Marco Scheel (* 1989 in Bergen auf Rügen) ist ein deutscher Unternehmer. Er ist Gründer und Geschäftsführer des Textilunternehmens Nordwolle.

Überregionale Bekanntheit erlangte er ab 2021 durch Fernsehreportagen, YouTube-Videos und die öffentliche Debatte um seine Kritik an bürokratischen und baurechtlichen Hürden beim Ausbau seines Unternehmens.

Leben

Scheel wuchs auf der Insel Rügen auf. Bereits als Jugendlicher arbeitete er auf einem landwirtschaftlichen Betrieb mit Schafhaltung und beschäftigte sich mit der Verarbeitung von Schafwolle. Er studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der Technischen Universität Berlin.

2013 gründete Scheel während seines Studiums das Unternehmen Nordwolle, welches unter anderem Schurwolle alter europäischer Landschafrassen zu Outdoor- und Funktionsbekleidung verarbeitet. Einen Schwerpunkt bildet die Wolle des Rauwolligen Pommerschen Landschafs.

2018 erwarb Scheel ein ehemaliges Gut in Teplitz, einem Ortsteil der Gemeinde Züsow in Mecklenburg-Vorpommern und baute den Standort in den folgenden Jahren zum Firmensitz aus. 2025 beschäftigte Nordwolle rund 45 Mitarbeiter.

Im Dezember 2025 wurde Scheel für die 21. Legislaturperiode in den Mittelstandsbeirat beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie berufen. Das Gremium berät die Bundeswirtschaftsministerin in mittelstandspolitischen Fragen.

Bürokratiekritik und Behördenkonflikte

Im Zusammenhang mit dem Ausbau seines Firmengeländes äußerte Scheel wiederholt Kritik an der öffentlichen Verwaltung. Das von ihm erworbene Grundstück liegt im baurechtlichen Außenbereich. Für die Nutzung eines ehemaligen Stallgebäudes als Produktionsstätte war daher eine Nutzungsänderung erforderlich. Die zuständige Behörde bewertete die Wollverarbeitung als gewerbliche und nicht als privilegierte landwirtschaftliche Nutzung.

Scheel kritisierte das Genehmigungsverfahren als langwierig und die bestehenden Vorschriften als unzureichend auf die Entwicklung von Unternehmen im ländlichen Raum ausgerichtet. Vertreter der Verwaltung verwiesen hingegen darauf, dass für die damalige gewerbliche Nutzung zunächst keine entsprechende Genehmigung vorgelegen habe und die gesetzlichen Vorgaben für Vorhaben im Außenbereich einzuhalten seien.

Auch nach dem Umbau kam es zu Auseinandersetzungen mit der Bauaufsicht des Landkreises Nordwestmecklenburg. Beanstandet wurden unter anderem Abweichungen von der genehmigten Planung sowie Anforderungen an Statik und Brandschutz; zeitweise wurde die Nutzung von Teilen der Produktionsstätte untersagt. Scheel kritisierte die Anforderungen als unverhältnismäßig.

Weitere Konflikte entstanden bei der geplanten Umnutzung eines zweiten Stallgebäudes zu einer Werkhalle, gegen die das Amt für Raumordnung und Landesplanung Einwände erhob. Über die Bauverfahren hinaus kritisiert Scheel den administrativen Aufwand für mittelständische Unternehmen, etwa bei Genehmigungsverfahren, der Beschäftigung von Mitarbeitern ohne deutschen Pass und der laufenden Kommunikation mit Behörden.

Öffentliche Wahrnehmung

Einem größeren Publikum wurde Scheel Anfang 2021 durch die NDR-Reportage Wolle for Future – Es wird immer bunter aus der Reihe Die Nordreportage bekannt. Darin kritisierte er im Zusammenhang mit den Schwierigkeiten beim Ausbau seines Unternehmens die aus seiner Sicht mangelnde Berücksichtigung produzierender Unternehmen:

Der Ausschnitt verbreitete sich stark über soziale Netzwerke und wurde von zahlreichen überregionalen Medien aufgegriffen. Die Reportage wurde 2021 mit dem Herbert Quandt Medien-Preis ausgezeichnet. Der NDR begleitete Scheel anschließend über mehrere Jahre.

Neben den NDR-Reportagen wurde Scheel wiederholt in überregionalen und internationalen Medien- und Gesprächsformaten porträtiert. 2021 war er in Deep und deutlich zu Gast, 2024 diskutierte er im Spitzengespräch des Spiegel mit Peter Altmaier und Franziska Brantner über wirtschaftspolitische Fragen. 2025 berichtete das Wall Street Journal im Rahmen eines Artikels über die Auswirkungen deutscher Bürokratie über Scheels Auseinandersetzungen mit Behörden. 2026 widmete der Politikpodcast Lage der Nation seinen Erfahrungen mit Behörden eine Ausgabe; zudem erschien ein ausführliches Interview mit ihm in der Süddeutschen Zeitung. Im September desselben Jahres war er außerdem Gast im Gesprächspodcast Ungeskriptet.

Nordwolle betreibt einen YouTube-Kanal, auf dem Scheel regelmäßig Einblicke in sein Unternehmen, Landwirtschaft und seine Auseinandersetzungen mit Behörden veröffentlicht.

Auszeichnungen

2022: Werner-Bonhoff-Preis wider den §§-Dschungel 2025: Unternehmer des Jahres des Unternehmerverbandes Mecklenburg-Schwerin

Weblinks

Website der M.S. Nordwolle GmbH

Einzelnachweise

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