Augusto Bianchi (* 1841; † 1886) war ein Schweizer Bildhauer.
Leben und Wirken Augusto Bianchi stammte aus dem Mendrisiotto im Kanton Tessin. Er wurde bei dem Bildhauer Vincenzo Vela ausgebildet und liess sich in Chur im Kanton Graubünden nieder, wo er eine Bildhauerwerkstatt betrieb und mehrere, heute noch erhaltene Werke schuf. mini|Bourbaki-Denkmal auf dem Hoffriedhof in Chur: Über einem gefallenen französischen Soldaten steht ein Engel mit einem Palmzweig als Symbol des Friedens und des Gedenkens. Über Bianchis Zeit im Tessin ist wenig bekannt. Ab den frühen 1870er-Jahren lässt sich sein Wirken in Graubünden jedoch anhand mehrerer Arbeiten nachweisen. Bereits 1871 war seine Churer Werkstatt an der Ausführung eines Grabdenkmals der in Chur verstorbenen Internierten der Bourbaki-Armee auf dem Hoffriedhof beteiligt. Die Schweiz nahm Anfang Februar 1871 rund 87 000 Soldaten der geschlagenen französischen Ostarmee auf und internierte sie in nahezu allen Kantonen (siehe Bourbaki-Panorama). Der Entwurf des Churer Bourbaki-Denkmals stammte von Albert Friedrich Kaselitz (1821–1884), die Zeichnung für das Relief mit einem gefallenen Soldaten und einem Engel fertigte der Maler und Lithograph Karl Heinrich Gernler (1811–1880) an. Das ausgeführte Relief ist mit «Aug. Bianchi/Chur» signiert.
1874 schuf Bianchi aus Splügner Marmor das Vazerol-Denkmal. Der Obelisk wurde 1881 auf dem Regierungsplatz in Chur aufgestellt, wo er mit dem Neuen Gebäu ein Ensemble bildet. Das Denkmal erinnert an die im 19. Jahrhundert angenommene Vereinigung der Drei Bünde bei Vazerol im Jahr 1471. Mit der Wahl der Obeliskenform griff Bianchi auf ein Motiv ägyptischen Ursprungs zurück. Ein vergleichbares orientalisierendes Motiv begegnet auch in den beiden Sphingen aus Sandstein an der Gartentreppe der Villa Planta in Chur. Sie entstanden vermutlich gegen Ende der Bauzeit der Villa 1874–1876. Die südliche der beiden Skulpturen trägt die Signatur «Aug. Bianchi». Der Kunsthistoriker Leza Dosch wertete die beiden Figuren als Beleg dafür, dass Bianchi auch als Schöpfer von Freiplastiken hervortrat. mini|Vazerol-Denkmal auf dem Regierungsplatz mit dem «Neuen Gebäu» im Hintergrund. Das Stadtpalais dient als Sitz der Bündner Regierung. 1879 schuf Bianchi die Wettersäule vor dem 1877/1878 errichteten Staatsgebäude in Chur. Das Werk ist latinisiert mit «Augvst Bianchi fec. 1879» signiert (fecit «hat es gemacht/geschaffen») und ist eine von zwei noch existierenden Wettersäulen im Stadtgebiet.Leza Dosch: Die Wettersäule vor dem Staatsgebäude in Chur. Bericht zur Geschichte und zur kunstgeschichtlichen Bedeutung. Im Auftrag des Hochbauamtes des Kantons Graubünden, Chur 2005, 15 S.
Über die letzten Lebensjahre Augusto Bianchis ist vergleichsweise wenig bekannt. Belegt ist, dass in den 1880er-Jahren in Chur ein ausgeprägtes Bildhauermilieu um die Werkstätten der Familie Bianchi existierte. Der damalige Kantonsschüler und spätere Maler Giovanni Giacometti (1884–1886) hielt sich zwischen 1884 und 1886 regelmässig bei den jungen Bildhauern auf, die im Atelier Bianchi arbeiteten. Zu ihnen gehörte Aristide Vela, ein Neffe des Bildhauers Vincenzo Vela. Die Kunsthistorikerin Viola Radlach bezeichnete das Bildhaueratelier, das damals von Giovanni Bianchi (1851–1916) geleitet wurde, als ein künstlerisches Milieu, zu dem sich der junge Giacometti hingezogen fühlte. Während dieser Zeit reifte sein Entschluss, Künstler zu werden; 1886 verliess er Chur und begann seine Ausbildung an der Königlichen Kunstgewerbeschule München.
Werke
1871: Bourbaki-Grabdenkmal für die verstorbenen Internierten der Armée de l’Est, Chur 1874: Vazerol-Denkmal aus Splügner Marmor, seit 1881 auf dem Regierungsplatz, Chur um 1874–1876: zwei Sphingen aus Sandstein an der Villa Planta, Chur 1879: Wettersäule vor dem Staatsgebäude, Chur
Nachwirkung Die Bildhauertradition wurde in der Familie Bianchi über vier Generationen fortgeführt. 2011 restaurierte der Churer Bildhauermeister Andrea Bianchi das 140 Jahre zuvor von Augusto Bianchi ausgeführte Grabdenkmal der französischen Internierten. Andrea Bianchi übergab die Firma 2022, die immer noch seinen Familiennamen trägt, seinen Mitarbeitern.
Der Nachlass der Bildhauerwerkstätte Bianchi befindet sich heute im Stadtarchiv Chur.Stadtarchiv Chur: Nachlässe und Deposita Stadtarchiv Chur. Stand März 2023, S. 1, Eintrag «Bildhauerwerkstätte Bianchi», Signatur N 254. PDF
Literatur
Leza Dosch: Die Wettersäule vor dem Staatsgebäude in Chur. Bericht zur Geschichte und zur kunstgeschichtlichen Bedeutung. Im Auftrag des Hochbauamtes des Kantons Graubünden, Chur 2005, 15 S., Ill. Signatur KBG Ufu 1656.
Einzelnachweise
Kategorie:Bildhauer (Schweiz) Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1841 Kategorie:Gestorben 1886 Kategorie:Mann