Bünichheim ist eine Dorfwüstung in der Gemarkung von Hofgeismar im nordhessischen Landkreis Kassel. Sie befindet sich auf Höhe über NHN etwa 2,5 km nordöstlich des Zentrums der Kernstadt Hofgeismar, zwischen der ehemaligen, heute wüsten, ZiegelhütteZiegelhütte, Kassel, im Historischen Ortslexikon Hessen (LAGIS) und dem Dorf Schöneberg. Die dortigen Flurbezeichnungen An der Bendheimer Wiese bzw. Büngheim erinnern an die aufgebene Siedlung, ebenso die Flurnamen Büngheimer Graben im Osten, Büngheimer Wiese im Südwesten und Kirchhof im Nordosten. Die Schöneberger Straße verläuft unweit nördlich vorbei.

Geschichte Der Ort wurde im Jahre 965 erstmals schriftlich erwähnt, als Kaiser Otto I. dem Mauritiuskloster in Magdeburg den Königshof Rosbach (Rösebeck) mit einer Anzahl dazugehöriger Orte und allem anderen Zubehör schenkte, darunter auch Bunningheim und das weiter südlich gelegene Gauze.Rösebeck - Chronik bis 1989 Dabei wurde der Ort als in der Grafschaft des Grafen Elli I. im (sächsischen) Hessengau liegend identifiziert (in pago Hassonum in comitatu Elli comitis). Erst mehr als 250 Jahre später findet sich der nächste dokumentarische Nachweis: in einem Güterverzeichnis des Klosters Lippoldsberg wird um 1220 der Besitz von vier Hufen in Bunnigheim vermerkt.Die schriftliche Wiedergabe des Ortsnamens änderte sich im Laufe der Zeit: Bunningheim (965), Bunnigheim (um 1220), Bunnicheim (1272/73), Bunnincheim (1303), Bunnichem, Bunnighem, Bunnechem, Bunnechen (13. Jahrhundert), Bummencheim (1345/46), Bunincheym (1377), Bunnecheym (ca. 1380), Boncheym (um 1530), Bunnichem (1570–1590), Büncheim (1583), Bonnigheim (1585); siehe Bünichheim, Kassel, im Historischen Ortslexikon Hessen (LAGIS) Das Kloster vermehrte diesen Besitz bis 1380 auf acht Hufen. Den Zehnten im Ort erwarb es bereits 1250 von einem Hofgeismarer Burgmann. Noch bis zu seiner Auflösung in der Folge der Reformation im 16. Jahrhundert behauptete das Kloster seinen Besitz in Bünichheim.

Größter Grundbesitzer im Ort waren jedoch die Edelherren von Schöneberg, Burgmannen und Lehensnehmer des Erzstifts Mainz auf der nahen Burg Schöneberg. Sie erwarben im 13. Jahrhundert zunehmend, vor allem als Kurmainzer Lehen, Grundbesitz in der Umgebung, so auch in Bünichheim. Sie besaßen dort schließlich mehr als neun Hufen mit drei Höfen, darunter auch ein sogenannter „großer Hof“ (curia magna), die sie mehrheitlich an Hofgeismarer Bürger als Afterlehen ausgaben. Die kleine Herrschaft Schöneberg kam um die Mitte des 13. Jahrhunderts als Kurmainzer Lehen an die Grafen von Dassel, und 1272 verkaufte Graf Ludolf V. von Dassel, auf Druck der mainzischen Stadt Hofgeismar, die gesamte Herrschaft Schöneberg mit Bünichheim an Kurmainz. Das Erzstift verpfändete die Vogtei über das Amt Hofgeismar-Schöneberg, dem Bünichheim angehörte, im Jahre 1303 an den Grafen Otto I. von Waldeck. Der Ort war wohl noch bewohnt, aber 1430 lag er wüst, als Arnd von Stammen mit fünf Hufenim Feld zu Bunninghey belehnt wurde.Landau, Wüste Ortschaften, S. 29 mini|Kartenblatt Trendelburg, Landesaufnahme von 1857 (Büngheim = Bünichheim, mittig unten) Folgezeit Ab 1462 waren Hofgeismar und die nähere Umgebung hessisch, und im Januar 1518 belehnte Landgraf Philipp I. von Hessen die Vettern und Brüder Herbold, Georg, Christoph, Stefan und Ludolf von Pappenheim mit fünf Hufen Land zu und um Hofgeismar und in der Feldmark der Wüstung Bünichheim.Hessisches Staatsarchiv Marburg: HStAM, Urk. 14, 9924 1569 kamen auch mehrere Meierhöfe des nun aufgelösten Klosters Lippoldsberg in den Besitz der Landgrafschaft. Eine wüste Kapelle, von der wohl der Flurname Kirchhof rührt, wurde noch 1593 genannt.

Etwas mehr als 100 Jahre später, 1699/1700, erfolgte auf Anordnung des Landgrafen Karl die Anlage einer Kolonie, das heutige Dorf Schöneberg, auf Teilen der ehemaligen Gemarkung von Bünichheim durch Hugenotten und Waldenser unter Federführung des calvinistischen Pfarrers David Clement. Für die Ortsplanung war der ebenfalls hugenottische Glaubensflüchtling Paul du Ry verantwortlich, der 1685 von Landgraf Karl zum Hofbaumeister berufen worden war.

Fußnoten

Literatur Georg Landau: Historisch-topographische Beschreibung der wüsten Ortschaften im Kurfürstenthum Hessen und in den großherzoglich hessischen Antheilen am Hessengaue, am Oberlahngaue und am Ittergaue. Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, Siebentes Supplement, Theodor Fischer, Kassel, 1858, S. 29–30 Jochen Desel: Das Kloster Lippoldsberg und seine auswärtigen Besitzungen. Gutenberg, Melsungen, 1967, S. 126–127 Heinrich Reimer (Bearb.): Historisches Ortslexikon für Kurhessen (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, Band 14), Elwert, Marburg, 1926, (Unveränderter Neudruck 1974, ISBN 3-7708-0510-0), S. 72 Kurt Günther: Territorialgeschichte der Landschaft zwischen Diemel und Oberweser vom 12. bis zum 16. Jahrhundert (Schriftenreihe des Arbeitskreises für Heimatgeschichte, Band 9), Magistrat der Stadt Immenhausen, Immenhausen, 1989 (Dissertation Marburg, 1959), S. 39–40 Helmut Jäger: Die Entwicklung der Kulturlandschaft im Kreis Hofgeismar. (Göttinger geographische Abhandlungen, Heft 2; Dissertation, Geographisches Institut der Universität Göttingen, 1951), unveränderter Nachdruck: Hrsg. Arbeitskreis für Heimatgeschichte der Stadt Immenhausen, Heft 8, Magistrat der Stadt Immenhausen, Immenhausen, 1988, S. 170, Nr. 14 Lothar Zögner: Hugenottendörfer in Nordhessen: Planung, Aufbau und Entwicklung von siebzehn französischen Emigrantenkolonien. (Marburger Geographische Schriften, Heft 28), Selbstverlag des Geographischen Instituts der Universität Marburg, Marburg, 1966, S. 66–76

Weblinks Bünichheim, Kassel, im Historischen Ortslexikon Hessen (LAGIS)

Kategorie:Wüstung in Hofgeismar