Andreas Wernicke (* 3. März 1595 in Cölln (Spree); † 8. Mai 1648 in Berlin) war ein kurbrandenburgischer Hof- und Kammergerichtsrat sowie kaiserlicher Hofpfalzgraf in Berlin.
Leben Herkunft und Familie Andreas Wernicke war Angehöriger des brandenburgischen Beamtengeschlechts Wernicke. Seine Eltern waren der kurbrandenburgische Hofrentmeister Johann Wernicke (1570–1630) und Anna geb. Thenigk. Er vermählte sich in erster Ehe 1622 mit Anna Maria Moritz, Witwe des Berliner Bürgermeisters Sebastian Baurath und in zweiter Ehe 1626 mit Sabina Krause, Tochter des Gallus Krause, Rentmeisters der Städte der Mittelmark,Oberdeutsche Personendatenbank: Wernicke, Andreas (Abgerufen am 18. September 2026.) der Uckermark und des Landes Ruppin.Joachim Fromm: Glykypikron Piorum, Das ist: Honigsüsser Trost [...] [Leichenpredigt des Andreas Wernicke], Berlin 1649, S. 47. Aus beiden Ehen überlebten den Vater vier Töchter.
Sein Sohn Johann Andreas aus erster Ehe verstarb bald nach der empfangenen Taufe. Die Tochter Anna Magdalena aus erster Ehe heiratete 1644 den Berliner PatrizierJoachim Fromm (1649), S. 2. Christian Engel.Joachim Fromm (1649), S. 47. Aus zweiter Ehe stammten die Töchter Sabina Elisabeth, Martha Sophie und Maria Sybila (1629–1689). Letztere heiratete 1675 den kurbrandenburgischen Kammergerichtsadvokaten Bartholomäus Gericke den Jüngeren (1632–1704),Paul Gerhardt und Johann Georg Ebeling: Geistliche Andachten bestehend in hundert und zwantzig Liedern 1666/67. Teil 1: Die Lieder Nr. 1 bis 60, Berlin 2026, S. 197. dessen väterlich Vorfahren über mehrere Generationen aufeinander folgend Potsdamer Bürgermeister waren; der gleichnamige Vater († 1657) war zusätzlich kurbrandenburgischer Erb- und Lehnrichter.Christian Schmitz: Ratsbürgerschaft und Residenz. Untersuchungen zu Berliner Ratsfamilien, Heiratskreisen und sozialen Wandlungen im 17. Jahrhundert, 2011, S. 290.
Er (Nr. 18) und seine Halbbrüder Nicolaus (Nr. 86) und Joachim Ernst Wernicke (Nr. 94) hatten sich zwischen 1637 und 1647 in das reich mit den jeweiligen Familienwappen gezierte Elert'sche Stammbuch (Album amicorum) eingetragen.Der Deutsche Herold. Zeitschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde, Band 23, Berlin 1892, S. 159–161.
Werdegang Andreas Wernicke erwarb eine erste Schulbildung in Cölln (Spree) und wechselte 1608 auf das Joachimsthaler Gymnasium. Nach dessen Abschluss studierte er 1612 und 1617 in Leipzig, 1614 in Tübingen, 1616 in Wittenberg, 1618 in Heidelberg und beendete seine Ausbildung in Speyer. Im Jahr 1619 begann er eine Sprachreise, die ihn nach Frankreich, England sowie in die Niederlande führte. Er wurde 1622 unter dem etwa gleichaltrigen Kurfürsten Georg Wilhelm als kurfürstlicher Kammergerichtsadvokat nach Berlin berufen und 1629 als kurbrandenburgischer Hof- und Kammergerichtsrat bestellt.Otto Meinardus: Protokolle und Relationen des Brandenburgischen Geheimen Rathes aus der Zeit des Kurfürsten Friedrich Wilhelm. Leipzig 1889, S. 641. Am 21. August 1630 erhielt er zu Regensburg die kaiserliche Hofpfalzgrafenwürde ad personam.Österreichisches Staatsarchiv: Signatur AT-OeStA/AVA Adel RAA 453.32 Regensburg, 21. August 1630: Wernikhe, Andreas, Kurbrandenburger Hofrat und Kammergerichtsrat, Palatinat ad personam
Am 24. Mai 1642 befreite Kurfürst Friedrich Wilhelm die Hönower Besitzungen des Kammergerichtsrates Andreas Wernicke für drei Jahre von den Abgaben.Brandenburgisches Landeshauptarchiv: Besitzdokumente der Dörfer Hönow und Seeberg und der Lehnschulzengerichte zu Herzfelde und Hönow. Signatur: 2 Kurmärkische Kammer D 15790. Online-Verzeichnung, Enthält-Vermerk zur Urkunde vom 24. Mai 1642, Cölln an der Spree (Abschrift). Nachweis in der Deutschen Digitalen Bibliothek, abgerufen am 17. September 2026. Am 25. Juli 1644 gestattete ihm der Kurfürst im Zusammenhang mit den wüst liegenden Bauernhöfen in Hönow für zehn Jahre die Haltung von 500 Schafen.Brandenburgisches Landeshauptarchiv: