Eclipse Software Defined Vehicle (kurz Eclipse SDV) ist eine von der Eclipse Foundation koordinierte Open-Source-Initiative für softwaredefinierte Fahrzeuge. In der zugehörigen Eclipse Software Defined Vehicle Working Group arbeiten Fahrzeughersteller, Automobilzulieferer, Halbleiterhersteller, IT-Unternehmen und Forschungseinrichtungen an gemeinsam nutzbaren Softwarekomponenten und Entwicklungswerkzeugen für die Automobilindustrie.
Die Zusammenarbeit erfolgt nach dem herstellerneutralen Governance-Modell der Eclipse Foundation. Die unter dem Dach von Eclipse SDV entwickelten Projekte befassen sich unter anderem mit Fahrzeug-Middleware, Laufzeitumgebungen, Kommunikationsprotokollen, Software-Orchestrierung, Fahrzeugdiagnose und der Entwicklung von Fahrzeuganwendungen.
Geschichte Die Eclipse Foundation gab die Gründung der Software Defined Vehicle Working Group im März 2022 bekannt. Zu den Mitgliedern zum Gründungszeitpunkt gehörten unter anderem Accenture, Arm, AVL, Bosch, Capgemini, Continental, ETAS, Microsoft, Red Hat, SUSE und ZF.
Hintergrund der Gründung war die wachsende Bedeutung von Software für die Fahrzeugentwicklung. Durch die gemeinsame Entwicklung nicht differenzierender Softwarebestandteile sollten Entwicklungsaufwand und Abhängigkeiten reduziert werden. Die beteiligten Unternehmen sollten sich dadurch stärker auf marken- und produktspezifische Funktionen konzentrieren können.
In den folgenden Jahren kamen weitere Mitgliedsunternehmen und Projekte hinzu. Die Arbeit der Initiative umfasst neben der Entwicklung einzelner Komponenten auch Integrationsprojekte, technische Arbeitsgruppen, Workshops, Hackathons und Community-Treffen weltweit, etwa in Asien. Mit sogenannten Blueprints werden mehrere Projekte zu beispielhaften, reproduzierbaren Anwendungsszenarien kombiniert.
Seit 2025 arbeiten die Eclipse Foundation und der Verband der Automobilindustrie (VDA) beim Aufbau eines offenen Softwareökosystems für softwaredefinierte Fahrzeuge zusammen. Ein entsprechendes Memorandum of Understanding umfasste Anfang 2026 nach Angaben der Beteiligten 32 Unternehmen.
Auch internationale Fachmedien berichteten über Eclipse SDV und ordneten die Initiative in die Entwicklung offener Softwareplattformen für softwaredefinierte Fahrzeuge ein. Automotive World befasste sich dabei mit dem Verhältnis zwischen gemeinsamer Open-Source-Entwicklung und den Eigeninteressen der beteiligten Unternehmen. Das US-amerikanische Fachmedium Electronic Design thematisierte insbesondere die Anforderungen an zertifizierbare Open-Source-Software für sicherheitskritische Anwendungen.
Arbeitsweise und Ziele Eclipse SDV verfolgt einen als „Code First“ bezeichneten Ansatz. Im Unterschied zu früheren Initiativen wie AUTOSAR, die zunächst umfassende Spezifikationen erarbeiten, soll frühzeitig funktionsfähiger Open-Source-Code entstehen. Dieser kann anschließend praktisch erprobt und schrittweise weiterentwickelt werden.
Zu den Arbeitsgebieten gehören: Laufzeitumgebungen für Fahrzeugsoftware, Middleware und Kommunikationsprotokolle, Frameworks zur Entwicklung von Fahrzeuganwendungen, Orchestrierung und Verwaltung verteilter Software, Diagnose- und Aktualisierungsfunktionen, cloudbasierte Entwicklungs- und Betriebsprozesse sowie integrierte Entwicklungswerkzeuge.
Die entwickelten Komponenten sollen von mehreren Herstellern und Zulieferern wiederverwendet werden können. Proprietäre und wettbewerbsdifferenzierende Funktionen können unabhängig davon auf den gemeinsamen Grundlagen aufgebaut werden. Nach Darstellung der beteiligten Organisationen soll dies die Fragmentierung der Fahrzeugsoftware verringern und die Interoperabilität zwischen Zulieferern und Fahrzeugplattformen verbessern.
Organisation Grundlage der Zusammenarbeit ist die Eclipse Software Defined Vehicle Working Group Charter. Die strategische und operative Steuerung erfolgt durch ein aus Vertretern der Mitgliedsorganisationen zusammengesetztes Lenkungsgremium. Weitere Gremien befassen sich mit der technischen Ausrichtung, funktionaler Sicherheit und der Öffentlichkeitsarbeit.
Die einzelnen Softwareprojekte unterliegen den Entwicklungs- und Governance-Prozessen der Eclipse Foundation. Technische Entscheidungen werden innerhalb der jeweiligen Projektgemeinschaften getroffen. Organisationen können der Working Group in unterschiedlichen Mitgliedschaftskategorien beitreten; Beiträge zu den Open-Source-Projekten sind grundsätzlich auch durch einzelne Entwickler möglich.
Zusammenarbeit mit Industrie und Forschung An Eclipse SDV beteiligen sich Unternehmen aus verschiedenen Stufen der automobilen Wertschöpfungskette. Dazu gehören Fahrzeughersteller, Zulieferer, Halbleiterunternehmen, Anbieter von Betriebssystemen und Entwicklungswerkzeugen sowie IT- und Beratungsunternehmen.
Eclipse SDV ist außerdem in das europäische Forschungsprojekt FEDERATE eingebunden. Das von der Europäischen Union geförderte Projekt bringt nach eigenen Angaben Akteure aus der Automobil- und Halbleiterindustrie zusammen, um ein gemeinsames europäisches Ökosystem für softwaredefinierte Fahrzeuge zu entwickeln. Eclipse SDV wird dabei als eine der beteiligten industriellen SDV-Initiativen genannt.
Die Eclipse Foundation, unter deren Dach Eclipse SDV angesiedelt ist, ist darüber hinaus Partner im Konsortium des europäischen Forschungsprojekts HAL4SDV. Dieses befasst sich mit Hardwareabstraktion, standardisierten Schnittstellen sowie sicherheitskritischen und nicht sicherheitskritischen Anwendungen in softwaredefinierten Fahrzeugen.
In ihrer im Juni 2026 veröffentlichten Mitteilung zur europäischen Technologiesouveränität und zur EU-Open-Source-Strategie (Communication on European Tech Sovereignty, accompanied by an EU Open Source Strategy) nannte die Europäische Kommission Eclipse SDV als Beispiel für industrielle Open-Source-Zusammenarbeit im Automobilsektor. Dabei verwies sie auf die offene Governance, die technische Abstimmung und die gemeinsame Entwicklungsumgebung für Fahrzeughersteller, Zulieferer und Technologieanbieter.
Weblinks Offizielle Website Eclipse-Projektverzeichnis Eclipse SDV Blueprints
Einzelnachweise
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