mini|Giovanni Battista Naldini: Bildnis von Giovanni dalle Bande Nere und Maria Salviati (Ritratto di Giovanni dalle Bande Nere e di Maria Salviati), 1585, Öl auf Holz, 140 × 115 cm, Galleria degli Uffizi, Florenz Giovanni Battista Naldini, genannt Battista degli Innocenti (* 3. Mai 1535 in Fiesole bei Florenz; † 18. Februar 1591 in Florenz), auch Battista, Giovanbattista oder Giambattista genannt, war ein italienischer Maler, Zeichner, Freskant und Wandmaler des Manierismus. Er war vor allem in Florenz und Rom tätig.

Leben Giovanni Battista Naldini war der Sohn des Schuhmachers Matteo Naldini. Er wuchs im Florentiner Findelhaus Ospedale degli Innocenti auf und erhielt deshalb den Beinamen degli Innocenti. Durch Vermittlung der Institution kam er um 1545 bzw. – nach neueren Untersuchungen – um 1547 als Lehrling in die Werkstatt von Jacopo Pontormo, wo er bis zu dessen Tod im Jahr 1557 blieb. Aus dieser Zeit stammen zahlreiche Studienzeichnungen nach Werken seines Lehrers, in denen Naldini dessen zeichnerische Technik nachahmte. Erhaltene Blätter befinden sich unter anderem im J. Paul Getty Museum in Malibu (Kalifornien), im Kupferstichkabinett Berlin und im Louvre in Paris.

Im Jahr 1554 unterrichtete Naldini für ein halbes Jahr als Zeichenlehrer am Ospedale degli Innocenti. Gefördert wurde er von Vincenzo Borghini, dem langjährigen Leiter (spedalingo) des Findelhauses. Borghini erwies sich in der Folge wiederholt als einer seiner wichtigsten Förderer. Um 1560 begab sich Naldini, ausgestattet mit einem Empfehlungsschreiben Giorgio Vasaris und unterstützt von Borghini, auf eine Bildungsreise nach Mittelitalien. Er hielt sich vor allem in Rom auf, wo er antike wie zeitgenössische Werke studierte. In dieser Zeit stand er in Rom im Austausch mit anderen jungen Künstlern, darunter Giovannantonio Dosio. Zeugnis dieser Jahre ist das sogenannte römische Reiseskizzenbuch, dessen Blätter sich größtenteils in der Sammlung von Christ Church in Oxford befinden.

Im Jahr 1561 gestaltete Giovanni Battista Naldini in Massa die Festdekorationen zur Hochzeit von Alberico I. Cybo-Malaspina mit Isabella di Capua. Ab 1562 war er in Florenz unter der Leitung von Giorgio Vasari an der Ausstattung des Palazzo Vecchio beteiligt, unter anderem am Salone dei Cinquecento. Ebenso wirkte er an den Dekorationen für die Trauerfeierlichkeiten für Michelangelo in San Lorenzo sowie für die Hochzeit von Francesco I. de’ Medici mit Johanna von Österreich mit. Für die Badia in Florenz schuf er 1565/66 eine Kreuztragung. Für das Studiolo von Francesco I. im Palazzo Vecchio schuf er um 1570/71 die beiden allegorischen Darstellungen Die Gewinnung der Ambra und Die Allegorie der Träume. Aus derselben Zeit stammt das Pietà-Fresko für das Grabmal Michelangelos in Santa Croce. mini|Giovanni Battista Naldini: Die Heilige Familie, Gemäldegalerie Alte Meister, Dresden. 1564 wurde Naldini Mitglied der Accademia delle Arti del Disegno, für die er in der Folge mehrere Ämter übernahm. In den 1570er Jahren galt er als einer der gefragtesten Maler von Altarbildern in der Toskana. Im Zuge der von Vasari initiierten Umgestaltung der Florentiner Kirchen erhielt er Aufträge für Altartafeln in Privatkapellen. In Santa Maria Novella malte er die Pietà (1572, Minerbetti-Kapelle), die Anbetung der Hirten (1573, Mazzinghi-Kapelle) und die Darstellung des Herrn (1577, Sommaia-Kapelle). In Santa Croce malte er die Grablegung (1583, Verazzano-Kapelle). Zwei Tafeln für die Kirche Santa Maria del Carmine – eine Himmelfahrt Christi und eine Auferweckung des Jünglings von Naïn – wurden beim Kirchenbrand von 1771 zerstört. Laut Raffaello Borghini erhielt Naldini den Carmine-Auftrag im Jahr 1571, nachdem der ursprünglich beauftragte Maso da San Friano verstorben war. Borghini berichtet zudem von zahlreichen weiteren Aufträgen Naldinis zwischen 1565 und 1580 für Kirchen im Florentiner Umland, unter anderem für das Kloster Camaldoli sowie für die Orte Granaiolo, Uzzano, Limite sulla Strada, Capalle und die Nachbarstädte Pistoia und Prato. Ein Teil dieser Werke hat sich nicht erhalten oder konnte bislang nicht identifiziert werden. Auch als Porträtmaler war Naldini tätig.

