Bettina Jemima Looram (geborene Bettina Jemima von Rothschild am 31. Oktober 1924 in Wien; gestorben am 30. November 2012 in Langau) war ein Mitglied der Familie Rothschild und maßgeblich an der Restitution der Kunstwerke der Familie beteiligt.

Leben mini|Palais des Freiherrn Nathaniel Rothschild an der Theresianumgasse im 4. Bezirk in Wien mini|Schloss Schillersdorf Bettina Jemima von Rothschild wurde am 31. Oktober 1924 in Wien geboren. Sie war die Tochter von Alphonse Maier von Rothschild aus dem Wiener Zweig der Familie und Clarice von Rothschild geborene Sebag-Montefiore. Sie hatte einen älteren Bruder Albert Anselm Salomon Nimrod, der 1938 an Krebs starb, und eine jüngere Schwester, Gwendoline Charlotte. Die Familie lebte zumeist in Wien, im Palais Nathaniel Rothschild in der Theresianumgasse, aber auch auf den Landsitzen in Österreich, wie dem Jagdschloss Schloss Schillersdorf.

Der Wiener Zweig der Familie Rothschild geht auf Salomon von Rothschild zurück. Dessen Sohn Anselm von Rothschild war ein großer Kunstsammler. Er stellte eine Sammlung von 600 Kunstwerken und Gemälden zusammen, die nach seinem Tod seine drei Söhne erbten. Von diesen ging Ferdinand James Anselm von Rothschild nach Großbritannien, während die Brüder Nathaniel und Albert in Wien blieben. Albert führte das Bankhaus weiter und Nathaniel erweiterte die geerbte Kunstsammlung beträchtlich. Zudem erbaute er das Palais an der Theresianumgasse. Da Ferdinand und Nathaniel von Rothschild keine Nachkommen hatten, erbten Alberts Söhne Alphonse, Louis und Eugène die beträchtlichen Kunstsammlungen und Immobilien.

Als der Anschluss von Österreich an das Deutsche Reich im März 1938 stattfand, waren Bettinas Eltern mit ihrem Sohn in London. Sie gaben telegrafisch die Anweisung, dass Bettina und ihre Schwester Gwendoline unverzüglich von ihrem Kindermädchen in die Schweiz gebracht werden sollten. In Innsbruck wurden sie von der Polizei aus dem Zug geholt und in Gewahrsam genommen. Sie wurden freigelassen, nachdem ihr Onkel Louis von der Gestapo in Wien festgenommen worden war. Von der Gestapo wurde er über ein Jahr in Haft genommen und erst gegen die Zahlung eines enormen Lösegeldes freigelassen. In dieser Zeit beschlagnahmten die Nazis den Besitz und die Kunstwerke der Wiener Rothschilds und enteigneten die Mitglieder der Familie.

mini|François Boucher (1703–1770) Bildnis der Marquise de Pompadour (1756) mini|George Romney, Portrait of Emma Hart um 1784. Sammlung Rothschild, Museum of Fine Arts, Boston Mit ihrer Schwester und ihren Eltern emigrierte Bettina von Rothschild 1940 in die Vereinigten Staaten und sie lebten in New York City in einem Appartement an der Park Avenue. Weitere Mitglieder der Familie aus dem Wiener und dem Pariser Zweig der Familie Rothschild emigrierten ebenfalls und lebten in New York. In New York heiratete Bettina von Rothschild 1942 den Diplomaten Matthew Looram, der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in den United States Foreign Service eintrat. Das Paar hatte einen Sohn Peter und eine Tochter Bettina, geboren um 1946, die später Vizepräsidentin des Kuratoriums des Museum of Fine Arts, Boston, wurde. Im Laufe seiner Karriere war Looram in Rom, Paris, Asmara und Washington eingesetzt und ab 1969 war er Botschafter in Dahomey, ab 1972 Botschafter der Vereinigten Staaten in Somalia.

Nach dem Tod ihres Vaters reiste Bettina Looram 1947 mit ihrer Mutter und ihrem Onkel Louis nach Wien, um zu versuchen das Vermögen, die Kunstschätze und die Immobilien der Familie Rothschild zurückzubekommen. Die Immobilien hatte die Gestapo beschlagnahmt, die Wände im ehemaligen Kinderzimmer von Bettina Looram waren mit Blut beschmiert. Ihre Mutter und auch ihr Onkel wollten die Immobilien nicht zurückhaben, sie verkauften sie deutlich unter Wert, später wurde das Palais Rothschild abgerissen. Clarice von Rothschild entschied sich, das Landgut Langau zu behalten, obwohl es in jener Zeit in der sowjetisch besetzten Zone lag und sie forderte die Rückgabe der Kunstsammlung von Alphonse von Rothschild. Die Behörden in Österreich willigten in die Rückgabe von Gemälden und Kunstobjekten ein, jedoch wiesen sie darauf hin, dass per Gesetz die Ausfuhr dieser Kunstgüter untersagt sei. So wurde eine Vereinbarung getroffen, nach der Clarice von Rothschild etwa ein Drittel der Sammlung österreichischen Museen „stiftete“ und den Rest dann ausführen durfte. Einen Teil der Kunstsammlung hatte Matthew Looram 1947 entdeckt, als er in den Salzbergwerken von Altaussee eine riesige unterirdische Halle voller NS-Raubkunst aus ganz Europa betrat. In einem Bereich befanden sich Gemälde, die mit „AR“ für Alphonse von Rothschild und „LR“ für Louis von Rothschild gekennzeichnet waren. Dazu bemerkte er: „Gott segne die deutsche Organisation“. Ein Großteil der Kunstwerke der Rothschilds konnte bis Ende 1947 über die Schweiz außer Landes gebracht werden, bis auf die Stücke, die der österreichische Staat als Gegenleistung für die Transaktion einbehalten hatte.

Das Anwesen in Langau übernahm Bettina Looram von ihrer Mutter und lebte dort mit ihrem Mann ab den 1970er Jahren. In der Zeitung las sie 1998, dass auf wachsenden Druck hin der österreichische Kulturminister die Museen des Landes angewiesen hatte, Bestände zu identifizieren, die durch die Nationalsozialisten von jüdischen Eigentümern geraubt oder abgepresst worden waren. Dies sollte als Vorbereitung für die Rückgabe an die Erben dienen. Daraufhin konnte Bettina Looram vom Ministerium die Rückgabe auch der restlichen 250 Kunstschätze erreichen, die bis auf einige Erinnerungsstücke für mehr als siebzig Millionen Euro über Christie’s in London verkauft wurden. Ein Teil ihrer Sammlung, bestehend aus 189 Werken, wurde später von ihrer Tochter Bettina Burr dem Museum of Fine Arts, Boston geschenkt.

Bettina Jemima Looram verstarb in Langau am 10. November 2012, acht Jahre nach ihrem Mann.

Einzelnachweise

Bettina Jemima Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1924 Kategorie:Gestorben 2012 Kategorie:Frau Kategorie:Österreichischer Emigrant zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Österreichischer Emigrant in den Vereinigten Staaten