Angereichertes Lernen (engl. enriched learning) bezeichnet die Anreicherung von Lernprozessen durch die Einbindung zusätzlicher Informationen aus anderen Sinnesmodalitäten (engl. multimodal enrichment). Dabei wird zwischen multisensorischer und sensomotorischer Anreicherung unterschieden.
Multisensorische und sensomotorische Anreicherung
Multisensorische Anreicherung Man spricht von multisensorischer Anreicherung (engl. multisensory enrichment), wenn der Lernprozess durch sensorische Informationen aus mehreren verschiedenen Sinnesmodalitäten angereichert wird. Beispielsweise können Vokabeln einer Fremdsprache besser erinnert werden, wenn sie beim Lernen mit entsprechenden Bildern verknüpft werden.
Sensomotorische Anreicherung Wenn motorische Informationen in den Lernprozess integriert werden, spricht man von sensomotorischer Anreicherung (engl. sensorimotor enrichment). Zum Beispiel wird die Erinnerungsleistung an Vokabeln einer Fremdsprache erhöht, wenn sie beim Lernen handschriftlich notiert werden.
Kongruenz Ob und inwiefern die Integration zusätzlicher Modalitäten für den Lernerfolg von Vorteil ist, hängt davon ab, wie hoch die Kongruenz (Übereinstimmung) der entsprechenden Modalitäten ist. Eine Kongruenz kann entweder auf der Ebene der Wahrnehmung oder der Bedeutung gegeben sein.
Crossmodale, supramodale und unimodale Theorien mini|Eine illustrative Darstellung von Erklärungsmodellen für angereichertes Lernen. (A) Als Beispiel ist hier das Lernen von Vogelgesang dargestellt. Beim angereicherten ('enriched') Lernen wird zusätzlich ein Bild der Vogelart gezeigt. (B) Angereichertes Lernen führt häufig zu besseren Erkennungsleistungen (z.B. vom Vogelgesang). Dies wird als Anreicherungsvorteil (engl. enrichment benefit) bezeichnet. (C/D) Es gibt kognitive und neuronale Theorien, die den enrichment benefit erklären.
Crossmodale Verarbeitung (links): der auditive Stimulus löst Aktivität in auditorischen (rot) und visuellen (blau) Gehirnregionen aus, die miteinander interagieren (Pfeile).
Supramodale Verarbeitung (mittig): der auditive Stimulus löst Aktivität in auditorischen Gehirnregionen (rot) und audiovisuellen Konvergenzzonen (schwarz) aus.
Unimodale Verarbeitung (rechts): der auditive Stimulus löst Aktivität in auditorischen Gehirnregionen (rot) aus. Es gibt verschiedene theoretische Ansätze zur Erklärung der Vorteile des angereicherten Lernens. Die verschiedenen Theorien gehen von unterschiedlichen neuronalen Mechanismen des angereicherten Lernens aus.
Man unterscheidet crossmodale, supramodale und unimodale Theorien. Die crossmodalen und supramodalen Theorien werden auch zusammen als multimodale Theorien bezeichnet.
Crossmodale Theorien Die erste mögliche Erklärung für die Vorteile angereicherten Lernens sind crossmodale Mechanismen. Ein crossmodaler Mechanismus beinhaltet, dass die bessere Lernleistung dadurch zustande kommt, dass ein Reiz einer bestimmten Modalität eine Reaktion in Gehirnregionen, die für Reize aus anderen Modalitäten empfindlich sind, auslöst. Zusätzlich entstehen funktionelle Verbindungen zwischen den beiden Gehirnarealen.
Zum Beispiel kann ein auditiver Reiz (z. B. Vogelgesang), der zuvor in Verbindung mit einem visuellen Reiz (z. B. Bild der Vogelart) gelernt wurde, bei erneutem Auftreten nicht nur Aktivität in auditorischen, sondern auch crossmodal in visuellen Gehirnregionen auslösen und zu Interaktionen zwischen diesen Gehirnregionen führen. Ein weiteres Beispiel ist der sogenannte "Face-Benefit", bei dem visuelle Areale auf Stimmen, die zuvor in Verbindung mit einem Gesicht gelernt wurden, reagieren und mit aktiven auditorischen Arealen interagieren.
Supramodale Theorien Die zweite mögliche Erklärung multimodaler Theorien sind supramodale Mechanismen. Dabei wird davon ausgegangen, dass Stimuli, die mit verschiedenen Modalitäten angereichert gelernt wurden, von sogenannten „Konvergenzzonen“ (engl. convergence zones) verarbeitet werden. Konvergenzzonen sind Gehirnregionen, die Informationen von mehreren sensorischen Gehirnarealen empfangen und in einer supramodalen Repräsentation des angereichert gelernten Stimulus integrieren.
Zum Beispiel wird ein auditiver Reiz (z. B. Vogelgesang), der während des Lernens mit einem visuellen Reiz (z. B. Bild der Vogelart) gekoppelt auftrat, in audiovisuellen Konvergenzzonen, die Informationen aus auditorischen und visuellen Gehirnarealen empfangen, verarbeitet und repräsentiert.
Unimodale Theorien Unimodale Theorien vertreten den Ansatz, dass unimodale bzw. generelle kognitive Mechanismen, wie eine gesteigerte Aufmerksamkeit oder eine „tiefere“ Verarbeitung (z. B. der Bedeutung des Stimulus) beim angereicherten Lernen, zu robusteren Repräsentationen und empfindlicheren unimodalen Reaktionen im Gehirn führen.
Zum Beispiel löst ein auditiver Reiz (z. B. Vogelgesang), der zuvor visuell (z. B. Bild der Vogelart) angereichert gelernt wurde, nachfolgend eine stärkere Aktivität in auditorischen Gehirnregionen aus.
Quellen und Belege
Kategorie:Lernen