Die Alte Mühle (auch Mühle L. Behrns, Behrns Mühle, Behrnsche Mühle oder VEB Kraftfuttermischwerk) in Fürstenberg/Havel ist ein historisches Mühlen-Bauwerk aus dem beginnenden 20. Jahrhundert. Nach Erweiterungsbauten und mehrfachen Umnutzungen steht der Gebäudekomplex unter Denkmalschutz, allerdings steht er seit den 2010er Jahren leer. Eine neue Verwendung als Wohn-, Gewerbe- und Kulturplatz zeichnet sich seit Ende 2025 ab. Der gesamte Komplex wird schrittweise zur Havelfabrik umgewandelt.
Lage Der Mühlenkomplex befindet sich am südlichen Rand der Stadt Fürstenberg, er hat die Adresse Schützenstraße 9. Östlich verlaufen die Eisenbahngleise, etwa 100 Meter südwestlich liegt das Ufer des Röblinsees.
Geschichte und Kurzbeschreibung 19. Jahrhundert bis Mai 1945 Bereits vor und im 19. Jahrhundert gab es in Fürstenberg mehrere Getreidemühlen. Eine von ihnen, in der Bahnhofstraße gelegen, wurde von Ludwig Behrns ab dem Jahr 1876 betrieben, er gab ihr den Familiennamen Behrns Mühle. Nach seinem Tod 1904 erbte Sohn Willy Behrns die Anlage und betrieb sie erfolgreich weiter. Im Jahr 1911 vernichtete ein Brand die Mühle und Willy kümmerte sich um einen Neubau an anderer Stelle. Er hatte rund 10.000 Quadratmeter Bauland zwischen den Bahngleisen und dem nahen Röblinsee erworben und ließ hier bis 1912 eine neue dampfbetriebene Mehl-Mühle errichten, die nach damaligen Maßstäben die neueste Technik nutzte. So konnte er bald wieder das Mehl in unterschiedlicher Qualität mahlen und an die zahlreichen Bäckereien im Ort, auch im größeren Umkreis und bis in andere deutsche Städte liefern. Die Behrnsche Mühle entwickelte sich zu einem der größten Mehlproduzenten in Norddeutschland. – Mit dem Einmarsch der Roten Armee am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktion eingestellt.
Juni 1945 bis 1989 Nach dem Krieg wurde Familie Behrns offiziell enteignet, die Mühle gelangte damit in die Verwaltung der Stadt Fürstenberg. Weil Mehl nun aber Mangelware war, setzten die Stadtangestellten die Mühlentechnik wieder in Gang. Unter dem neuen Namen VEB Mühlwerke Fürstenberg stellte eine kleine Belegschaft wieder Mehl her und belieferte die Großhändler und Geschäfte.
In den 1950er Jahren begann eine vermehrte Tierhaltung in der Umgebung der Stadt und die Viehbauern brauchten zusätzlich zum eigenen Grünfutter auch Kraftfutter. Die Verwaltung der Mühle stellte die Produktion ab 1957 zu einem Kraftfutter-Mahl- und Mischwerk (VEB Kraftfuttermischwerk; KFM) um. Die neu gebildeten LPGen waren nun die Hauptabnehmer. In guten Zeiten waren in dem Kraftfutterwerk rund 120 Personen beschäftigt.
Der Gebäudekomplex umfasst Lagerräume, riesige Getreidesilos, Verwaltungsetagen, Transportanlagen und überdachte Übergängen. Es gab einen Eisenbahnanschluss und einen Hafen für den Wassertransport.
Nachnutzungsprojekte gesucht mini|Ruine des Kraftfuttermischwerks anno 2023 Nach der Wende lösten sich die meisten LPGen auf oder wurden privatisiert, die Abnehmer verschwanden gewissermaßen. Zudem traten jetzt Konkurrenten aus dem Westen Deutschlands auf den Markt. Das kurzfristig von einem Investor übernommene Kraftfutterwerk, nun unter Mischfutterwerk Fürstenberg firmierendFoto eines Kontoauszuges vom 4. März 1992, abgerufen am 8. März 2026., verzeichnete dadurch einen wirtschaftlichen Zusammenbruch und wurde schließlich 1992 aufgegeben. Der funktionierende Maschinenpark wurde verkauft. In der Folge eroberte sich die Natur stückweise Terrain zurück, Neugierige und Streetart-Künstler fanden gelegentlich auch den Weg in die eingezäunte Anlage.
Nach langem Leerstand und langer Suche fand sich im Jahr 2015 ein Käufer, der das Gebäudeensemble unter dem Marketingnamen Hafencity zu Wohnungen umbauen und erweitern lassen wollte. Als sich jedoch rund fünf Jahre nichts tat, trat ein neuer Interessent auf den Markt.
Perspektive: Havelfabrik Frank Sippel erwarb mit seiner Firma Real Future GmbH die Immobilie von der Stadtverwaltung und entwickelte für die „schöne Ruine im Dornröschenschlaf“ das vorherige Projekt weiter, das nun die Bezeichnung Havelfabrik erhielt. Gebäude für’s Mehrgenerationenwohnen, Gewerbeeinheiten, Co-Living und für Familien, vor allem als Erstwohnsitze sollen hergerichtet werden. Zudem soll eine Pension eingerichtet und Gastronomie angesiedelt werden. Ein eigener Hafenbereich (eine Marina), eine Brauerei sowie Wellness- und Spa-Angebote sollen ab 2027 in den zu restaurierenden Gebäuden, teilweise auch zusätzlich, gebaut werden. Das Kernstück, die Alte Mühle, soll wieder hergestellt werden und könnte touristisch genutzt werden.
Ein Mobilitäts-Hub soll den Verkehr im Quartier umweltfreundlich regeln.
Nach den umfassenden Vorbereitungen, Untersuchungen zur Standsicherheit der historischen Mühle und der frühzeitigen Bürgerbeteiligung für den Bebauungsplan Nr. 17 Ehemaliges Kraftfuttermischwerk – Quartier Havelfabrik befindet sich das Projekt Ende August 2026 in der finalen Vorbereitungs- und beginnenden Umsetzungsphase.
Ansichten aus dem Jahr 2023
Weblinks Mehr als 10 Fotos des verlassenen Geländes und seiner Bauten, zirka 2020, pixelgranaten.de. Lost Places – Behrnsche Mühle; Staffel 1, hrsgg. rbb24. Beschreibung eines Mehlsackanhängers der Behrnschen Mühle. Beschreibung eines weiteren Mehlsackanhängers mit einem patentierten Mehlnamen (Silberquell) und der Info, dass das Mehl nach Freiberg/Sachsen geliefert wurde. Behrnsche Mühle auf einer russischen Instagram-Seite, 1 Foto, Text veraltet. Projekt Havelfabrik.
Einzelnachweise
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