Das sehr seltene Mineral Burtit ist ein Calcium-Zinn-Hydroxid aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ und hat die idealisierte chemischen Zusammensetzung CaSn(OH)6. Strukturell gesehen ist Burtit ein nicht stöchiometrischer Doppelperowskit aus der Perowskit-Supergruppe.
Burtit kristallisiert mit trigonaler Symmetrie und bildet farblose oktaederförmige Kristalle von bis zu 2 mm Größe, die durch Umwandlung zu Varlamoffit gelb erscheinen können.
Die Typlokalität ist ein Zinn-Skarn im Wadi Beht bei El Hammam in der Präfektur Meknès, Region Fès-Meknès in Marokko.
Etymologie und Geschichte Lange bevor CaSn(OH)6 in der Natur beschrieben wurde, wurde die Verbindung von verschiedenen Arbeitsgruppen synthetisiert und intensiv untersucht. Ausgehend von der Entdeckung des Minerals Stottit (FeGe(OH)6) publizierten im Jahr 1960 Hugo Strunz und B. Contag am Institut für Mineralogie der Technischen Universität Berlin systematische Untersuchungen verschiedener Hexahydroxostannate des gleichen Verbindungstyps.
An der Universität Grenoble synthetisierte Claudine Cohen-Addad erneut die Verbindungen CaSn(OH)6 und ZnSn(OH)6, führte detaillierte Strukturuntersuchungen mit Röntgen- und Neutronenbeugung durch und lokalisierte als erste die Wasserstoffpositionen in der Struktur.
A. Nørlund Christensen und R. G. Hazell von der Universität Aarhus in Dänemark synthetisierten 1969 ebenfalls verschiedene Hexahydroxostannate, führten genauere Strukturuntersuchungen durch und bestimmten die korrekte kubische Symmetrie der Kristalle.
1978 publizierte der Professor für Mineralogie und Lagerstättenkunde Donald. M. Burt von der Arizona State University seine Untersuchungen natürlicher Zinn Silikat-Borat-Oxid-Mineralvergesellschaftungen in Skarnen und Greisen. Darin postulierte er auch einen beschränkten Stabilitätsbereich für CaSn(OH)6 bei niedrigen Temperaturen und geringen CO2-Gehalten.
Als Philippe M. Sonnet von der Katholieke Universiteit Leuven in Belgien 3 Jahre später ein natürliches Vorkommen von Calcium-Hexahydroxostannat in einem Zinn-Skarn in Marokko beschrieb, dass genau unter diesen Bedingungen gebildet wurde, benannte er das neue Mineral Burtit nach Donald M. Burt.
Klassifikation Die strukturelle Klassifikation der International Mineralogical Association (IMA) zählt den Burtit zur Gruppe der nicht stöchiometrischen Doppelperowskite mit unbesetzter A-Position in der Perowskit-Supergruppe. Hier bildet er zusammen mit Burtit, Jeanbandyit, Mushistonit, Nancyrossit, Natanit, Schoenfliesit, Vismirnovit und Wickmanit die Schoenfliesit-Untergruppe.
Da Burtit erst 1980 als neues Mineral anerkannt worden ist, ist es in der letztmalig 1977 überarbeiteten Systematik der Minerale nach Strunz (8. Auflage) noch nicht verzeichnet.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer IV/F.16-020. Dies entspricht der neu definierten Abteilung „Hydroxide und oxidische Hydrate (wasserhaltige Oxide mit Schichtstruktur)“, wo Burtit zusammen mit Mushistonit, Natanit, Schoenfliesit, Vismirnovit und Wickmanit die „Schoenfliesitgruppe“ mit der Systemnummer IV/F.16 bildet.
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Burtit in die Abteilung „Hydroxide (ohne V oder U)“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit von OH und/oder H2O sowie der Kristallstruktur. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung „Hydroxide mit OH, ohne H2O; eckenverknüpfte Oktaeder“ zu finden, wo es zusammen mit Mushistonit, Natanit, Schoenfliesit, Vismirnovit und Wickmanit die „Schoenfliesitgruppe“ mit der Systemnummer 4.FC.10 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Burtit die System- und Mineralnummer 06.03.06.05. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung der „Hydroxide und hydroxyhaltige Oxide“. Hier ist er zusammen mit Mushistonit, Natanit, Schoenfliesit, Vismirnovit und Wickmanit in der „Wickmanitgruppe“ mit der Systemnummer 06.03.06 zu finden.
Chemismus Burtit ist das Calzium-Analog von Schoenfliesit und hat die Endgliedzusammensetzung ☐2Ca2+Sn4+(OH)6, worin ☐ für eine Leerstelle auf der A-Position steht.
Der Burtit aus der Typlokalität ist sehr rein und hat die empirische Zusammensetzung (Ca0,982Mg0,020)Sn0,999(OH)6.
Kristallstruktur Röntgenstrukturanalysen ergeben für Burtit durchweg kubische Symmetrie der und Gitterparametern zwischen a=8,1221(3) Å und a=8,150(2)Å) sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.
An den natürlichen Kristallen beobachtete Philippe M. Sonnet eine schwache Doppelbrechung sowie optisch einachsiges Verhalten mit der optischen Achse parallel zur 3-zähligen Achse. Daraus schloss er auf eine trigonale Symmetrie der mit der rhomboedrischen Gitterkonstanten a=1,128 Å bzw. a=11,49 Å und c=14,08 Å für die hexagonale Elementarzelle.
Burtit hat die Struktur von Perowskit. Die von 12 Hydroxid-Ionen kuboktaedrisch umgebene A-Position ist unbesetzt. Die 6-fach koordinierte, oktaedrische B-Position ist in 2 Positionen aufgespalten, die von Calcium (Ca2+) und Zinn (Sn4+) besetzt sind.
Bildung und Fundorte Burtit ist nur bei niedrigen Temperaturen unter ca. 300 °C in nahezu CO2-freier Umgebung stabil und ist eine späte hydrothermale Bildung, z. B. in Zinn-führenden Skarnen.
Bisher (Stand 2026) ist Burtit an drei Fundorten dokumentiert werden. Seine Typlokalität ist ein Zinn-Skarn im Wadi Beht bei El Hammam in der Präfektur Meknès, Region Fès-Meknès in Marokko. Burtit tritt hier als späte hydrothermale Bildung in Hohlräumen eines Granatgesteins (Granatit aus zinnhaltigen Andradit) auf und wird begleitet von Wickmanit (MnSn(OH)6), Stokesit (CaSnSi3O9·2H2O), Datolith (CaBSiO4(OH)), Pektolith (NaCa2Si3O8(OH)) und Fluorapophyllit-(K) (KCa4Si8O20(F,OH)·8H2O) und ist überkrustet von sekundär gebildeten, gelben Varlamoffit (Sn1-xFexO2-x(OH)).
Siehe auch Liste der Minerale
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise Fundortliste für Burtit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 4. September 2026.
Kategorie:Anerkanntes Mineral Kategorie:Kubisches Kristallsystem Kategorie:Oxide und Hydroxide Kategorie:Calciummineral Kategorie:Zinnmineral Kategorie:Sauerstoffmineral Kategorie:Wasserstoffmineral