Besitzdokumente der Dörfer Hönow und Seeberg und der Lehnschulzengerichte zu Herzfelde und Hönow. Signatur: 2 Kurmärkische Kammer D 15790. Online-Verzeichnung, Enthält-Vermerk zur Urkunde vom 25. Juli 1644, Cölln an der Spree (Abschrift). Nachweis in der Deutschen Digitalen Bibliothek, abgerufen am 17. September 2026. Am 30. Juli 1644 belehnte Kurfürst Friedrich Wilhelm Wernicke mit dem Schulzengericht zu Hönow.Brandenburgisches Landeshauptarchiv: Besitzdokumente der Dörfer Hönow und Seeberg und der Lehnschulzengerichte zu Herzfelde und Hönow. Signatur: 2 Kurmärkische Kammer D 15790. Online-Verzeichnung, Enthält-Vermerk zur Urkunde vom 30. Juli 1644, Cölln an der Spree (Abschrift). Nachweis in der Deutschen Digitalen Bibliothek, abgerufen am 17. September 2026. Das Protokoll des Brandenburgischen Geheimen Rates vom 23. Dezember 1644 (2. Januar 1645 neuen Stils) verzeichnet Wernickes Gesuch, im Zusammenhang mit seiner Schäfereigerechtigkeit zu Hönow „gleich denen von Adel“ von der Kontribution für seine Schafe befreit zu werden. Die barnimischen Kreise wurden aufgefordert, etwaige Einwendungen vorzubringen oder sich danach zu richten.Otto Meinardus (Hrsg.): Protokolle und Relationen des Brandenburgischen Geheimen Rathes aus der Zeit des Kurfürsten Friedrich Wilhelm. Band 3: Vom Januar 1645 bis Ende August 1647. Mit den Registern zum 2. und 3. Band. (= Publicationen aus den K. Preußischen Staatsarchiven, Band 55). S. Hirzel, Leipzig 1893, S. 9, Nr. 1, Punkt 11; Datierung am Beginn des Protokolls: 23. Dezember 1644 (2. Januar 1645). Digitalisat im Internet Archive.
Sechs Tage nach seinem Tod erfolgte die Bestattung des weyland Edlen/ WolEhrnvesten/ GroßAchtbarn unnd Hochgelahrten Herrn Andreae Wernickens/ gewesenen Churfürst.[lich] Brand.[enburgischen] Hoff- un[d] Cam[m]ergerichtsRaths/ auch Comitis Palatini Cæsarei, am 14. Mai 1648 in der Berliner Nikolaikirche.Joachim Fromm: Glykypikron Piorum, Das ist: Honigsüsser Trost/ gegen das gallbittere Creutze der Kinder Gottes/ allhier in diesem Leben: Bey trawriger und sehr betrübter Leichbestattung Des weyland Edlen/ WolEhrnvesten/ GroßAchtbarn unnd Hochgelahrten Herrn Andreae Wernickens/ gewesenen Churfürst. Brand. Hoff- un[d] Cam[m]ergerichtsRaths/ auch Comitis Palatini Cæsarei, Welcher den 8. Maji dieses 1648. Jahres Abends zwischen 4. und 5. Uhr diese Welt selig gesegnet/ und den folgenden 14. eiusdem, war der Sontag Exaudi, in unser Hauptkirchen zu St. Nicol. allhier in Berlin/ bey ansehnlicher und volckreicher Versamblung zur Erden bestattet worden, Berlin 1649 [Leichenpredigt] (Online-Ausgabe Berlin: Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, 2012)
Literatur Fritz Roth: Restlose Auswertungen von Leichenpredigten und Personalschriften für genealogische und kulturhistorische Zwecke. Band 6, Boppard am Rhein 1970, S. 272–273 (R 4530) Joachim Fromm: Glykypikron Piorum, Das ist: Honigsüsser Trost/ gegen das gallbittere Creutze der Kinder Gottes/ allhier in diesem Leben: Bey trawriger und sehr betrübter Leichbestattung Des weyland Edlen/ WolEhrnvesten/ GroßAchtbarn unnd Hochgelahrten Herrn Andreae Wernickens/ gewesenen Churfürst. Brand. Hoff- un[d] Cam[m]ergerichtsRaths/ auch Comitis Palatini Cæsarei, Welcher den 8. Maji dieses 1648. Jahres Abends zwischen 4. und 5. Uhr diese Welt selig gesegnet/ und den folgenden 14. eiusdem, war der Sontag Exaudi, in unser Hauptkirchen zu St. Nicol. allhier in Berlin/ bey ansehnlicher und volckreicher Versamblung zur Erden bestattet worden, Berlin 1649 [Leichenpredigt] (Online-Ausgabe Berlin: Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, 2012)
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Geheimer Hofrat Kategorie:Kurfürstlicher Rat (Brandenburg) Kategorie:Richter (Kammergericht) Kategorie:Richter (Preußen) Kategorie:Jurist in der Frühen Neuzeit Kategorie:Hofpfalzgraf Kategorie:Nobilitierter (HRR) Kategorie:Geboren 1595 Kategorie:Gestorben 1648 Kategorie:Mann