mini|300px|Antoinette Schott, geborene Antonetta Ernestine Hübsch. Original im Landesmuseum Mainz (BA 97/361). Antoinette Schott (* 4. Mai 1753 in Mainz; † 14. Januar 1827 ebenda) war die Ehefrau des deutschen Musikverlegers Bernhard Schott. Nach dessen Tod leitete sie selbst fast zehn Jahre lang als Musikverlegerin den Musikalienhandel und die Notenstecherei ihres Mannes weiter. 1818 begründete sie aus den Geschäften ihres verstorbenen Mannes den Musikverlag B. Schott’s Söhne.
Leben Antonetta Ernestine Hübsch kam in Mainz als Tochter des Arnold Hübsch und seiner Ehefrau Katharina zur Welt. Mit 27 Jahren heiratete sie 1780 den fünf Jahre älteren Bernhard Schott. Dieser war gelernter Notenstecher, hatte in Mainz bereits seit 1768 seine eigene Notenstecherei und durfte sich seit 1780 „Kurfürstlicher Hofmusikstecher“ nennen. Sie brachte zu dem Vermögen ihres Mannes (300 fl in bar und 500 fl als Gegenwert für Kupferplatten und Geräte) 400 fl in die Ehe ein. Da Bernhard Schott kein Mainzer Bürger war (er wurde in Eltville am Rhein geboren), musste er beim Vizedomamt um Erlaubnis zur Heirat von Antonetta Hübsch ersuchen. Nach der Heirat am 28. November 1780 wohnte das Paar in der Kapuzinerstraße 43, im Bäckerhaus neben dem Kapuzinerkloster. In diesem Bereich der Altstadt, der Vilzbach, wohnten damals einige Hofmusiker des Kurfürstlichen Hofes. 1781 und 1782 kamen die beiden ältesten Söhne, Johann Andreas und Johann Joseph, zur Welt. 1785 zog Antonetta Schott mit ihrem Mann und den beiden Kindern in das Delveauxsche Haus am Leichhof um. Während ihr Mann den Handel mit Papier- und Schreibwaren sowie Musikinstrumenten erfolgreich erweiterte, brachte sie 1785 und 1787 die beiden Töchter Maria Theresia und Maria Katharina zur Welt.
In den letzten Jahren des Kurfürstentums war Mainz ein kultureller Mittelpunkt mit zahlreichen Festen, Theater- und Konzertaufführungen. Bernhard Schott, der einzige „Priviligierte Hofmusikstecher“, hatte viel zu tun und konnte neben der Sicherstellung der Ernährung seiner Familie auch sein Vermögen erweitern. 1791 ersteigerte er vom Mainzer Domkapitel im neu angelegten Baugebiet Weihergarten zwei Grundstücke für 6088 fl. Hier sollte für seine Familie in direkter Nachbarschaft zu einem neuen Musikverlagshaus ein neues Wohnhaus entstehen. Die Besetzung von Mainz durch die Franzosen 1792 unterbrach die Bauarbeiten. Die Familie Schott blieb in der Stadt und arrangierte sich mit den französischen Besatzern. Im Schott’schen Musikverlag wurden nun die revolutionären Lieder gedruckt, nach Abzug der Franzosen die der Konterrevolution. Trotzdem wurde Bernhard Schott bei der kurzzeitigen Rückkehr des Kurfürsten Friedrich Karl Joseph von Erthal im Sommer 1793 erneut kurfürstlicher Hofmusikstecher. 1794 brachte Antonetta ihr fünftes Kind zur Welt, Adam Joseph. Mit dem Friedensschluss von Campo Formio 1797 wurde Mainz, nun Mayence, endgültig ein Teil von Frankreich. Antonetta Schott änderte wie viele andere Mainzerinnen und Mainzer ebenfalls ihren Vornamen nun in Antoinette ab. Sie, ihr Mann und ihre Kinder waren nun französische Staatsbürger.
Ende Oktober 1806 zog die Familie Schott in die fertiggestellten Gebäude am Weihergarten ein. Im nebenliegenden Verlagshaus betrieb Bernhard Schott weiterhin erfolgreich seinen Musik- und Instrumentenladen. Alle seine Kinder, auch die Töchter, erlernten die Notenstecherei, und der Letztgeborene, Adam Joseph Schott, zeigte bereits eine außerordentliche musikalische Begabung. Doch schon 1809 wurde Antoinette Schott zur Witwe. Ihr Mann starb im naheliegenden Heidesheim am Rhein, wo er auf dem Sandhof eine Papiermühle gründen wollte.
Leitung des Verlagshauses Antoinette Schott blieb in den Jahren nach der Heirat im Hintergrund und kümmerte sich um die Erziehung ihrer gemeinsamen Kindern. Nach dem Tod ihres Mannes erwarb sie nach französischem Recht ein Patent und übernahm als Prinzipalin die Geschäfte ihres Mannes. Dabei wurde sie von den beiden älteren Söhnen, Johann Andreas und Johann Joseph Schott, unterstützt. Zweigstellen des Hauses entstanden in Antwerpen und Brüssel, in ihrem Todesjahr auch in Paris. Unter ihrer Leitung wurde 1814 eine neue Steindruckerei mit Presse (Lithografie) im Verlagshaus eingerichtet. 1818 beantragte sie mittels einer Teilungsakte die zukünftige Übernahme der Geschäfte durch ihre beiden ältesten Söhne. Dabei wurde auch der endgültige und bis heute gültige Name für die Unternehmungen ihres Mannes etabliert. Die seit 1816 „Großherzoglich-hessische Hofmusikalienhandlung Schott“ firmiert von nun an unter dem Namen B. Schott’s Söhne. Die übrigen Geschwister wurden ausgezahlt.
Tod und Nachwirken Antoinette Schott starb am 14. Januar 1827 in ihrem Haus am Weihergarten. Sie wurde im Schott’schen Familiengrab auf dem Hauptfriedhof Mainz begraben, wo ihr Grab noch heute zu sehen ist. Mit der Frau ihres Enkels Franz Schott, Betty Schott von Braunrasch, folgte ihr einige Jahrzehnte später wiederum eine Frau als Leiterin des Verlagshauses nach. Betty Schott von Braunrasch prägte das zu diesem Zeitpunkt schon weltberühmte Musikverlagshaus noch stärker als Antoinette Schott.
Literatur Marlene Hübel: Die Prinzipalin im Weihergarten. In: Mainz. Vierteljahreshefte für Kultur, Politik, Wirtschaft, Geschichte. Band 2, 13. Jahrgang 1993. Verlag H. Schmidt Mainz, S. 100–103, .
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