__NOTOC__ Lucius Pupius Praesens (vollständige Namensform Lucius Pupius Luci filius Sabatina Praesens) war ein im 1. Jahrhundert n. Chr. lebender Angehöriger des römischen Ritterstandes (Eques). Durch Inschriften sind einzelne Stationen seiner Laufbahn bekannt.

Inschriften aus Kleinasien Durch eine Inschrift, die in Konya gefunden wurde, sind folgende Stationen der Laufbahn von Pupius Praesens bekannt. Er übte zunächst zwei militärische Positionen (in dieser Reihenfolge) aus: Tribunus militum (χειλίαρχον) in einer Legion, deren Name nicht angegeben ist und danach Kommandeur (Praefectus equitum) der Ala Picentiana (ἔπαρχον ἱππέων ἄλης Πεικεντεινῆς). Danach trat er in die zivile Verwaltung ein und wurde beauftragt, als Vertreter des Kaisers bei den curatores alvei Tiberis den Zustand der Uferbefestigungen am Tiber zu überwachen (ἐπίτροπον Καίσαρος προς ὄχθαις Τιβέρεως).

Als einziges weiteres Amt ist in der Inschrift aus Konya noch angegeben, dass Pupius Praesens Procurator in Galatia unter Claudius (41–54) und Nero (54–68) war (ἐπίτροπον Τιβερίου Κλαυδίου Καίσαρος Σεβαστοῦ Γερμανικοῦ καὶ Νέρωνος Κλαυδίου Καίσαρος Σεβαστοῦ Γερμανικοῦ Γαλατικῆς); sonstige Ämter, die er möglicherweise zwischen diesen beiden Positionen ausgeübt hatte, sind nicht aufgeführt. Er ist als Procurator unter Nero noch durch weitere Inschriften belegt: durch eine Inschrift die in Sagalassos gefunden wurde sowie durch Inschriften auf mindestens sieben Grenzsteinen, durch die die Grenze zwischen Sagalassos und Tymbrianassos festlegt wurde.

In einer weiteren Inschrift, die in Perge gefunden wurde, sind die Stationen seiner Laufbahn wie folgt angegeben: Tribunus militum, Kommandeur der Ala Picentiana und Procurator in der Provinz Galatia et Pamphylia. Danach ist als letzte Position noch a loricata angeführt; mit dieser Bezeichnung ist vermutlich ein Verwalter kaiserlicher Kassen gemeint. Die Inschrift wurde ihm zu Ehren von Tiberius Claudius Plocamus, einem kaiserlichen Freigelassenen, für seinen Freund errichtet.

Pupius Praesens war in der Tribus Sabatina eingeschrieben und stammte aus Italien.

Inschrift aus Leon Eine unvollständig erhaltene Inschrift, die in León gefunden wurde, wurde laut Ségolène Demougin von Alfred von Domaszewski dahingehend ergänzt, dass sich die Inschrift auf Pupius Praesens bezieht; Géza Alföldy nahm danach weitere Ergänzungen vor, die von Werner Eck akzeptiert wurden. Bei der Epigraphik-Datenbank Clauss-Slaby wird folgende Lesung des Textes angegeben: legio VI Vic]trix [L(ucio) Pupio L(uci) f(ilio) Sab(atina)] Praesenti [3 Mantu]a [proc(uratori) Caes]aris Aug(usti) [ab Imp(eratore) Vesp(asiano) a]dlecto [inter pra]etorios.

Folgt man diesen Ergänzungen, dann wäre Pupius Praesens durch Vespasian (69–79) als Praetor in den Senatorenstand aufgenommen worden und hätte danach das Kommando über eine Legion erhalten.

Demougin hält die Zuordnung der Inschrift aus zwei Gründen für zweifelhaft. Erstens ist die domus angeführt, die sich für Legionskommandeure in Spanien nur bei Publius Cornelius Anullinus findet. Zweitens sollte man das Alter hinterfragen, in dem er in den Senat aufgenommen wurde und in dem er die Leitung einer Legion übernahm; Pupius Praesens war im Jahr 36 Anfang 30 und daher um 69/70 mindestens 63 Jahre alt. Demougin lehnt die Zuordnung der Inschrift daher ab und geht davon aus, dass es sich um einen Unbekannten handelt, der in der Inschrift angeführt ist; bei diesem Unbekannten könnte es sich allenfalls um den Sohn von Pupius Praesens handeln.

Datierung Ségolène Demougin datiert zwei Stationen seiner Laufbahn wie folgt: der Eintritt in die zivile Verwaltung erfolgte am Ende der Regierungszeit von Tiberius (14–37) oder während der Regierungszeit von Caligula (37–41), möglicherweise schon 36 nach dem großen Hochwasser des Tibers, und das letzte bekannte Amt als Procurator übte er um 53/55 aus, am Ende der Regierungszeit von Claudius (41–54) und am Anfang der Regierungszeit von Nero (54–68).

Paul A. Iversen datiert das Setzen der Grenzsteine auf einen Zeitraum um 54/55, auf jeden Fall nach dem Tod von Claudius am 13. Oktober 54, da er in den Inschriften als vergöttlicht bezeichnet wird und vermutlich im ersten Jahr der Regierung von Nero. Claudius hatte in einem Brief den Statthalter der Provinz Quintus Petronius Umber und den Procurator Pupius Praesens angewiesen, die Grenzsteine setzen zu lassen.

Literatur Ségolène Demougin: Prosopographie des Chevaliers Romains Julio-Claudiens (43 av. J.–C. – 70 ap. J.–C.), Collection de l’École Francaise de Rome 153, 1992, , (Online). Hans-Georg Pflaum: Les carrières procuratoriennes équestres sous le Haut-Empire Romain, Paris 1960, Band 1, Nr. 24, S. 58–63.

Einzelnachweise Arthur Stein, Pupius 15.

G. H. R. Horsley, R. A. Kearsley: Another Boundary Stone between Tymbrianassos and Sagalassos in Pisidia In: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik, Band 121 (1998), S. 123–129, hier S. 123–124 (PDF).

Hans-Georg Pflaum: Les carrières, Nr. 24, S. 58–63.

Inschrift aus Konya / Ikonion / Iconium ( bzw. IGR III 263). Inschrift aus Sagalassos (IGR III 335).

Inschrift aus Aksu / Perge (). Inschrift aus Leon / Legio / Legio VII Gemina ().

Fatih Onur: Two Procuratorian Inscriptions from Perge, In: Gephyra, Vol. 5, 2008 DOI:10.5281/ZENODO.3866457, S. 53–66, hier S. 60–64 (Online).

John E. H. Spaul: Ala². The Auxiliary Cavalry Units of the Pre-Diocletianic Imperial Roman Army. Nectoreca Press, Andover 1994, ISBN 0-9525062-0-3, S. 185.

Paul A. Iversen: Inscriptions from Northwest Pisidia, In: Epigraphica Anatolica 48, 2015, S. 1–85 (Online).

Ségolène Demougin: Prosopographie, Nr. 519, S. 430–432.

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