Das Kraftwerk Kvilldal () ist ein Speicherkraftwerk im Südwesten Norwegens in der Kommune Suldal. Es ist das größte Kraftwerk Norwegens und eines der größten Wasserkraftwerke Europas. Es ist zudem einer der Endpunkte von North Sea Link, einem Seekabel zur Energieübertragung zwischen Norwegen und Großbritannien.

Lage Das Kraftwerk befindet sich am Südufer des Suldalsvatnet, einem etwa 30 km langen See im Nordosten der Provinz (Fylke) Rogaland.

Geschichte Erste Pläne für den Ulla-Førre Kraftwerksverbund, zu dem auch das Kraftwerk Kvilldal zählt, gab es bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Schon 1912 gab das Storting grünes Licht für den Erwerb der dafür erforderlichen Wasserrechte. Dennoch vergingen weitere knapp 60 Jahre, bis ab 1968 konkrete Planungen begannen. 1972 wurde der Antrag auf Wasserregulierung gestellt. Am 13. Juni 1974 beschloss das Storting den geplanten Bau des Ulla-Førre-Projektes und am 13. September 1974 folgte die wasserrechtliche Konzession. Die Bauarbeiten in Kvilldal begannen unmittelbar danach im Herbst 1974. Der gegenüber des Berges Hovden in den Fels gebaute Maschinenraum des Kavernenkraftwerks Kvilldal wurde vom Architekten Egil Sorteberg entworfen und geplant. Die Sprengarbeiten für die 131 m lange, 20 m breite und 43,5 m hohe Kraftwerkskaverne waren 1978 abgeschlossen und die Montagearbeiten begannen. Insgesamt wurden beim Bau des Kraftwerks 151.500 fm³ Gestein aus dem Berg gebrochen. Das Kraftwerk ging schließlich schrittweise von 1981 bis 1986 in Betrieb, die offizielle Eröffnung erfolgte am 3. Juni 1982 durch König Olav V.

mini|links|Umspannwerk, rechts der Zugang zum Kavernenkraftwerk, 1988 Turbine Leistung Inbetriebnahme Kvilldal I 310 MW 17.12.1981 Kvilldal II 310 MW 17.02.1982 Kvilldal III 310 MW 10.10.1985 Kvilldal IV 310 MW 24.01.1986

Das Kraftwerk Kvilldal verfügt über vier von der damaligen Kværner Brug A/S gefertigten Francis-Turbinen, welche vier Synchrongeneratoren von NEBB (Norsk Elektrisk & Brown Boveri) mit einer Generatorleistung von jeweils 360 MVA antreiben.

Der Ablauf des Wassers aus der Kraftwerkskaverne erfolgt über einen etwa 700 m langen Ablaufstollen mit einem Tunnelquerschnitt von 175 m² in den See Suldalsvatnet unterhalb dessen Wasseroberfläche.

Die Hochspannungs-Gleichstrom-Verbindung des North Sea Links wurde Ende 2021 in Betrieb genommen. Die Seekabel mit einer Gleichspannung von 515 kV verlaufen bis zum Hylsfjord, einem Seitenarm des Boknafjords, erreichen dann durch einen 2,4 km langen Tunnel das Suldalsvatnet und verlaufen dann weitere 2,8 km auf dem Seegrund bis zur neu errichteten Stromrichterstation am Kraftwerk Kvilldal, die sich nördlich vom ursprünglichen Umspannwerk befindet. Der Tunnel wurde 2017 gebaut und die Kabel 2020 im Suldalsvatnet verlegt.North Sea Link Interconnector Project. NS Energy, 5. Oktober 2021, abgerufen am 13. September 2026.

Einzugsgebiet mini|hochkant=0.8|links|Das Tunnelnetzwerk des Kraftwerksverbunds Ulla-Førre Der Kraftwerksverbund Ulla-Førre, benannt nach den zwei Hauptflüssen im ProjektgebietVidkunn Hveding: Hydropower Development in Norway. Norwegian Institute of Technology, Trondheim 1992, ISBN 82-7598-012-7, S. 48 (online) – Ulla und Førreelva −, bezieht sein Wasser aus einem über 2.000 km² großen Einzugsgebiet in den Provinzen Rogaland und Aust-Agder. Der größte und bedeutendste Stausee in diesem Gebiet ist der 84,48 km² große Blåsjø, rund 17 km südöstlich von Kvilldal. Die umliegenden Bergregionen Suldalsheiane, Bykleheiane und Lyseheiane sind die Hauptniederschlagsgebiete, aus denen das Wasser stammt. Insgesamt zählen über 20 Staudämme und ein Tunnelsystem mit über 100 km Länge zu dem Ulla-Førre-Komplex.

Der direkte Wasserbezug des Kraftwerks erfolgt überwiegend aus dem Lauvastølvatnet, einem mit einer Fallhöhe von 538 m südlich oberhalb von Kvilldal gelegenen Stausee. Mit etwas niedrigerer Fallhöhe ist auch ein Betrieb direkt aus dem etwas weiter entfernten, südöstlich gelegenen Sandsavatnet möglich. Diese Seen wiederum werden durch ein weit verzweigtes System aus Tunneln und Pumpstationen gespeist. Aus Osten stammt das Wasser vom Fluss Gaustølåa und dem See Dørlevatnet, aus Süden von den Seen Grunnavatnet, Mosvatnet, Stovedalsvatnet, Holvavatnet, Blåsjø und zahlreichen weiteren kleineren Wasserquellen. Bei vollem Blåsjø-Stausee kann das Kraftwerk Kvilldal über 70 Tage lang unter Volllast Strom produzieren.

Literatur S. Walbø: Air cushion surge chamber in Kvilldal power plant: The Ulla - Førre development. In: Norwegian hard rock tunnelling. Nr. 1, 1982, S. 87–90 (online). A. Pleym, O. Stokkebø: Operational experience with the air cushion surge chamber at Kvilldal Power Station. In: Norwegian hydropower tunnelling. Nr. 3, 1985, S. 97–100 (online).

Einzelnachweise

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