Eheberatung ist ein Sketch des deutschen Humoristen Loriot. Er zeigt ein älteres Ehepaar, das eine Therapeutin für eine Eheberatung aufsucht. Der Sketch ist Teil der vierten Folge der Sendereihe Loriot, die erstmals im November 1977 ausgestrahlt wurde. 1981 erschien der Text des Sketches in gedruckter Form.

Handlung mini|hochkant=0.9|Peter Paul Rubens: Der Raub der Töchter des Leukippos, um 1618 Das etwa 50-jährigeDie Altersangabe stammt aus dem veröffentlichten Sketchtext. Ehepaar Blöhmann betritt das Sprechzimmer einer Paartherapeutin. Sie fragt die beiden zunächst nach ihrer Lieblingsfarbe. Frau Blöhmann sagt Schaumolweiß, das „noch etwas weißer als weiß“ sei. Herr Blöhmann nennt grau, hört aber danach nicht mehr auf, die Farbe weiter zu spezifizieren, bis er letztendlich zu einem „grünlich-blauem Braunrot-Grau“So nennt er die Farbe im ausgestrahlten Sketch. Im veröffentlichten Sketchtext heißt es stattdessen „grünlich-blaues Rotbraun-Grau“. kommt. Als Grund nennt er seine Angst, wegen seiner Lieblingsfarbe von der Therapeutin falsch eingeordnet zu werden.

Danach zeigt die Therapeutin den beiden das Rubens-Gemälde Der Raub der Töchter des Leukippos und bittet sie um ihre Eindrücke. Herr Blöhmann gibt nur zögerlich Auskunft, fasst das Gemälde dann aber mit „Zwei Herren geben zwei Damen Reitunterricht“ zusammen. Für seine Frau ist das „mehr so Urlaub … mit Reiten und so“. Danach bittet die Therapeutin Blöhmann, seine Frau zu küssen. Da er sich weigert, schlägt sie vor, „die Grundformen des Kusses ganz neu zu erarbeiten“. Sie stellt einen Kunststoffkopf, der an einer Spirale befestigt ist, vor Blöhmann, der ihn mehrfach auf den Mund küssen soll. Frau Blöhmann soll sich hingegen vom Kopf küssen lassen, was durch dessen Hin-und-Her-Schwingen erreicht wird. Die Therapeutin schickt die Blöhmanns nun mit der Anweisung nach Hause, „den leichten Kuss aus der Grundhaltung“ dreimal täglich zu üben. Als die beiden das Sprechzimmer verlassen haben, stürzt sie sich auf den Kopf und küsst ihn leidenschaftlich.

Produktion und Veröffentlichung Der Sketch entstand für die vierte Folge der Sendereihe Loriot von Radio Bremen, die ab August 1977 gedreht wurde. Loriot und Ingeborg Heydorn übernahmen die Rollen von Herrn und Frau Blöhmann, Evelyn Hamann spielte die Therapeutin. Hamann hatte Probleme mit der finalen Szene, bei der sie den Kunststoffkopf leidenschaftlich küssen sollte. Dies gelang ihr erst, nachdem Loriot ihr es mehrfach vormachte. Nach der Erinnerung von Loriots Assistenten Stefan Lukschy war dies das einzige Mal, dass Hamann ein paar Proben mehr benötigte.

Die Folge wurde am 7. November 1977 im Deutschen Fernsehen ausgestrahlt. In der 1997 entstandenen Neuschnittfassung von Loriot ist der Sketch Teil der ersten Folge Vom Glück der Liebe, der Ehe und des Erinnerns, die am 6. Mai 1997 im Ersten ausgestrahlt wurde.Stefan Neumann: Loriot und die Hochkomik. 2011, S. 415. Außerdem war der Sketch 1988 in der Sendung Loriots 70. Geburtstag zu sehen.Stefan Neumann: Loriot und die Hochkomik. 2011, S. 411–12.

Gedruckt erschien der Sketch erstmals 1981 im Sammelband Loriots Dramatische Werke. Darin ist er dem Kapitel Szenen einer Ehe zugeordnet. Im Text wird die Therapeutin „Frau Dr. K.“ genannt. Er erschien seitdem in weiteren Sammelbänden von Loriot.

Analyse und Einordnung Sketche über Männer und Frauen bilden einen wichtigen Teil in Loriots Werk, auch wenn sie nur einen verhältnismäßig kleinen Teil seines Sketchwerks ausmachen. Die Blöhmanns gehören zu den Paaren bei Loriot, bei denen Sexualität keine Rolle mehr spielt und einer Eintönigkeit gewichen ist. Dies zeigt sich unter anderem daran, dass die Frau mehr Zärtlichkeit für ihren Wellensittich als für ihren Mann übrig hat, während dieser lieber einen Kunststoffkopf küsst als seine Frau. Stefan Neumann: Loriot und die Hochkomik. 2011, S. 283.

