David O'Keefe Sears (* 2. Juni 1935 in Urbana) ist ein US-amerikanischer Psychologe und emeritierter Distinguished Professor für Psychologie und Politikwissenschaft an der University of California, Los Angeles (UCLA). David Sears auf University of California, Los Angeles, abgerufen am 7. September 2026.Vita David O. Sears auf University of California, abgerufen am 8. September 2026
Leben Sein Vater war der Entwicklungs- und Persönlichkeitspsychologe Robert R. Sears (1908–1989), seine Mutter die Pädagogische Psychologin Pauline Sears (1908–1993); er wuchs mit seiner um drei Jahre jüngeren Schwester Nancy Sears Barker (* 1938) in New Haven auf. Seine frühe Kindheit war von häufigen Ortswechseln geprägt, da die Karrieren seiner Eltern die Familie in verschiedene Universitätsstädte führten, darunter Iowa City und Cambridge. Er besuchte die Belmont High School in Belmont, bevor er sich an der Stanford University einschrieb. Hier erlangte er seinen Bachelor-Abschluss in Geschichte; seine Abschlussarbeit befasste sich mit der Mobilisierung der NS-Jugend unter der Betreuung des Historikers H. Stuart Hughes. Anschließend setzte er sein Psychologiestudium an der Yale University fort, wo er 1959 seinen Master of Science (M.S.) erlangte und 1962 zum Ph.D. in Persönlichkeits- und Sozialpsychologie promovierte.David O. Sears auf notablepeopleproject.org, abgerufen am 8. September 2026. In Yale wurde er maßgeblich von seinem Doktorvater Howard Leventhal und dem Politikwissenschaftler Robert E. Lane beeinflusst, für den er als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war. Seitdem lehrt an der University of California, Los Angeles (UCLA); hier war er von 1983 bis 1992 auch Dekan der Fakultät für Sozialwissenschaften und von 1993 bis 2008 Direktor des Instituts für Sozialwissenschaftliche Forschung (ISSR).
Werk Er arbeitete auf den Gebieten der Sozialpsychologie, der politischen Psychologie, zu intergruppalen Konflikten sowie Einstellungen und dem Lebenszyklus und speziell zu dem Bereich Rassismus in der Politik.
Bekannt wurde er durch die Entwicklung der Theorie des symbolischen Rassismus (symbolic racism). 1981 veröffentlichte er eine Arbeit, in der er argumentierte, dass eine neue, subtile Form des Rassismus die offene Diskriminierung aus der Jim-Crow-Ära in Amerika abgelöst habe. Symbolischer Rassismus, so die These, vermischt anti-schwarze Ressentiments mit traditionellen amerikanischen Werten wie Individualismus und Selbstständigkeit und manifestiert sich in der Ablehnung von Maßnahmen wie der Schulbusbeförderung oder der positiven Diskriminierung. Er ist die häufigste und politisch wirkungsvollste Form von Rassismus in der heutigen amerikanischen Politik. Er hat sich auch mit dem Konzept des Black Exzeptionalism auseinandergesetzt, demzufolge weiße Amerikaner Latinos und Amerikaner asiatischer Herkunft eher wie die europäischen Einwanderer vor einem Jahrhundert behandeln als Afroamerikaner, die weiterhin mit einer relativ undurchdringlichen Rassengrenze konfrontiert sind. Ein verwandter Forschungszweig untersucht die langfristigen Kontinuitäten der Rassenpolitik im Süden der USA. Insbesondere untersuchte er die Rolle des weißen Rassismus, der auf einer langen Geschichte rassistischer Feindseligkeiten im Süden der USA basiert und heute im christlichen Fundamentalismus verankert ist. Dieser Rassismus hat viele weiße Südstaatler erfolgreich zur Republikanischen Partei geführt.
Die von ihm entwickelte Theorie der symbolischen Politik besagt, dass langjährige symbolische Prädispositionen (wie Parteizugehörigkeit oder rassistische Einstellungen) die politische Meinung stärker beeinflussen als kurzfristige Abwägungen des persönlichen Eigeninteresses. Seine umfangreichen Forschungen ergaben, dass Eigeninteresse politische Präferenzen nur selten vorhersagt, es sei denn, die persönlichen Interessen sind außergewöhnlich klar und unmittelbar, wie beispielsweise bei Steuerrevolten.
