mini|Maso da San Friano: Doppelbildnis zweier Männer (Doppio ritratto maschile), 1556, Öl auf Holz, 115 × 90 cm, Museo e Real Bosco di Capodimonte, Neapel. Dargestellt sind wahrscheinlich Ottavio Farnese, Herzog von Parma und Piacenza, und der Militärarchitekt Francesco De Marchi Maso da San Friano (eigentlich Tommaso d’Antonio Manzuoli; * 4. November 1531 in Florenz; † vor dem 2. Oktober 1571 ebenda) war ein italienischer Maler und Zeichner der Florentiner Spätrenaissance und des Manierismus.

Leben Über die Ausbildung Masos berichten die frühen Biografen Giorgio Vasari und Raffaello Borghini. Demnach erlernte er die Malerei in den Werkstätten von Pier Francesco Foschi und Carlo Portelli. Stilistisch orientierte er sich vor allem an den Werken Andrea del Sartos und Jacopo Pontormos, die er vielfach kopierte. Daneben lassen sich in seinem Œuvre Einflüsse von Parmigianino, Francesco Salviati und Rosso Fiorentino nachweisen. Als frühestes signiertes und datiertes Werk Masos gilt ein Doppelporträt aus dem Jahr 1556, das mit dem Monogramm TO signiert ist (Neapel, Museo di Capodimonte). In die späten 1550er und frühen 1560er Jahre datiert eine Reihe von Tafelbildern, zu denen teilweise auch vorbereitende Studien erhalten sind, etwa zur Sacra Conversazione im Convento della Trinità in Cortona (Studie in den Uffizien in Florenz, Gabinetto dei Disegni e delle Stampe). Zu den Hauptwerken dieser Schaffensphase zählen eine Pietà (1557, ursprünglich für Santa Maria dei Candeli in Florenz, heute in der Sammlung Gismondi in Paris) und eine Heimsuchung (ursprünglich für San Pier Maggiore in Florenz, heute im Fitzwilliam Museum in Cambridge).

In den Jahren 1564 und 1565 war Maso als Mitglied der Accademia delle Arti del Disegno an den ephemeren Dekorationen zu Großfeierlichkeiten in Florenz beteiligt, darunter die Exequien für Michelangelo in San Lorenzo und die Festdekorationen zur Hochzeit von Francesco de’ Medici mit Johanna von Österreich. Im Jahr 1565 schuf Maso für die Kirche Santi Apostoli in Florenz erstmals eine Darstellung der Anbetung der Hirten. Dieses Motiv variierte er in der Folge mehrfach. Die bekannteste Fassung von 1570 befindet sich im Palmer Museum of Art in University Park (Pennsylvania) und diente auch als Vorlage für einen Kupferstich. Im Zuge der Neugestaltung der Kapellen der Florentiner Hauptkirchen nach dem Konzil von Trient (1545–1563), die unter der Leitung von Giorgio Vasari erfolgten, erhielt Maso den Auftrag für eine Altartafel der Familie Ottonelli in der Kirche Santa Maria del Carmine. Zahlreiche in den Uffizien erhaltene Studien dokumentieren seine intensive Entwurfsarbeit an einer Darstellung der Auferstehung Christi. Die Tafel selbst wurde jedoch nicht von Maso, sondern von Giovanni Battista Naldini vollendet und 1771 bei einem Brand zerstört.

Um 1570 lieferte Maso für das Studiolo des Francesco I. de’ Medici im Palazzo Vecchio die beiden kleinformatigen Tafeln Die Diamantenmine und Der Sturz des Ikarus (beide vor Ort erhalten). Deren Figurendarstellung weist Bezüge zum zeitgenössischen Prager Manierismus und zur Schule von Fontainebleau auf. Die zugehörigen vorbereitenden Zeichnungen orientieren sich demgegenüber deutlich an Florentiner Vorbildern. Mit dem Porträt des Francesco de’ Medici (wohl 1570, signiert T.O.S.F., Museo Civico, Prato) folgte Maso der Tradition der florentinischen Porträtmalerei des 16. Jahrhunderts.

Werk mini|Maso da San Friano: Heilige Familie mit der mystischen Vermählung der heiligen Katharina (Holy Family with the Mystic Marriage of Saint Catherine), um 1560, Öl auf Holz, 148 × 103 cm, Cleveland Museum of Art, Cleveland Maso da San Friano variierte seinen Stil offenbar bewusst je nach Thema und Auftraggeber. Dabei übernahm er häufig einzelne Figuren oder Stilelemente aus Werken anderer Künstler und integrierte sie in neu komponierte Bilder. Werke Masos befinden sich unter anderem in folgenden Sammlungen:

Paris, Louvre Neapel, Museo di Capodimonte Oxford, Ashmolean Museum Cambridge, Fitzwilliam Museum Florenz, Museo di San Marco (Trinität mit Heiligen, nach Thieme-Becker) Florenz, Palazzo Vecchio, Studiolo des Francesco I. de’ Medici (Diamantengrube, Dädalus und Ikarus) Florenz, Ognissanti (Himmelfahrt Mariens, nach Thieme-Becker) Florenz, Santissima Trinità (Geburt Christi, nach Thieme-Becker) Volterra, Pinacoteca Comunale (Passionsszenen, Ovalbilder, nach Thieme-Becker) University Park (Pennsylvania), Palmer Museum of Art (Anbetung der Hirten, 1570) Prado, Museo Civico (Porträt des Francesco de’ Medici, wohl 1570)

Literatur Helen Barr: Maso da San Friano. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. Band 87, De Gruyter, Berlin/Boston 2015, S. 469.

Louis A. Waldman: Patronage, Lineage, and Self-Promotion in Maso da San Friano's Naples Double Portrait. In: I Tatti Studies in the Italian Renaissance. Band 10, 2005, S. 149–172. Peter Cannon Brookes: Three Notes on Maso da San Friano. In: The Burlington Magazine. Band 107, Nr. 745, 1965, S. 192–197. Peter Cannon Brookes: The Portraits of Maso da San Friano. In: The Burlington Magazine. Band 108, Nr. 764, 1966, S. 560–568. Sydney J. Freedberg: Painting in Italy, 1500–1600. Harmondsworth: Penguin Books, 1971. Valentino Pace: Maso da San Friano. In: Bollettino d'Arte. Serie V, Band 61, 1976, H. 1–2, S. 74–99. Alessandro Cecchi: An unpublished drawing by Maso da San Friano for the Cava dei diamanti in the studiolo in the Palazzo Vecchio. In: The Burlington Magazine. Band 121, Nr. 912, 1979, S. 173–175. Luciano Berti: Nota a Maso da San Friano. In: Scritti di storia dell'arte in onore di Mario Salmi. Band 3, Rom 1963, S. 77–88.

Weblinks

Holy Family with the Mystic Marriage of Saint Catherine c. 1560

Einzelnachweise

Kategorie:Maler der italienischen Renaissance Kategorie:Maler (Florenz) Kategorie:Zeichner (Italien) Kategorie:Historische Person (Italien) Kategorie:Geboren 1531 Kategorie:Gestorben 1571 Kategorie:Mann