Ein Baum wächst in Brooklyn () ist ein autobiografisch geprägter Roman der US-amerikanischen Schriftstellerin Betty Smith aus dem Jahr 1943. 2012 wurde das Buch von der Library of Congress in die Liste der Werke aufgenommen, die Amerika geprägt haben.

Smith reichte das Manuskript 1940 zunächst unter dem Titel They Lived in Brooklyn als Sachbuch bei verschiedenen Verlagen ein. Nachdem es wiederholt abgelehnt worden war, reichte sie es 1942 als Wettbewerbsbeitrag bei Harper & Brothers ein. Auf Anregung des Verlags überarbeitete und erweiterte Smith das Werk, ordnete es dem Genre des Romans zu und änderte den Titel. Nach dem Vorabdruck war das Buch so erfolgreich, dass bereits vor dem offiziellen Erscheinungstermin eine zweite Auflage aufgelegt wurde. Das Buch gehörte zu den beliebtesten Titeln der Armed Services Editions, einer Reihe von Büchern, die während des Zweiten Weltkriegs kostenlos an Angehörige der US-Streitkräfte verteilt wurden.

Die zentrale Metapher des Romans ist der Götterbaum (Ailanthus altissima). Seine Fähigkeit, selbst in der dicht bebauten Umgebung Brooklyns zu wachsen und zu gedeihen, spiegelt das Leben der Hauptfigur Francie Nolan und deren Fähigkeit wider, trotz widriger Lebensumstände zu bestehen.

Handlung Der Roman ist in fünf Abschnitte gegliedert, die jeweils unterschiedliche Lebensabschnitte der Figuren behandeln. Die Handlung beginnt 1912, als Francie elf Jahre alt ist. Sie lebt mit ihrem zehnjährigen Bruder Neeley (Cornelius) und ihren Eltern Johnny und Katie im Williamsburg-Viertel von Brooklyn. Die Familie ist arm und lebt von dem Geld, das Katie mit der Reinigung von Wohnungen verdient, sowie von den geringen Einnahmen, die Francie und Neeley durch das Sammeln und Verkaufen von Altmetall und Altpapier erzielen. Johnny ist Alkoholiker und verdient unregelmäßig Geld als singender Kellner. Francie bewundert ihren Vater wegen seines guten Aussehens, seines Talents und seiner fantasievollen und gefühlvollen Art. Katie hingegen verhält sich pragmatisch. Als Ernährerin der Familie stellt sie ihre eigenen Wünsche und Träume weitgehend zurück.

Francie und Neeley besuchen die schmutzige und überfüllte Schule ihres Viertels. Francie liebt Bücher und nutzt jede Gelegenheit zum Lesen. Trotz der schwierigen Verhältnisse gelingt es ihr, sich weiterzubilden. Nachdem Johnny bei der Anmeldung eine falsche Adresse angegeben hat, wird Francie schließlich in eine bessere Schule in einem anderen Bezirk aufgenommen.

Als Johnny erfährt, dass Katie erneut schwanger ist, fällt er in eine Depression. Am Weihnachtstag 1915 stirbt er an einer alkoholbedingten Lungenentzündung. Katie verwendet den Erlös aus seiner Lebensversicherung für eine würdige Beerdigung. Um ihre finanzielle Belastung zu verringern, kündigt sie die Lebensversicherungen der Kinder. 1916 gelingt es ihr, die Familie trotz der schwierigen finanziellen Lage zu versorgen; im selben Jahr wird das jüngste Kind, Annie Laurie, geboren.

Francie erhält zunächst hervorragende Noten für ihre Englischaufsätze. Ihre Lehrerin Miss Gardner reagiert jedoch mit Unverständnis, als Francie in ihren Arbeiten auch unangenehme Aspekte des Lebens wie Armut und Alkoholismus thematisiert, und bewertet ihren Abschlussaufsatz schlecht. Da der Familie das Geld für den Besuch einer Highschool fehlt, nehmen Francie und Neeley Arbeitsstellen an. Francie arbeitet zunächst in einer Fabrik für künstliche Blumen und später in einem besser bezahlten Büro. Als die Vereinigten Staaten 1917 in den Ersten Weltkrieg eintreten, wird das Büro geschlossen.

Nachdem Francie eine neue Arbeitsstelle gefunden hat, beschließt sie, die Highschool zu überspringen und stattdessen Sommerkurse auf College-Niveau zu besuchen. Mit Unterstützung von Ben Blake, einem freundlichen und zielstrebigen Schüler, besteht sie die erforderlichen Prüfungen, scheitert jedoch zunächst an den Aufnahmeprüfungen des Colleges.

1918 nimmt Katie einen Heiratsantrag von Michael McShane an, einem pensionierten Polizeibeamten, der sie seit Langem bewundert. Nach seinem Ausscheiden aus dem Polizeidienst ist er ein wohlhabender Geschäftsmann und Politiker geworden. Francie, inzwischen fast 17 Jahre alt, besucht die University of Michigan, nachdem sie die Aufnahmeprüfungen mit Bens Hilfe bestanden hat.

Die Familie Nolan bereitet sich auf Katies Hochzeit und den Umzug in McShanes Haus vor. Francie besucht ein letztes Mal einige ihrer Lieblingsorte aus ihrer Kindheit. Bevor sie die Wohnung verlässt, bemerkt sie den Götterbaum, der im Hof des Hauses gewachsen ist. Sie erkennt in ihm ein Symbol für die Fähigkeit ihrer Familie, trotz widriger Umstände zu überleben und sich eine bessere Zukunft aufzubauen.

Adaptionen mini|Verfilmung 1945 Der Roman wurde 1945 unter der Regie von Elia Kazan verfilmt. In den Hauptrollen spielten James Dunn, Dorothy McGuire, Joan Blondell und Peggy Ann Garner. Garner erhielt für ihre Darstellung einen Special Academy Award als herausragende Kinderdarstellerin. James Dunn wurde für seine Rolle mit dem Oscar als bester Nebendarsteller ausgezeichnet. mini|Werbung für den 1945 entstandenen Film George Abbott entwickelte gemeinsam mit Betty Smith eine Musicalfassung des Romans für den Broadway, die 1951 uraufgeführt wurde. Die Musik stammte von Arthur Schwartz, die Choreografie von Herbert Ross. In den Hauptrollen waren Shirley Booth, Marcia Van Dyke und die zwölfjährige Nomi Mitty als Francie zu sehen. Das Musical wurde insgesamt 267-mal aufgeführt.

Deutsche Ausgabe Betty Smith: Ein Baum wächst in Brooklyn. Übersetzt aus dem Englischen von Eike Schönfeld. Insel Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-458-17720-3

Einzelnachweise

Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Literatur (Englisch) Kategorie:Literatur (Vereinigte Staaten)