Er hat sich auch mit dem Thema des Politischen Multikulturalismus auseinandergesetzt. Die zunehmende ethnische und rassische Vielfalt in den Vereinigten Staaten und in anderen westlichen Ländern hat Vorschläge für eine stärkere Anerkennung ethnischer und rassischer Identität in Politik, Recht und anderen sozialen Institutionen hervorgebracht, die aus der „multikulturellen“ Bewegung hervorgegangen sind. Dies warf für ihn eine Reihe wichtiger psychologischer Fragen auf, etwa zu den Determinanten einer starken ethnischen Identität, der Rolle der Auseinandersetzung mit der amerikanischen Rassenpolitik (im Gegensatz zu Assimilationstendenzen) für die langfristige Integration von Einwandererminderheiten, zu den komplexen Zusammenhängen zwischen amerikanischer und ethnischer Identität innerhalb ethnischer Minderheiten sowie den Determinanten der Einstellungen weißer Amerikaner zu Einwanderung, liberaler Sprachpolitik, positiver Diskriminierung und anderen ethnischen Förderrechten.
Zudem untersucht er die Auswirkungen von Terroranschlägen auf die Beziehungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Inland. Es wurde vielfach spekuliert, dass die Terroranschläge am 11. September 2001 zu einer Verringerung der Spannungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen in den Vereinigten Staaten führten, da Amerikaner aller Glaubensrichtungen und Hautfarben in einer Einheitsfront zusammenrückten.
Er verfolgte zudem lebenszyklusbedingte Einflüsse auf Einstellungen. Dabei untersuchte er die Auswirkungen frühkindlicher politischer Sozialisation, insbesondere auf politisch wichtige Einstellungen wie Parteizugehörigkeit, Ideologie, Rassismus und ethnische Identität.
Ehrungen/Positionen 2012: David O. Sears Best Book on Mass Politics Award für herausragende Bücher im Bereich der Massenpolitischen Psychologie durch die ISPPDavid O. Sears Best Book on Mass Politics Award auf ISPP, abgerufen am 7. September 2026. 1995: Harold D. Lasswell Award der International Society of Political Psychology (ISPP) 1994: Präsident der International Society of Political Psychology (ISPP) 1992: Präsident der Society for the Advancement of Socio-Economics 1991: Mitglied der American Academy of Arts and SciencesProfessor David O'Keefe Sears auf American Academy of Arts and Sciences, abgerufen am 7. September 2026. Gastprofessuren an der Harvard University (1967) und der University of California, Berkeley (1972) 1983: Fellow der Brookings Institution 1988, 1992: Fellow am Center for Advanced Study in the Behavioral SciencesDavid O. Sears auf Center for Advanced Study in the Behavioral Sciences, abgerufen am 7. September 2026. Guggenheim-Stipendium
Privates Er war seit 1961 verheiratet mit Cynthia Lovelace, die Ehe wurde 1970 geschieden. 2004 heiratete er seine ehemalige Schülerin und Freundin Carrie Powers († 29. Oktober 2010). Er hat drei Töchter: Juliet, Olivia und Meredith. Er lebt in Pacific Palisades und verbringt seine Sommerferien häufig am Lake Winnipesaukee in Moultonborough.