Probleme in Liebesfragen scheint aber auch die Paartherapeutin zu haben, wie ihr leidenschaftlicher Kuss des Kopfes zeigt. Damit kann sie als Vorlage für die Figur der Diplom-Psychologin Margarethe Tietze in Loriots erstem Spielfilm Ödipussi gelten, die ebenfalls verklemmt und liebebedürftig ist.Stefan Neumann: Loriot und die Hochkomik. 2011, S. 282–283. An die Eheberatung erinnert auch jene Szene in Ödipussi, in der Margarethe Tietze ein älteres Ehepaar in deren Haus besucht. Wie im Sketch kommt es hier zu einer Diskussion über den richtigen Grauton. In beiden Fällen spricht die Diskussion für die Spießigkeit der Paare und die Monotonie ihrer Ehen.Stefan Neumann: Loriot und die Hochkomik. 2011, S. 283. Felix Christian Reuter: Chaos, Komik, Kooperation. 2016, S. 55. Darüber hinaus kann die präzise Beschreibung des Grautons, die der Mann in der Eheberatung vornimmt, als Karikatur der klischeehaften Ordnungsliebe des Kleinbürgers interpretiert werden.Felix Christian Reuter: Chaos, Komik, Kooperation. 2016, S. 183.

Farbbezeichnungen sind ein häufiger Aspekt in Loriots Sketchen. Sie treten vor allem bei Verkaufsgesprächen auf und gehören zu der von Loriot häufiger kritisch beleuchteten „Katalogsprache“. Die Szene in Ödipussi ist ebenfalls Teil eines solchen Verkaufsgespräches, da die Psychologin Tietze vom Protagonisten des Films, dem Textilverkäufer Paul Winkelmann, begleitet wird. Viele der Farbbezeichnungen, die Loriot in seinen Werken verwendet, gibt es wirklich. Einige hat er sich aber selbst ausgedacht. Dazu gehört das Schaumolweiß, das die Frau in der Eheberatung als ihre Lieblingsfarbe nennt. Worauf sich die Bezeichnung Schaumol bezieht, ist unklar.Felix Christian Reuter: Chaos, Komik, Kooperation. 2016, S. 54–56.

Die Verklemmtheit und eingeschlafene Sexualität des Paares in der Eheberatung zeigt sich auch bei der Beschreibung des eigentlich sehr sinnlichen Gemäldes von Rubens. So erwähnt Herr Blöhmann zunächst nur zwei Reiter und Pferde. Erst auf Nachfrage der Therapeutin nennt er die zwei Damen, obwohl sie eigentlich deutlich hervorstechen. Die Nacktheit der Frauen erwähnt er nicht. Der Germanist Felix Christian Reuter sieht bei den Beschreibungen des Paares zudem klischeehafte Unterschiede in der Wahrnehmung von Frauen und Männern bestätigt. Während Herrn Blöhmanns Angaben sich durch Sachlichkeit auszeichneten, beschreibe Frau Blöhmann das Bild gefühlsbetonter. Herr Blöhmann weise außerdem den Männern den aktiven Part im Bild zu, während die Frauen bei ihm eine eher passiv Rolle einnähmen. Solche Ansichten vertritt auch die Therapeutin. Nach ihrem Wunsch soll Herr Blöhmann sich aktiv dem Partnermodell nähern und es küssen. Seine Frau hingegen solle sich ganz passiv verhalten und sich von dem Modell küssen lassen.Felix Christian Reuter: Chaos, Komik, Kooperation. 2016, S. 132.

Eheberatung ist nicht das einzige Werk Loriots, das Rubens’ Raub der Töchter des Leukippos aufgreift.Felix Christian Reuter: Chaos, Komik, Kooperation. 2016, S. 132, Fußnote 419. So zeichnete er eine Karikatur, in der ein Mädchen das Bild an eine Hauswand unterhalb eines Fensters malt, wobei der Kopf des linken Reiters durch den eines aus dem Fenster schauenden Mannes ersetzt wird. In seiner Rede anlässlich der Eröffnung einer Karikatur-Ausstellung im Wilhelm-Busch-Museum in Hannover beklagte er sich 1991 über fehlende Komik in der europäischen Kunst. Zwar sei Rubens mit dem Gemälde, „diesem Gewurstel aus Rössern, Reitern und Matronen […] fast ein Werk der Hochkomik geglückt“, er sei jedoch im Ansatz stecken geblieben.

Loriot betonte mehrfach seine sorgfältige Auswahl von Namen für seine Figuren, für die er sich mehr Zeit nehme als ihm lieb sei.Stefan Neumann: Loriot und die Hochkomik. 2011, S. 288. Mit seiner Endung -mann gehört Blöhmann zu jenen Namen bei Loriot, die nach Allerweltsnamen klingen. Durch seine Ähnlichkeit zum Wort Blödmann beinhaltet er aber auch eine komische Komponente. Daneben ist er ein Beispiel für Loriots Vorliebe für Namen mit den Umlauten Ü und Ö.Felix Christian Reuter: Chaos, Komik, Kooperation. 2016, S. 300–304.

Ausgaben (Auswahl) Bildtonträger Loriots Vibliothek. Band 6: Die Nudel oder die Frau als solche. Warner Home Video, Hamburg 1984, VHS Nr. 6. Loriot – Sein großes Sketch-Archiv. Warner Home Video, Hamburg 2001, DVD Nr. 1 (als Teil von Loriot 1). Loriot – Die vollständige Fernseh-Edition. Warner Home Video, Hamburg 2007, DVD Nr. 4 (als Teil von Loriot IV).

Bücher

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Sketch von Loriot Kategorie:Loriot (Fernsehserie) Kategorie:Radio Bremen (Fernsehen)