Die Belagerung von Lüttich erfolgte im Rahmen der Reichsexekution gegen Frankreich und dessen Verbündeten Kurköln während des spanischen Erbfolgekriegs. Der Oberbefehlshaber der Alliierten der Herzog von Marlborough hatte bereits Venloo und Roermond besetzt und plante nun vor Beginn des Winters die Franzosen auch aus Lüttich zu vertreiben.

Lüttich war 1702 die Hauptstadt des Bistums Lüttich und hatte etwa 50.000 Einwohner. Die Stadt war in die alte, obere und untere Stadt aufgeteilt. Die untere Stadt befand sich auf einer Insel, ferner gab es noch ein Viertel jenseits der Maas. Die obere Stadt war an einem Abhang eines Berges erbaut. Die Stadt war nicht stark befestigt, hatte aber auf den Höhen gegen Norden eine Zitadelle und diese das Fort Chartreuse zur Verstärkung. Schon unter König Wilhelm III. von England wurde zur besseren Verteidigung der Stadt und Zitadelle ein verschanztes Lager angelegt. Aufmarsch Am 13. Oktober 1702 erschien Marlborough vor Lüttich. Die französische Besatzung war zu schwach, um die Stadt verteidigen zu können. So ließ ihr Kommandant Violaine die Vorstadt Walburg in Brand gesteckt und die Stadt übergeben. Anschließend zog er sich mit acht Bataillonen zurück und hoffte eine Belagerung von drei Wochen auszuhalten. Anschließend plante er sich in das Fort Chartreuse und bis zum Spätherbst auszuhalten, in der Hoffnung das Marlborough dann die Belagerung aufheben muss.

Aber Marlborough brachte den niederländischen Artilleriegeneral und Festungsbaumeister Menno van Coehoorn mit. Dieser hatte bereits am 20. Oktober abends 120 Kanonen, 60 Mörser und 300 kleine Coehörner. Am 21. Oktober begann der Beschuss, und ein großes Pulvermagazin flog in die Luft. Die Belagerer stürmten die Festung und besetzten den bedeckten Weg. Nach Plan hätten sie Halt machen sollen, stürmten aber weiter und es gelang die Wälle zu besetzen und deren überraschte Besatzung gefangen zu nehmen. Zu den Gefangenen gehörte auch der Kommandant Violaine, der den Gegenangriff organisieren wollte. Die englischen und preußischen Truppen besetzten die Zitadelle. Sie erbeutet neben den zahlreichen Vorräten auch 36 Kanonen. Währenddessen war der General Friedrich von Hessen auf dem rechten Maasufer gegen die restlichen Franzosen erfolgreich. Fast 2000 Verteidiger gingen in Gefangenschaft und wurde nach Grave und Nimwegen gebracht.

Der Kommandant von Fort Chartreuse Millon hatte aber weiter sechs Bataillone Besatzung zur Verfügung und war nicht gewillt, sich zu ergeben. Marlborough und Coehoorn warteten wegen schlechtem Wetter bis zum 28. Oktober und begannen dann mit dem Beschuss des Forts. Million ergab sich unter der Bedingung des freien Abzugs. Marlborough gewährte die Bedingungen und am 29. Oktober marschierten die Franzosen nach Antwerpen ab. Am 31. Oktober wurde die Eroberung der Festung dann offiziell an die Generalstaaten gemeldet.

Literatur Julius Mebes, Beiträge zur Geschichte des brandenburgisch-preußischen Staates, Band 2, S. 280f Gaston Bodart, Militär-historisches Kriegs-Lexikon (1618–1905), (Hier beginnt die Belagerung fälschlich am 13. Juni) Feldzüge des Prinzen Eugen von Savoyen, S. 563ff Theatrum Europaeum, 1718, S. 849ff

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