Als Afro-Franzosen () werden französische Staatsbürger bezeichnet, die selbst oder deren Vorfahren aus dem Südlich der Sahara gelegenen Teil Afrikas stammen. Viele der Afro-Franzosen stammen aus den ehemaligen französischen Kolonien in West- und Zentralafrika, aus den französischen Überseegebieten und aus der Karibik. Im Jahr 2019 lebten in Frankreich schätzungsweise 4,5 Millionen Afro-Franzosen. Damit belegte Frankreich weltweit den 5. Platz, und in Europa den 1. Platz unter den Ländern mit einer Afrikanischen Diaspora.
Geschichte mini|Jean-Baptiste Belley war der erste schwarze Abgeordnete im französischen Parlament Schon im 16. Jahrhundert gab es einige französische Adlige, die afrikanische Sklaven hielten. Später wurde eine größere Zahl von Sklaven aus Afrika in den Häfen Frankreichs eingesetzt. Im Jahr 1685 verabschiedete Ludwig XIV. den Code Noir, ein Dekret mit 60 Artikeln, das den Umgang mit schwarzen Sklaven vorgab. In der Zeit des atlantischen Sklavenhandels vom 17. bis zum 19. Jahrhundert spielte Frankreich dabei eine führende Rolle. Die Sklaverei wurde 1848 in Frankreich abgeschafft; der Code Noir wurde jedoch nicht formell aufgehoben. Dies geschah erst im Mai 2026.
Der erste schwarze Abgeordnete in der Geschichte Frankreichs war Jean-Baptiste Belley. Er trat sein Amt zu Beginn des Jahres 1794 an. Auf seine Initiative hin erklärte der Nationalkonvent am 4. Februar 1794 die Befreiung aller Sklaven in den französischen Kolonien sowie ihre Einbürgerung, wobei diese Maßnahmen jedoch nur teilweise umgesetzt wurden. Im Parlament trat Belley vor allem als Gegner der Sklaverei hervor. Auch nach dem Sturz Robespierres blieb er Abgeordneter, diesmal im Rat der Fünfhundert unter dem Direktorium. Neben ihm waren auch weitere Persönlichkeiten dunkler Hautfarbe im französischen Parlament vertreten.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begannen Schwarze aus Afrika und der Karibik, im französischen Mutterland Siedlungen zu gründen – eine Entwicklung, die nach dem Zweiten Weltkrieg erheblich an Aufschwung gewann. Viele von ihnen kamen bereits während des Ersten Weltkrieges als Soldaten aus den französischen Kolonien nach Frankreich und liesen sich dort nach dem Krieg nieder. Parallel dazu ließen sich auch einige Afroamerikaner in Paris nieder, um dem Rassismus in ihrer Heimat zu entkommen; sie brachten den Jazz sowie weitere Elemente der afroamerikanischen Kultur nach Frankreich mit.
Von 1947 bis 1968 war Gaston Monnerville als erster Afro-Franzose Präsident des französischen Senats.
Demografie Da das französische Gesetz jegliche Angaben zur Hautfarbe oder zur Religion in den Statistiken untersagt, kann die Anzahl der in Frankreich lebenden Afro-Franzosen nur grob geschätzt werden. Nach französischer Definition werden Kinder von Einwanderern, die auf französischem Gebiet geboren wurden, nicht als Einwanderer gezählt – unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit. Daher werden sie in den offiziellen Statistiken nicht gesondert erfasst. Ein Anhaltspunkt für ihre Anzahl ist die Fertilitätsrate von Frauen aus Subsahara-Afrika, die in den 2000er Jahren auf 3,5 Kinder pro Frau gesunken ist. Diese Rate lag lange Zeit auf einem Niveau, das auch in Afrika üblich ist (5 oder mehr Kinder). Die geschätzte Zahl der in Frankreich geborenen Afro-Franzosen liegt daher bei etwa einer Million.
Wenn man alle Einwanderer mit afrikanischer Abstammung und deren Kinder zusammenzählt, ergibt sich eine ungefähre Gesamtzahl von zwei Millionen Menschen. Hinzu kommen die rund 2,5 Millionen Einwohner der französischen Überseegebiete. Insgesamt ergibt sich somit eine Zahl von etwa 4,5 Millionen Afro-Franzosen, was etwa 7 % der Gesamtbevölkerung Frankreichs entspricht. Die Mehrheit von ihnen lebt im Großraum Paris. Vor allem die Viertel im 18. Pariser Arrondissement wie Goutte d’Or, das auch lokal als petite Afrique („Klein Afrika“) bezeichnet wird, weisen einen besonders hohen Anteil afrikanischer Einwanderer auf.
