Die Fischerei auf dem Gebiet des heutigen Kasachstans konzentriert sich hauptsächlich auf den Aralsee, den Balchaschsee und das Kaspische Meer.
Erste Aufzeichnungen Fischerei als ökonomischer Sektor auf dem Gebiet des heutigen Kasachstans, wurde erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begriffen. Zu den frühsten Dokumentationen gehören die Ural-Kosaken, welche am Ural, im heute westlichen Teil Kasachstans, organisierten Fischfang betrieben, darunter hauptsächlich Stör. Diese Ural-Kosaken wurden schließlich in den 1870er Jahren an den Aralsee zwangsumgesiedelt um eben jenen in den Markt des Zarenreiches zu integrieren. Um Konflikte zwischen Siedlern und Einheimischen zu vermeiden fing die zaristische Verwaltung zur ungefähr selben Zeit an die Fischerei zu regulieren.
Fischerei im sowjetischen Kasachstan In der Sowjetunion wurden alle privaten Fischereibetrieben verstaatlicht. Kasachischer Fisch machte nicht nur einen signifikanten Anteil der in der UdSSR konsumierten Proteine aus, sondern schaffte Arbeitsplätze und wirtschaftliche Möglichkeiten in Gebieten die sonst kaum wirtschaftliche Sektoren aufweisen können. Dem Fischfang in offenen Gewässern wurden ab den 1930er Jahren, Aquakulturen hinzugefügt. Diese dienten dazu die Produktion an Fisch für den Konsum zu steigern und Jungfische zur Aussetzung in freien Gewässern zu züchten. Darunter zählten auch exotische Fischarten die als wirtschaftlich ertragreicher galten als einheimische, was die Ökosysteme der kasachische Gewässer nachhaltig änderte. In Kasachstan wurde die erster dieser Aquakulturen 1937 eröffnet. Diese frühen Projekte waren jedoch kaum signifikant. Eine deutliche Produktivität dieser Aquakulturen entstand erst in den 1970er Jahren.
Mit der menschengemachten ökologischen Katastrophe rund um den Aralsee, welche durch das abzweigen von Wasserzulauf in den Aralsee für landwirtschaftliche Zwecke, ausgelöst wurde, verlor der Aralsee rund 70% seiner ursprünglichen Wasseroberfläche. Dieser Rückgang an Wasser sorgte dafür, dass die kommerzielle Fischerei am Aralsee, bis 1983, effektiv aufgegeben wurde. Der Balkhash-See wurde zum Opfer der selben infrastrukturellen Transformation und erlitt deutlich weniger Schaden als der Aralsee. Die Fischerei büßte jedoch auch dort einen merklichen Rückgang an Erträgen ein.
Fischerei im postsowjetischen Kasachstan Mit der Unabhängigkeit Kasachstans kollabierte die Fischereiindustrie zunehmend und geriet in politische und wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit. Bis in das Jahr 1998 nahm die Menge an gefangenem Fisch in den offenen Gewässern um 2/3 ab. Für Aquakulturen war die Situation noch drastischer. Diese waren bereits zu Zeiten der UdSSR ineffektiv und stark abhängig von staatlichen Subventionen. Dies führte dazu, dass die meisten kommerziellen Fischfarmen ihre Produktion bis in die Mitte der 90er Jahre vollkommen einstellten.
Zeitgenössische Entwicklungen Die Wasserverschmutzung des Kaspischen Meeres sorgt dafür, dass ein signifikanter Anteil der dort gefangenen Fische nicht exportiert werden kann, da diese zu stark mit Schwermetallen belastet sind. Der illegale Fischfang stellt ebenfalls ein Problem dar und wird auf 2-10 mal so hoch eingeschätzt wie der offiziell genehmigte Fischfang. Erträge durch Aquakulturen sind nach wie vor kaum von Bedeutung. Jedoch stehen Vorstellungen im Raum, die Produktion von Fisch in den nächsten zwei Jahrzehnten erheblich zu steigern. Staatliche Anreize und neue Gesetze sollen den Fischereisektor in Zukunft attraktiver gestalten. Im Aralsee kann seit 2006 wieder Fischfang betrieben werden, auch wenn die Biodiversität nicht mehr so hoch ist wie sie einst war. Dazu ist die private Fischerei deutlich angestiegen und übertraf die Fangmengen der kommerziellen Fischerei im Jahr 2006 und 2007.
Einzelnachweise
Kategorie:Fischerei Kategorie:Wirtschaft (Kasachstan)