Willem van den Arend (* 19. Februar 1875 in Utrecht, Niederlande; † 11. März 1954 in Carantec, Frankreich) war ein niederländischer Maler, Holzschneider und Radierer(niederländisch) Geburtseintrag Willem van den Arend, Utrecht, 19. Februar 1875, Open Archieven.Standesamt der Gemeinde Carantec, Sterbeurkunde Nr. 6, 11. März 1954.(englisch) Getty Research Institute: Union List of Artist Names (ULAN), Eintrag „Willem van den Arend“.. Ab den frühen 1910er Jahren ließ er sich in Frankreich nieder und etablierte sich in der Bretagne, wo ein Werk entstand, das von den Landschaften des Trégor und von religiösen Bauwerken der Region inspiriert ist„Willem van den Arend“, Revue moderne des arts et de la vie, 30. Januar 1922, Gallica.Mouez ar Vro, September 1920, Archives départementales du Finistère.. Er arbeitete unter anderem mit dem Schriftsteller Anatole Le Braz zusammen, dessen 1928 erschienenes Werk Vieilles Chapelles de Bretagne er mit 32 Originalholzschnitten illustrierteRépertoire d’art et d’archéologie, Nr. 664, „Quelques chapelles de vieille Bretagne, bois originaux de W. van den Arend“, Gallica.Byblis, 1928..
Leben
Herkunft und Ausbildung Willem van den Arend entstammte der zweiten Ehe von Pieter van den Arend mit Cornelia de Laat und wurde in eine wohlhabende Kaufmannsfamilie hineingeboren. Sein Vater, ein zunächst in Rotterdam, später in Leicester ansässiger Kaufmann, gründete 1863 die „Tabak Maatschappij Arensburg“ und war an der Gründung der ersten Tabakplantagen-Unternehmen auf Java und in Deli beteiligt. Ab den 1850er Jahren betätigte er sich zudem in der Schifffahrt und im Kolonialhandel(niederländisch) Stichting Nederlandse Tabakshistorie, Angaben zu Pieter van den Arend und den Tabakgeschäften der Familie, tabakshistorie.nl..
Er absolvierte seine Ausbildung in den Niederlanden, in Frankreich, in Italien und in Spanien und unternahm während seiner Ausbildungszeit Reisen in mehrere weitere Länder.
Am 21. September 1898 heiratete Willem van den Arend in Den Haag Maria Louise Osmania Lohmann, eine Deutsche aus Elberfeld, das Paar ließ sich am 1. Oktober 1913 in Egmond-Binnen scheiden(niederländisch) Scheidung von Willem van den Arend und Maria Louise Osmania Lohmann, Egmond-Binnen, 1. Oktober 1913, Open Archieven.. Aus dieser Verbindung gingen zwei Söhne hervor: Nicolaas Frederik Willem, geboren am 10. Juli 1899 in Düsseldorf und gestorben am 10. Juni 1950 in Semarang (Java)(niederländisch) Oorlogsgravenstichting, „Nicolaas Frederik Willem van den Arend“., sowie Evert, geboren am 1. September 1902 in Alkmaar(niederländisch) Geburtseintrag Evert van den Arend, Alkmaar, 1. September 1902, Open Archieven., außerdem eine Tochter, Maria Louisa, geboren 1912 in Amsterdam. Am 19. Februar 1915 heiratete er in Amsterdam in zweiter Ehe die geschiedene Sängerin (Kantatensängerin) Sophia Wilhelmina Jacoba Hermse(niederländisch) Eheeintrag Willem van den Arend und Sophia Wilhelmina Jacoba Hermse, Amsterdam, 19. Februar 1915, Open Archieven., aus dieser Ehe ging im selben Jahr ein Sohn, G. Willem, hervor.
Niederlassung in Frankreich und künstlerische Tätigkeit in der Bretagne mini|Holzschnitt von 1922 mit der bretonischen Sängerin und Erzählerin Maryvonne Le Flem. Eine im Januar 1922 in der Revue moderne des arts et de la vie veröffentlichte Notiz gibt an, dass W. van den Arend seit „fast zehn Jahren“ in Frankreich lebe, was seine Übersiedlung in das Land auf den Beginn der 1910er Jahre datiert. Der Artikel stellt ihn als Künstler vor, der sowohl in der Malerei als auch im Holzschnitt und in der Radierung tätig war, und hebt insbesondere seine Tätigkeit als Porträtist hervor.
In den frühen 1920er Jahren galt seine künstlerische Tätigkeit mehrfach bretonischen Motiven. Im Salon d’Automne zeigte er Werke zu bretonischen Themen, darunter ein Porträt einer „alten Bretonin“ sowie eine Landschaft mit dem Titel Pin de Bretagne. Die Kritik der Revue moderne des arts et de la vie beschrieb seine Kunst als von Offenheit und Aufrichtigkeit geprägt und hob seine Fähigkeit hervor, sich souverän zwischen verschiedenen Gattungen zu bewegen. Van den Arend ist 1920 in Carantec belegt, anlässlich einer im Rahmen eines regionalistischen Kongresses in Morlaix organisierten Kunstausstellung. Dort zeigte er unter anderem Ölporträts, Landschaften sowie eine Grisaille, die Saint-Pol-de-Léon von Carantec aus gesehen darstellt. Er erhielt eine Auszeichnung in der Kategorie Malerei. Der in Mouez ar Vro veröffentlichte Bericht betont sein Interesse an der Bretagne und stellt seine Behandlung der Landschaften von Carantec in die Nähe der „flämischen“ Manier.