Publikationen (Auswahl) Monografien Leonie Huddy; Jack S. Levy; Jennifer Jerit: The Oxford Handbook of Political Psychology (Oxford Handbooks Series). Oxford University Press, Oxford 2023, ISBN 978-0-19-754130-2. Mit Mark Baldassare; Edgar W. Butler; Peter A. Morrison: The Los Angeles Riots: Lessons for the Urban Future. Routledge, Abingdon 2019, ISBN 978-1-000-30307-0. Mit Jack Citrin: American Identity and the Politics of Multiculturalism (Cambridge Studies in Public Opinion and Political Psychology). Cambridge University Press, Cambridge 2014, ISBN 978-1-139-98234-4. Mit James Sidanius; Shana Levin; Colette Van Laar: The Diversity Challenge: Social Identity and Intergroup Relations on the College Campus. Russell Sage Foundation, New York City 2008, ISBN 978-0-87154-793-4. Mit Shelley E. Taylor; L. Anne Peplau: Social Psychology (12th Edition). Pearson, London 2005, ISBN 978-0-13-193281-4. Türk. Ausgabe: Sosyal Psikoloji. Imge Kitabevi Yayinlari, Ankara 2015, ISBN 978-975-533-525-4. The Politics of Violence: The New Urban Blacks and the Watts Riot. Houghton Mifflin, Boston, 1973, ISBN 978-0-395-11927-3. Mit Jack Citrin: Tax Revolt: Something for Nothing in California. Harvard University Press, Cambridge, Massachusetts 1985, ISBN 978-0-674-86836-6. Mit Michael Tesle: Obama's Race: The 2008 Election and the Dream of a Post-Racial America. University of Chicago Press, Chicago 2010, ISBN 978-0-226-79383-2. Mit Jack Citrin: American Identity and the Politics of Multiculturalism. Cambridge University Press, Cambridge 2014, ISBN 978-0-521-53578-6.
Herausgeberschaften Mit James Sidanius; Lawrence Bobo: Racialized Politics: The Debate about Racism in America (Studies in Communication, Media, and Public Opinion). University of Chicago Press, Chicago 2000, ISBN 978-0-226-74407-0. Mit Richard R. Lau: Political Cognition: The 19th Annual Carnegie Mellon Symposium on Cognition. (Carnegie Mellon Symposia on Cognition Series). Psychology Press, Psychology Press 1986, ISBN 978-0-89859-652-6.
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge Mit David Pinsof; Martie G. Haselton: Strange Bedfellows: The Alliance Theory of Political Belief Systems. In: Psychological Inquiry 2023, 34 (3), S. 139–160. Mit K. R. Binning: On the history of political diversity in social psychology. In: Behav Brain Sci., 2015, 38, e135. Mit Nicholas A. Valentino: Politics Matters: Political Events as Catalysts for Preadult Socialization. In: American Political Science Association, 2014, 91 (1), S. 45–65. The American Color Line 50 Years After Brown v. Board: Many ‘Peoples of Color’ or Black Exceptionalism In G. Adams; M. Biernat; N. R. Branscombe; C. S. Crandall; L. S. Wrightsman (Hrsg.): Commemorating Brown: The Social Psychology of Racism and Discrimination (S. 133–152). APA Books, Washington, DC 2008, ISBN 978-1-4338-0500-4. Mit V. Savalei: The Political Color Line in America: Many Peoples of Color or Black Exceptionalism? In: Political Psychology, 2006, 27, S. 895–924. Mit N.A. Valentino: Old Times There Are Not Forgotten: Race and Partisan Realignment in the Contemporary South. In: American Journal of Political Science, 2005, 49, 672–688. Mit C. Tarman: The Conceptualization and Measurement of Symbolic Racism. On: The Journal of Politics, 2005, 67, 731–761. Mit R. Apsler: Warning, Personal Involvement, and Attitude Change. In: Journal of Personality and Social Psychology, 1968, 9, S. 162–166. Mit T. M. Tomlinson: Riot Ideology in Los Angeles: A Study of Negro Attitudes. In: Social Science Quarterly, 1968, 49, 485–503. Mit J. L. Freedman; E. F. O'Connor, Jr.: The Effects of Anticipated Debate and Commitment on the Polarization of Audience Opinion. In: Public Opinion Quarterly, 1964, 28, 615–627. Punishment and Choice in the Rat. In: Journal of Comparative and Physiological Psychology, 1964, 57, 297–299.
Weblinks David Sears auf Research Gate, abgerufen am 7. September 2026. David O. Sears auf Science Direct, abgerufen am 7. September 2026. David O. Sears auf Research Com, abgerufen am 7. September 2026. David Sears auf socialpsychology.org, abgerufen am 8. September 2026.
Einzelnachweise
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