mini|Denkmal für Alfred Sisley (2017) Das Denkmal für Alfred Sisley () ist eine Statuengruppe in Moret-sur-Loing (Seine-et-Marne, Frankreich). Sie wurde von Eugène Thivier geschaffen und ist allegorisch gestaltet. Sie besteht aus einer Bronzebüste des französisch-britischen Malers Alfred Sisley auf einem Sockel, an welchem eine Steinskulptur einer jungen Frau angebracht ist, die das Loing-Tal symbolisiert.
Alfred Sisley, der 1899 in Moret-sur-Loing starb – der Region, in welcher er die letzten neunzehn Jahre seines Lebens verbrachte und etwa 550 Gemälde sowie einige Pastelle schuf –, war der erste Impressionist, welchem posthum ein Denkmal errichtet wurde. Bereits 1905 hatte ein Komitee in der Stadt die Planung dafür angestoßen. Diese Ehrung eines der Impressionisten sollte der wachsenden Begeisterung der Öffentlichkeit um 1900 gerecht werden und gleichzeitig die Unabhängigkeit dieser Maler, die sich lange gegen die offizielle Kunstszene (Art officiel) gestellt hatten, berücksichtigen. Man plante eine bescheidene Würdigung, die durch den provinziellen Charakter des gewählten Ortes gewährleistet war. Der amerikanische Bildhauer George Grey Barnard, der sein Atelier in Moret hatte, wurde im März 1905 vorgeschlagen.
Für die Errichtung des Denkmals wandte sich die Tochter des Malers, Jeanne Sisley, an Auguste Rodin, doch das Komitee beauftragte den Bildhauer Eugène Thivier mit der Anfertigung der Büste Sisleys und des Denkmals. Die Skulptur, ein weiblicher Akt, der 1908 im Salon des Artistes Français im Grand Palais ausgestellt wurde, ähnelt anderen Statuen Thiviers aus dem frühen 20. Jahrhundert.
Die Figurengruppe wurde unter der Leitung von Étienne Dujardin-Beaumetz am 15. Juli 1911 auf dem Champ de Mars am westlichen Ortseingang von Moret eingeweiht. Sie wurde durch eine öffentliche Spendenaktion des Sisley-Denkmalkomitees finanziert, dem auch Einwohner von Moret angehörten, unter maßgeblicher Beteiligung von Francis Picabia. Die Büste von Alfred Sisley auf dem Sockel blickt zum Fluss Loing. Pierre Sisley, das einzige anwesende Mitglied der Familie Sisley, dankte allen Spendern für ihren Beitrag zur Errichtung des Denkmals. 1994, im Zuge der kulturellen Neuausrichtung der Stadt hin zur Belle Époque und zum Impressionismus anstelle des Mittelalters, wurde das Denkmal auf den Place Samois vor dem Porte de Paris (Porte de Samois), in der Nähe der Touristeninformation und des Stadtmuseums von Moret, versetzt.
Standort mini|alt=Le Pont de Moret, 1888, Minneapolis Institute of Art. Ein Motiv, welches Sisley an der Brücke von Moret-sur-Loing gemalt hat. man erkennt mehrere Brückenbögen, ein mittelalterliches Stadttor und mehrere Gebäude, die in impressionistischen Stil unscharf dargestellt sind.|Alfred Sisley, Le Pont de Moret, 1888, Minneapolis Institute of Art. Das Motiv stammt vermutlich vom Place du Pont und wurde von Sisley gemalt. mini|alt=Moret-sur-Loing, 1904, Bild von Picabia.|Moret-sur-Loing, 1904, Darstellung von Picabia 1905 wurden Pläne für die Aufstellung des Denkmals auf dem Place du Pont, dem heutigen Place de la Division-Leclerc, entworfen, „der dem Künstler besonders am Herzen lag“ (qui était particulièrement affectionnée par l’artiste). Wie das Denkmal zu Ehren Boudins mit Blick auf den Hafen von Honfleur sollte auch Sisleys Büste einem Motiv gegenüberstehen, das er maßgeblich prägte und welches auch von seinen Nachfolgern, darunter Francis Picabia, aufgegriffen wurde. „Zwei Themen vereint: der Künstler und seine wunderbare Kulisse des Loing-Tals, dessen künstlerische und unvergleichliche Schönheit zahlreiche Künstler aus aller Welt anzieht“ (Deux sujets réunis, l’artiste et son cadre merveilleux de la Vallée du Loing dont les beautés artistiques et sans rivales lui attirent du monde entier une pléiade d’artistes). Diese beiden Themen spiegeln sich in der Komposition des Denkmals wider, die Sisleys Büste und die Allegorie des Loing vereint.