Gesellschaftliche Situation Nach dem Ideal der Französischen Republik sind alle Bürger gleich („Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“); Unterschiede nach Hautfarbe oder Herkunft existieren somit offiziell nicht. Der französische Präsident Emmanuel Macron, betont zudem die gemeinsame französisch-afrikanische Geschichte und den Beitrag afro-französischer Gemeinschaften zur Gesellschaft. Dennoch berichten viele Afro-Franzosen von alltäglichen Benachteiligungen in unterschiedlichen Lebensbereichen, darunter im Bildungswesen, auf dem Arbeitsmarkt und im Justizsystem. Zudem gibt es auch Berichte von Polizeigewalt.
Verschiedene Organisationen setzen sich für eine Auseinandersetzung mit der Geschichte des Kolonialismus, der Sklaverei und des Rassismus ein. Ziel ist es, das Bewusstsein für diese Themen zu erhöhen und den gesellschaftlichen Dialog dabei zu fördern. Initiativen wie die Ehrung bedeutender afro-französischer Persönlichkeiten wie beispielsweise für Josephine Baker im Panthéon, dienen zur öffentlichen Erinnerung.
Bekannte Afro-Franzosen
Politiker
Jean-Baptiste Belley (1747–1805), Politiker Félix Éboué (1884–1944), Kolonialpolitiker Gaston Monnerville (1897–1991), Politiker und Präsident des Senats Christiane Taubira (* 1952), Politikerin Pap Ndiaye (* 1965), Politiker und Botschafter Maxette Pirbakas (* 1975), Politikerin Hervé Berville (* 1990), Politiker
Schauspieler
Firmine Richard (* 1947), Schauspielerin Pascal Légitimus (* 1959), Schauspieler, Filmregisseur und Komiker Eriq Ebouaney (* 1967), Schauspieler Édouard Montoute (* 1970), Schauspieler Aïssa Maïga (* 1975), Schauspielerin und Drehbuchautorin Omar Sy (* 1978), Schauspieler und Komiker
Musiker
Joseph Bologne (1745–1799), Geigenvirtuose Christiane Eda-Pierre (1932–2020), Opernsängerin Jocelyne Béroard (* 1954), Zouk-Sängerin Fab Morvan (* 1966), Sänger Joeystarr (* 1967, Didier Morville), Rapper Imany (* 1979, Nadia Mladjao), Soulsängerin Aya Nakamura (* 1995, Aya Coco Danioko), R&B-Sängerin
Schriftsteller
Alexandre Dumas (1802–1870), Schriftsteller René Maran (1887–1960), Schriftsteller Frantz Fanon (1925–1961), Schriftsteller und Philosoph Maryse Condé (1934–2024), Schriftstellerin Marie NDiaye (* 1967), Schriftstellerin
Sportler
Roger Bambuck (* 1945), Leichtathlet Marie-José Pérec (* 1968), Leichtathletin Christian Karembeu (* 1970), Fußballspieler Lilian Thuram (* 1972), Fußballspieler Surya Bonaly (* 1973), Eiskunstläuferin Nicolas Batum (* 1988), Basketballspieler Wendie Renard (* 1990), Fußballspielerin Estelle Mossely (* 1992), Boxerin Ousmane Dembélé (* 1997), Fußballspieler
Sonstige Louise Marie-Thérèse (1664–1730), Benediktinerinnen-Nonne Louis Delgrès (1766–1802), Abolitionist Rokhaya Diallo (* 1978), Journalistin
Siehe auch
Afrokanadier Afrokariben Afroschweizer Françafrique Ligue de défense de la race nègre Pan-Afrikanischer Kongress
Literatur Félix F. Germain: Decolonizing the Republic : African and Caribbean Migrants in Postwar Paris. Michigan State University Press, 1974, ISBN 978-1611-86204-1 Michel Samuel: Le Prolétariat africain noir en France. Paris, 1978 Philippe Dewitte: Les Mouvements nègres en France, 1919-1939. Paris, 1985, ISBN 978-2-85802-620-3 Florence Gauthier: L’aristocratie de l’épiderme : Le combat de la Société des Citoyens de Couleur, 1789-1791. 2007, ISBN 227-1-06576-3
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Immigration (Frankreich) Kategorie:Ethnische Minderheit in Europa als Thema Kategorie:Afrikanische Diaspora Kategorie:Gesellschaft (Frankreich)