Die Schlacht am Longanos war eine militärische Auseinandersetzung zwischen den Mamertinern und den Truppen des syrakusischen Feldherrn Hieron II. Sie fand nach überwiegender Auffassung der Forschung um 269 v. Chr. am Fluss Longanos im Nordosten Siziliens statt. Hieron errang einen entscheidenden Sieg über die Mamertiner, die von der Stadt Messana aus weite Teile des nordöstlichen Siziliens kontrollierten. Die Niederlage der Mamertiner verschärfte den Machtkampf um Messana und hatte weitreichende politische Folgen. Durch das Eingreifen Karthagos konnte Hieron die Stadt jedoch nicht dauerhaft unter seine Kontrolle bringen. Der Konflikt zwischen Syrakus, den Mamertinern und Karthago bildete einen wichtigen Hintergrund für die späteren Ereignisse, die zum Ersten Punischen Krieg führten.
Vorgeschichte Die Mamertiner waren kampanische Söldner, die urspruenglich vom Tyrannen Agathokles von Syrakus angeworben worden waren. Nach dessen Tod im Jahr 289 v. Chr. bemächtigten sie sich der Stadt Messana. Dabei gingen sie gewaltsam gegen die bisherige Bevölkerung vor und errichteten einen eigenen Herrschaftsbereich. Von Messana aus unternahmen sie Raubzuege in die umliegenden Gebiete und gerieten dadurch zunehmend in Konflikt mit Syrakus. In Syrakus gewann unterdessen Hieron zunehmend an Einfluss. Er übernahm die Führung des syrakusischen Staates und richtete seine Politik unter anderem gegen die Mamertiner. Die Auseinandersetzung zwischen beiden Seiten eskalierte schließlich zu einem offenen Krieg.
Verlauf der Schlacht Die syrakusischen Truppen rückten gegen die Mamertiner vor und trafen auf deren Heer am Fluss Longanos auf der Mylä-Ebene im nordoestlichen Sizilien. Die genaue Lage des antiken Flusslaufs ist nicht mit Sicherheit geklärt. Der Longanos wird häufig mit einem Fluss im Gebiet der heutigen Orte Fondachelli-Fantina und Mylä in Verbindung gebracht. Nach dem Bericht des antiken Historikers Polybios kam es zu einer entscheidenden Niederlage der Mamertiner. Hieron gelang es, das mamertinische Heer zu schlagen und die Gegner in eine äußerst schwierige Lage zu bringen. Auch Diodor berichtet von Hierons Feldzug gegen die Mamertiner und dessen erfolgreichem Ausgang. Über die genaue taktische Durchführung der Schlacht ist wenig bekannt. Die antiken Quellen liefern keine ausreichend detaillierte Darstellung des Schlachtverlaufs, sodass Aussagen über Aufstellung, Gelände und konkrete taktische Manöver mit Unsicherheiten behaftet sind.
Folgen Nach ihrer Niederlage befanden sich die Mamertiner in großer Bedrängnis. Hieron konnte seinen militärischen Erfolg jedoch nicht unmittelbar in die vollständige Eroberung Messanas umsetzen. Die Mamertiner wandten sich deshalb an Karthago. Der karthagische Feldherr Hannibal intervenierte zugunsten der Mamertiner und sorgte dafuer, dass eine karthagische Besatzung in Messana stationiert wurde. Dadurch wurde verhindert, dass Hieron die Stadt ohne weiteres einnehmen konnte. Die Ereignisse zeigen die strategische Bedeutung Messanas. Die Stadt lag an der Straße von Messina und damit an einem wichtigen Übergang zwischen Sizilien und der italienischen Halbinsel. Für Karthago bot die Unterstuetzung der Mamertiner zugleich die Möglichkeit, seinen Einfluss auf die Meerenge von Messina zu sichern.
Bedeutung für den Ersten Punischen Krieg Die unmittelbaren Folgen der Schlacht werden in der Forschung unterschiedlich bewertet. Nach einer verbreiteten Rekonstruktion führte die Niederlage der Mamertiner schließlich dazu, dass sie zunächst den Schutz Karthagos suchten. Später wandte sich ein Teil der Mamertiner an Rom, was schließlich zur römischen Intervention in Messana und zum Ausbruch des Ersten Punischen Krieges im Jahr 264 v. Chr. beitrug. Die Chronologie dieser Ereignisse ist allerdings umstritten. Polybios stellt die Niederlage am Longanos und die anschließenden Ereignisse relativ eng zusammen. Andere Forscher sehen zwischen der Schlacht und dem römischen Eingreifen mehrere Jahre und datieren die Schlacht deshalb anders. Besonders die Frage, ob die Schlacht tatsächlich 269 v. Chr. oder erst 265/264 v. Chr. stattfand, ist Gegenstand der Forschung. Hieron wurde nach der traditionellen Überlieferung im Zusammenhang mit seinen Erfolgen gegen die Mamertiner zum König von Syrakus erhoben beziehungsweise nahm anschließend den Königstitel an.
Quellenlage Die wichtigsten antiken Berichte über die Auseinandersetzung stammen von Polybios und Diodor. Polybios behandelt die Ereignisse im ersten Buch seiner Historien, insbesondere im Zusammenhang mit der Vorgeschichte des Ersten Punischen Krieges. Diodors Darstellung ist unter anderem in Buch 22 überliefert. Die Überlieferung weist jedoch chronologische und erzählerische Probleme auf. Insbesondere die zeitliche Einordnung der Schlacht und die Abfolge der karthagischen Interventionen in Messana werden in der modernen Forschung unterschiedlich rekonstruiert.
Literatur Polybios: Historien, Buch 1. Diodor: Bibliotheke historike, Buch 22. Dexter Hoyos: The Rise of Hiero II: Chronology and Campaigns 275-264 B.C. In: Antichthon. Eberhard Ruschenbusch: Der Ausbruch des 1. Punischen Krieges. Klaus Zimmermann: Rom und Karthago. Darmstadt 2013.
Einzelnachweise
Kategorie:Schlacht Kategorie:Sizilien in der Antike