Ab 1907 verlegte der Gemeinderat das Denkmal aus dem Stadtzentrum an den Place du Champ-de-Mars (l’axe du port de Moret, entre la rivière du Loing et le kiosque de la fanfare) wo es 1911 eingeweiht wurde. 1994 wurde das Denkmal für Alfred Sisley vom Champ de Mars zum westlichen Stadteingang, zum Place Samois, vor das befestigte Tor von Samois, in der Nähe des Fremdenverkehrsamts und des Museums, verlegt.François Foronda: Retour à Moret. In: Les retours. Éditions de la Sorbonne 2019. doi = 10.4000/books.psorbonne.99352
Hintergrund mini|alt=Alfred Sisley und seine Tochter Jeanne auf der Fußgängerbrücke in Moret. Schwarz-weiß-Photo von 1898.|Alfred Sisley und seine Tochter Jeanne auf einer Fußgängerbrücke in Moret mini|alt=Ein Friedhof in Frankreich mit zahlreichen Kreuzen und Grabsteinen. Im Zentrum des Bildes steht ein großer Lebensbaum, welcher Das Grabmal von Alfred Sisley weitgehend verdeckt. Rechts davon befindet sich das Grabmal von Eliza Pratt Greatorex und ihren beiden Töchtern.|Das Grabmal von Alfred Sisley. Rechts davon befindet sich das Grabmal von Eliza Pratt Greatorex und ihren beiden Töchtern. Alfred Sisley (1839–1899), einer der Begründer des Impressionismus, ließ sich 1880 in Veneux-Nadon nieder und interessierte sich für die gesamte Region. Dies kann als Wendepunkt in der künstlerischen Laufbahn des Malers oder als Rückkehr zu seinen Wurzeln in der Gegend um den Wald von Fontainebleau gewertet werden.Sylvie Patin: Veneux-Nadon et Moret-sur-Loing: 1880–1899. Sisley: Royal Academy of Arts, Londres, 3 juillet-18 octobre 1992, Musée d'Orsay, Paris, 28 octobre 1992-31 janvier 1993, Walters Art Gallery, Baltimore, 14 mars-13 juin 1993. Réunion des musées nationaux. 1992, S. 191. Am 31. August 1881 pries Sisley gegenüber Claude Monet die Vorzüge der Gegend.:
Sisley ließ sich im September 1882 in Moret-sur-Loing nieder, dann im Oktober 1883 in zu Sablons, bevor er sich im November 1889 endgültig in Moret niederließ. Während seines 19-jährigen Aufenthalts in der Region schuf er ungefähr 550 Gemälde und einige Pastellbilder.Kathleen Adler: Les années de maturation. In: Mary-Anne Stevens, Alfred Sisley: Sisley l’impressionniste. Hazan Eds., 2017, ISBN 2-7541-0984-6, S. 141.
In einem Brief an Adolphe Tavernier von 1892 schrieb Sisley, dass er dort seine besten Werke geschaffen habe.
Sisley arbeitete zu jeder Jahreszeit im Freien und hielt seine Lieblingsansichten der Stadt und ihrer Umgebung fest. Viele seiner Gemälde zeigen den Bergfried, die Porte de Bourgogne, die Kirche, von welcher er eine ganze Serie schuf, die Brücke von Moret über den Loing sowie Flusslandschaften des nahegelegenen Saint-Mammès gewidmet, wo der Loing in die Seine mündet.
Ein Foto von Christophe Langlois aus dem Jahr 1897 oder 1898 zeigt Alfred Sisley mit einem viktorianischen Zylinder und seine Tochter Jeanne Sisley vor dem Hang von Saint-Nicaise, einem der Ausläufer der Montagne Creuse, auf einer hölzernen Fußgängerbrücke über die Orvanne bei Moret-sur-Loing.
