. Oktober 1938. Am 1. September 1939 wurde er erneut zur SS einberufen und war von nun an im KZ Sachsenhausen, vermutlich als Hilfsarzt auf der Inneren Abteilung, tätig. In Sachsenhausen blieb Nommensen bis zum 2. Februar 1940. Anschließend war er für wenige Monate Lagerarzt im KZ Ravensbrück. Ebenfalls im Frühjahr 1940, zwischen dem 15. Februar und dem 15. April, erhielt er zusammen mit anderen (späteren) SS-Ärzten wie Walter Sonntag und Friedrich Polzer eine Grundausbildung in Stralsund.
Im Anschluss an seinen Dienst in Ravensbrück war Nommensen im KZ Dachau tätig, vermutlich von Mai 1940 bis zum Herbst/Winter 1941. Im Operationsbuch Dachaus ist eine rege Operationstätigkeit Nommensens dokumentiert. Von ehemaligen Häftlingen wurde er als „Typ eines alten Korpsstudenten [...] amputierte gern“ charakterisiert.
Vom Herbst/Winter 1941 bis zum Frühjahr 1942 war er Standortarzt im KZ Neuengamme. In Neuengamme befehligte er eine Mordaktion an erkrankten russischen Kriegsgefangenen. Der als Sanitäter eingesetzte SS-Unterscharführer Wilhelm Bahr berichtete im Neuengamme-Hauptprozess: „Dr. Nommensen hat gesagt, dass arbeitsunfähige Häftlinge nicht überführt werden können und daher Injektionen gemacht werden sollen.“
Fronteinsatz Anschließend, vermutlich im Frühjahr 1942, kam er als Truppenarzt zur 5. SS-Panzer-Division „Wiking“. Mit dieser war er im Dezember 1942 am Vorstoß der Wehrmacht in den Kaukasus beteiligt, anschließend war er im Gebiet um Charkiw eingesetzt. Am 3. September 1943 wurde er durch einen Granatsplitter verwundet. Seit November 1943 hatte er innerhalb der SS den Rang eines Hauptsturmführers inne.
Nach seiner Genesung war er zunächst im Innendienst beim SS-Pionier-Ersatz-Bataillon in Stettin tätig. Anschließend war er vom 1. März bis zum 15. August 1944 bei der SS-Junkerschule Braunschweig, bis zum 1. September 1944 in der Amtsgruppe D des SS-Führungshauptamts, bis zum 1. Januar 1945 beim SS-Flak-Ausbildungs- und Ersatzbataillon in München sowie bis zum 16. Februar 1945 bei der SS-Flakabteilung „Skorpion“ am Truppenübungsplatz Hohenfeld-Regensburg tätig. Bis zum Kriegsende war er anschließend Truppenarzt bei der 18. SS-Freiwilligen-Panzergrenadier-Division „Horst Wessel“. Am 10. Mai 1945 geriet er bei Pirna in sowjetische Kriegsgefangenschaft.
Er war Träger des Eisernen Kreuzes 2. Klasse, das ihm am 9. November 1942 verliehen wurde.
Nachkriegszeit Nommensen befand sich bis zum 24. September 1953 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Wegen seiner Abwesenheit wurde er im britischen Militärgerichtsverfahren zu Neuengamme nicht angeklagt, obwohl er im Prozess mehrfach namentlich erwähnt wurde. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland war er zunächst erneut in der Lubinus-Klinik in Kiel tätig. Später zog er nach Havetoft und eröffnete dort eine Arztpraxis.
Nommensen starb am 23. Februar 1967 in Kiel. Am 2. März 1967 wurde er auf dem Friedhof in Bordesholm beigesetzt.
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Lagerarzt im KZ Dachau Kategorie:Lagerarzt im KZ Sachsenhausen Kategorie:Lagerarzt im KZ Ravensbrück Kategorie:Lagerarzt im KZ Neuengamme Kategorie:SS-Arzt Kategorie:Träger des Eisernen Kreuzes II. Klasse Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1909 Kategorie:Gestorben 1967 Kategorie:Mann