Das Jurgielt von deutsch Jahrgeld waren wiederkehrende Vermögensleistungen von in der Regel ausländischen Mächten an Entscheidungsträger in Adelsrepublik Polen-Litauen, um auf den politischen Meinungsbildungsprozess Einfluss zu nehmen. Ein Empfänger eines Jurgielt wurde ab dem 18. Jahrhundert abwertend als Jurgieltnik bezeichnet.

Geschichte mini|Hinrichtung der Anführer der Konföderation von Targowica von Jan Piotr Norblin Ab dem 16. Jahrhundert wurde mit Jurgielt zunächst die jährliche Pacht von Königsgütern in Polen-Litauen bezeichnet. Im 17. Jahrhundert nannte man so auch den jährlichen Sold, die Heerführer erhielten. Ein bekannter Jurgielt-Empfänger des 17. Jahrhunderts war der Heerführer Jeremi Wiśniowiecki. Im 18. Jahrhundert empfingen zahlreiche Abgeordnete des polnisch-litauischen Sejm jährliche Zahlungen von den ausländischen Botschaften der europäischen Großmächte, um deren Interessen in Polen-Litauen zu vertreten. Als während des Warschauer Aufstand (1794) die russische Botschaft von den Aufständischen gestürmt wurde, fanden diese Unterlagen vor, aus denen ersichtlich wurde, dass fast das gesamte Umfeld des Königs Stanislaus August Poniatowskis aus Jurgieltniki bestand, u. a. die höchsten kirchlichen Würdenträger, der Primas Antoni Kazimierz Ostrowski, der Bischof Michał Sierakowski und der Bischof Adam Naruszewicz. Das Auffinden der Zahlungsbelege war Grundlage für die Todesurteile gegen die Anführer der Konföderation von Targowica.

Siehe auch Polnische Aufklärung Vierjähriger Sejm Polnische Teilungen

Literatur Michał Czajka, Marcin Kamler, Witold Sienkiewicz: Leksykon historii Polski. Warszawa: Wiedza Powszechna, 1995. ISBN 83-214-1042-1 Zofia Zielińska: Jurgielt. W: Antoni Mączak (red.): Encyklopedia historii gospodarczej Polski do 1945 roku. T. A–N. Warszawa: Wiedza Powszechna, 1981, s. 284–285. ISBN 83-214-0185-6.

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