Sisley starb mittellos am 29. Januar 1899 in Moret und wurde am 1. Februar begraben. Mit seiner vier Monate zuvor verstorbenen Frau Marie-Louise Adélaïde-Eugénie Sisley wurde er auf dem Friedhof der Stadt, unter einem Sandstein aus dem Wald von Fontainebleau, beigesetzt. Anwesend waren auch Claude Monet, Camille Pissarro und Auguste Renoir, die drei anderen Begründer des Impressionismus, sowie der Maler Jean-Charles Cazin, das Modell Alice Hoschedé und die Journalisten Adolphe Tavernier und Arsène Alexandre.Daniel Wildenstein: Claude Monet: Biographie et catalogue raisonné. vol. IV 1899–1926, Peintures. 1985 Archivlink Sein Grab befindet sich auf dem Familiengrab der Familie Greatorex, dreier befreundeter amerikanischer Malerinnen.Claude Sisley: The Ancestry of Alfred Sisley. In: The Burlington Magazine. vol. 91, no. 558, 1949, S. 248–252. jstor.org 870068 Das Grab von Eliza Pratt Greatorex und ihrer Töchter, Eleanor Greatorex und Kathleen Honora Greatorex liegt neben Sisleys Grab.
Geschichte mini|alt=Bildnis Alfred Sisley von Renoir im Kunsthaus Zürich, 1864.|Alfred Sisley von Auguste Renoir von 1864 im Kunsthaus Zürich Am 15. Juni 1905 kündigte eine Annonce des „Exekutivkomitees des Sisley-Denkmals“, eines Aussschuss’ der Société des Artistes Français, im Mercure de France an, dass im Namen der Stadt Moret-sur-Loing ein Kunst-Denkmal für Alfred Sisley errichtet werden solle. Étienne Dujardin-Beaumetz, der Staatssekretär für Schöne Künste, wurde zum Ehrenpräsidenten ernannt. Der Maler Antoine Guillemet und Senator Charles Prévet waren die beiden Ehrenvizepräsidenten, der Präsident des Komitees M. de Brequeville, Vizepräsidenten die Herren Barbey, Geoffroy, Bellier (Generalsekretär), Drège (stellvertretender Sekretär), Thoiré (Schatzmeister) und Meister Lalande, Notar in Moret (A. Bellier, Gründungspräsident der Société civile du Musée de la Vallée du Loing („Gesellschaft des Loing-Tals-Museums“), wurde später Schatzmeister des Komitees.) Weitere Mitglieder waren MM. Sauvé, Tolin, Turpin, Paupardin, Francis Picabia, Hœniger, Thiesson,vielleicht Gaston Thiesson. Berthier und Chesnoy.
Das Komitee äußerte, die Kinder Sisleys nähmen die Ehrung an und gewährten dem Komitee freie Hand bei der Durchführung seines Projekts. Die provinzielle Lage des Denkmals sollte eine Zeremonie gewährleisten, die – mit den Worten des Kunstkritikers Louis Vauxcelles –, „diskret“ und „bescheiden“ («discrète» que «modeste»)
Im März 1905 wurde der amerikanische Bildhauer George Grey Barnard, der sein Atelier in Moret hatte, für den Bau des Denkmals vorgeschlagen.
Jeanne Sisley, die Tochter des Malers, bat Auguste Rodin, eine Büste von Alfred Sisley anzufertigen, und übergab ihm zwei kurz vor dem Tod ihres Vaters aufgenommene Fotografien sowie ein altes, lebensechtes Porträt des Malers Auguste Renoir. Rodin nahm den Vorschlag an, doch das Komitee lehnte ihn ab und beauftragte stattdessen den Bildhauer Eugène Thivier, woraufhin Jeanne Sisley am 13. Juli 1905 ihre Unterstützung für das Denkmal zurückzog. 1907 verlegte der Stadtrat das Projekt vom Stadtzentrum in das Hafengebiet zwischen dem Fluss Loing und dem Musikpavillon. Nachdem Dujardin-Beaumetz sein Modell am 1. Mai 1908 genehmigt hatte, stellte Eugène Thivier ein Fragment seiner Skulptur für das Sisley-Denkmal im Salon des Artistes Français im Grand Palais aus.Société des artistes français: Catalogue illustré du Salon peinture et sculpture. Bibliothèque des annales, Ludovic Baschet, Paris 1908, S. 71. Archive.org
mini|alt=Altmodische Postkarte des Monument du Peintre Sisley.|Monument du Peintre Sisley. 1911. Postkarte von Louis Coffin