Aria ist ein Musikalbum von Peter Kowald, Alberto Braida und Giancarlo Locatelli. Die 2002 in der Musikakademie F. Gaffurio, Lodi, Mailand, (im Trio) sowie am 7. und 26. Dezember 2003 und 28. März 2004 (Soli) entstandenen Aufnahmen erschienen 2005 auf dem Label Free Elephant.

Hintergrund Sechs Tage vor seinem plötzlichen Tod am 21. September 2002 in New York war Peter Kowald, Pionier des Free Jazz am Kontrabass, am 15. September 2002 in Mailand mit zwei italienischen Kollegen ins Studio gegangen. Die damals eingespielte Session improvisierter Musik mit Alberto Braida (Piano) und Giancarlo Locatelli (Klarinette) blieb nicht in den Archiven. Bereits 2004 hat das von Gunda Gottschalk und Dirk Peters betriebene Label „free elephant“, das sich Kowalds Vermächtnis und der improvisierten Musik verschrieben hatte, mit Hilfe der Kunststiftung NRW ein Album mit den Archiv-Aufnahmen produziert und veröffentlicht. Zusätzlich zu den Trio-Aufnahmen („variation“ I-IV und „ricerar“ I-IV), welche Anfang und Schluss, Mittelblock und Intermezzi bilden, wurden nachträglich (2003 bzw. 2004) noch Soli Braidas und Locatellis aufgenommen (Cantus) und in die Symmetrie des Albums eingebaut.

Titelliste Peter Kowald / Alberto Braida / Giancarlo Locatelli – Aria (Free Elephant 004) 1 Variation I / Trio 4:25 Cantus (Pno) 3:09 Cantus (Cl) 2:52 Variation II / Trio 4:33 Cantus (Pno) 3:19 Cantus (Cl) 2:17 Ricercar I / Trio 5:04 Ricercar II / Trio 6:56 Ricercar III / Trio 4:52 Ricercar IV / Trio 6:16 Cantus (Cl) 2:10 Cantus (Pno) 2:51 Variation III / Trio 4:15 Cantus (Cl) 2:59 Cantus (Pno) 2:51 Variation IV / Trio 5:10

Die Kompositionen stammen von Braida (1–4, 7–10, 12, 13, 15, 16), Locatelli (1, 3, 4, 6–11, 13, 14, 16), Kowald (1, 4, 7–10, 13, 16).

Rezeption Nach Ansicht von Ken Waxman, der das Album in JazzWord rezensierte, würden Interaktion und Virtuosität im Mittelpunkt der acht Trio-Stücke stehen – vier weit auseinanderliegende Variationen und vier zusammenhängende, längere Stücke mit den Titeln „Ricercar I, II, III und IV“, benannt nach kontrapunktischen Kompositionen des 16. bis 18. Jahrhunderts. Die Suite, mit einer angemessenen Konzertlänge von etwas über 23 Minuten, beginnt mit Kowalds Coll’arco-Kommentaren zu den an John Butcher erinnernden, schleppenden Läufen und kurzen Chalumeau-Vibrationen des Klarinettisten. Während Braida zurückhaltende und unprätentiöse Klavierakkorde beisteuere, leite der Bassist mit wirbelndem Spiccato die nächste Variation ein.

„Ricercar II“, das fast siebenminütige Herzstück der Session, zeichne sich durch Kowalds resonante Zupftöne im mittleren Lagenbereich aus, die den Walking Bass auf weniger prosaische Weise umreißen würden. Locatellis Zungenakkorde würden derweil die Bassklänge imitieren. Beides werde von Braidas Stopp-Action-Pulsen untermalt. Der Bassist spiele durchgehend im Andante-Tempo, während die anderen etwas schneller agieren. Legato-auf- und absteigende Basslinien bilden das Bindeglied zwischen den vorhergehenden Stücken und „Ricercar IV“. Kowalds Töne würden an die tiefen Klänge des Death Valley erinnern, während Locatellis Klarinette holzige Töne erzeuge.

Ihr Thema hätten die drei Musiker im Mittelblock der 16 Tracks verbalisiert: „ricerar“ – was mit „auf der Suche“ übersetzt wohl treffen würde, was das Trio umgetrieben hat, meint Frank Beyer in den Musenblättern. Etwas über eine spannende Stunde dieser Suche, die Kowald nicht habe vollenden können, sei hier aufgezeichnet. Improvisierte Musik – eindringlich, versunken, das Gefühl eines Weges vermittelnd. Die zusätzlichen Aufnahmen Braidas und Locatellis würden die kompakte Trio-Einspielung etwas strecken, wirkten zwar nicht störend, nähmen dem Gesamtprodukt aber ein wenig von seiner Authentizität.

Einzelnachweise

Kategorie:Album (Jazz) Kategorie:Album (Neue Improvisationsmusik) Kategorie:Album 2005 Kategorie:Peter Kowald