Seine Grafiken zeigen insbesondere die Küste, die Landschaften des Trégor sowie mehrere bretonische Sakralbauten. Das Rijksmuseum in Amsterdam bewahrt mehrere seiner Holzschnitte, darunter zwei unter dem Titel Bretonse kust („Bretonische Küste“)(niederländisch) Rijksmuseum, Bretonse kust, RP-P-1930-238.(niederländisch) Rijksmuseum, Bretonse kust, RP-P-1930-239., Notre-Dame de Port-Blanc(niederländisch) Rijksmuseum, Notre-Dame de Port-Blanc. und Landschap („Landschaft“)(englisch) Rijksmuseum, Bestand „Willem van den Arend“., sowie ein 1930 vom Museum erworbenes Porträt von Anatole Le Braz (1922, Auflage von zwölf Exemplaren)(niederländisch) Rijksmuseum, Anatole Le Braz, RP-P-1930-234, Holzschnitt, 1922, Auflage 12, Erwerbung 1930.. 1922 schuf van den Arend zudem ein Porträt von Maryvonne Le FlemWikimedia Commons, Maryvonne Le Flem, Holzschnitt von Willem van den Arend, 1922..
Seine Einbindung in die bretonischen regionalistischen Kreise ist auch durch seinen Briefwechsel mit Francis Even, Mitbegründer der Union régionaliste bretonne im Jahr 1898, belegt. Dreiunddreißig zwischen 1925 und 1927 zwischen den beiden Männern gewechselte Briefe werden im Centre de recherche bretonne et celtique aufbewahrt. In Carantec verkehrte er zudem mit dem Maler Charles de Kergariou, genannt Kerga.
Zusammenarbeit mit Anatole Le Braz 1928 erschien in Paris bei Albert Morancé Vieilles chapelles de Bretagne von Anatole Le Braz, ein mit zweiunddreißig Originalholzschnitten von Willem van den Arend illustriertes Werk. Das Buch zählt zu den bibliophilen Werken, in denen der Schriftsteller mit einem Künstler zusammenarbeitete, der seine Beschreibung der bretonischen Kapellen grafisch umsetzte. Die Holzschnitte zeigen unter anderem Sainte-Barbe du Faouët, Notre-Dame de Callot, Notre-Dame de Kermaria, Saint-Hervé du Menez-Bré und Notre-Dame de Port-Blanc.
Kritische Rezeption Das Werk Willem van den Arends wurde von der zeitgenössischen Kritik unterschiedlich aufgenommen. 1920 würdigte der Bericht über die Ausstellung in Morlaix die atmosphärische Behandlung seiner bretonischen Landschaften. 1922 lobte die Revue moderne des arts et de la vie die Offenheit und Aufrichtigkeit seiner Kunst sowie seine Fähigkeit, sich mühelos zwischen mehreren Gattungen zu bewegen. 1928 hingegen erkannte der Kritiker der Zeitschrift L’Art et les Artistes zwar die Qualität der Ausstattung des Buches an, beurteilte die Holzschnitte van den Arends jedoch angesichts der Qualität des Textes von Le Braz als zu naiv im Ausdruck.
Letzte Jahre (1930–1954) 1930 gelangten mehrere Grafiken Willem van den Arends in die Sammlungen des Rijksmuseums Amsterdam. In bescheidenen Verhältnissen lebend, erhielt er ab Ende der 1930er Jahre vom königlich-niederländischen Dienst für die Unterstützung bedürftiger Niederländer im Ausland eine monatliche Beihilfe(niederländisch) Nationaal Archief (Den Haag), Bestand 2.04.50, Inventarnr. 296, Unterlagen zur niederländischen Unterstützung für Willem van den Arend, PDF.. Er setzte seine Tätigkeit als Grafiker und Maler in Carantec bis zu seinem Tod am 11. März 1954 fort.
Werke in öffentlichen Sammlungen mini|Porträt von Anatole Le Braz, Holzschnitt, 1922. Im Rijksmuseum Amsterdam. Amsterdam, Rijksmuseum: Anatole Le Braz (1922), Bretonse kust (zwei Exemplare), Landschap, Kinderkop(niederländisch) Rijksmuseum, Kinderkop., Notre-Dame de Port-Blanc. Quimper, Musée départemental breton: Druckgrafik mit dem Motiv des Menez Bré und Saint-Michel-de-Brasparts in den Monts d’Arrée.
Illustrierte Werke .
Literatur
Weblinks
Anmerkungen und Einzelnachweise
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