Ende der 1570er Jahre hielt sich Giovanni Battista Naldini erneut in Rom auf. Zusammen mit seinem Schüler Giovanni Balducci freskierte er dort zwischen 1577 und 1580 die Altoviti-Kapelle in der Kirche Trinità dei Monti mit Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers. Der Auftraggeber war der Florentiner Bankier Giovanni Battista Altoviti. Die Kapelle wurde um 1570 vom Architekten Giovanni Antonio Dosio errichtet. Für die Kirche San Giovanni Battista Decollato in Rom schuf Naldini ein Seitenaltarbild mit der Marter des heiligen Johannes des Täufers. Für die Grabkapelle der Familie Salviati in San Marco in Florenz entstanden neben dem Altarbild mit der Berufung des Matthäus (1588) auch Wandfresken für die Unterkapelle. Hierbei arbeitete er unter anderem mit Francesco Morandini, genannt il Poppi, zusammen. 1590 schuf Naldini gemeinsam mit Giovanni Balducci eines seiner letzten großen Werke: die Darstellung der Darbringung Mariä im Tempel für den Dom von Volterra. Giovanni Battista Naldini starb am 18. Februar 1591 in Florenz.

Werk mini|Giovanni Battista Naldini: Studien eines männlichen Aktes (Studies of a Male Nude), um 1550, rote Kreide auf geripptem Papier, 27 × 20,4 cm, National Gallery of Art, Washington, D.C. Giovanni Battista Naldinis zeichnerisches Werk – Kreide-, Rötel- und Federzeichnungen – entstand zeitlebens in großer Zahl, häufig nach Vorlagen fremder Werke, daneben aber auch als eigenständige Tier-, Natur- und Landschaftsstudien sowie Stadtansichten. Stilistisch zeigt sein Frühwerk die Prägung durch Pontormo, nach seinem Romaufenthalt um 1560/61 traten Einflüsse Michelangelos und der römischen Antike hinzu. In der Zusammenarbeit mit Vasari entwickelte Naldini eine Formensprache des reifen Florentiner Manierismus, die sich laut Sydney J. Freedberg vor allem koloristisch von der Vasaris unterschied: Sie zeichnet sich durch eine lebhafte, mitunter grell-bunte Farbgebung mit ausgeprägter Vorliebe für changierende Töne aus. Zu Naldinis Schülern zählten unter anderem Giovanni Balducci, Francesco Curradi, Cosimo Gamberucci und Cosimo Duti.

Literatur

Helen Barr: Naldini, Giovanni Battista. In: Allgemeines Künstlerlexikon (AKL). Bd. 91, De Gruyter, Berlin/Boston 2016, S. 484. Elizabeth Pilliod: Pontormo, Bronzino, Allori. A Genealogy of Florentine Art. Yale University Press, New Haven/London 2001. Christel Thiem: Das römische Reiseskizzenbuch des Florentiners Giovanni Battista Naldini 1560/61. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2002. Mauro Vincenzo Fontana: Naldini, Giovambattista, detto Battista degli Innocenti. In: Dizionario Biografico degli Italiani. Bd. 77, Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2012.

Weblinks

Treccani ArtUK Museo del Prado National Gallery, London Städelsches Kunstinstitut und Städtische Galerie, Frankfurt

Einzelnachweise

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