James Henry Sidanius (geb. James Brown; * 11. Dezember 1945 in New York City, New York; † 29. Juni 2021 in Cambridge, Massachusetts) war ein afroafrikanischer US-amerikanischer Psychologe und Professor für Afrikanistik und Afroamerikanistik an der Harvard University. Jim Sidanius (1945–2020), John Lindsley Professor of Psychology in memory of William James and of African and African American Studies auf Harvard University, abgerufen am 7. September 2026.Jim Sidanius auf Society for Personality and Social Psychology, abgerufen am 7. September 2026.Vita James H. Sidanius auf russellsage.org, abgerufen am 7. September 2026.

Leben Er wurde als James Brown geboren und wuchs in New York City auf. In jungen Jahren erlebte er, wie Ungleichheit und Unterdrückung in seiner eigenen Gesellschaft funktionierten. Seine prägenden Jahre waren von den Kämpfen der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung gekennzeichnet, mit 16 Jahren wurde er selbst von weißen Polizisten wegen „Insubordination“ geschlagen. Die Erfahrung, Ziel rassistischer Gewalt zu sein, war ein Wendepunkt für ihn. Er engagierte sich fortan aktiv in der Black-Power-Bewegung, der Bürgerrechtsbewegung und der Antikriegsbewegung. 1968 erwarb er einen Bachelor-Abschluss in Psychologie am City College der City University of New York und arbeitete dann als Berater für Jugendliche. 1970 gab er seine US-amerikanische Staatsbürgerschaft auf und reiste nach Kuba, Algerien, Kanada, Frankreich, Deutschland und Dänemark, bevor er sich in Schweden niederließ. Nach seinem Umzug nach Schweden änderte er seinen Nachnamen. Er nahm an der Universität Stockholm das Studium wieder auf und promovierte 1977 in politischer Psychologie. Der Titel seiner Dissertation lautete Cognitive functioning and Socio-political Ideology: Studies in political psychology. Von 1974 bis 1983 lehrte er in verschiedenen Positionen an der Universität Stockholm. Von 1983 bis 1984 war er als Postdoktorand und Gastdozent an der Carnegie Mellon University tätig und anschließend von 1984 bis 1988 als Assistenzprofessor für Politikwissenschaft an der University of Texas. 1988 erhielt er eine unbefristete Professur am Psychologischen Institut der University of California, Los Angeles, wo er die nächsten 18 Jahre verbrachte. Im Jahr 2006 trat Jim der Fakultät der Harvard University bei, wo er bis zu seinem Tod als John Lindsley Professor für Psychologie und als Professor für Afrikanistik und Afroamerikanistik tätig war.

Werk Seine Forschungsschwerpunkte bezogen sich auf die Schnittstelle zwischen politischer Ideologie und kognitiven Funktionen; dabei setzte er sich mit der politischen Psychologie von Geschlecht, Gruppenkonflikten und institutioneller Diskriminierung auseinander, mit dem evolutionären Aspekt der Psychologie von Vorurteilen zwischen Gruppen und der Psychologie des Terrorismus.

An der UCLA entwickelte er zusammen mit Felicia Pratto die Theorie der sozialen Dominanz (SDT). Diese versucht zu erklären, warum gruppenbasierte Unterdrückung ein Merkmal aller Gesellschaften mit wirtschaftlichem Überschuss ist, auch wenn sie sich in unterschiedlichem Ausmaß und entlang der Linien verschiedener Gruppen (z. B. Ethnie, Religion, Klasse) in den jeweiligen Kontexten manifestiert. Mit der SDT wird analysiert, wie individuelle Motive, Gruppendynamiken, institutionelle Praktiken und ideologische Narrative zusammenwirken, um Systeme gruppenbasierter Dominanz und Ungleichheit zu schaffen und aufrechtzuerhalten. Abweichend von gängigen psychologischen Annahmen über die Ursachen von Gruppenkonflikten wird mit der SDT argumentiert, dass gruppenbasierte Vorurteile und Diskriminierung teilweise auf menschliche Evolutionsprozesse zurückzuführen sind, in denen Koalitionen von Männern um den Zugang zu Ressourcen und Partnerinnen konkurrierten. Die Entstehung ethnisch-rassischer Hierarchien sei im Laufe der Evolution als Überlebensmechanismus der menschlichen Spezies selektiert worden, und diese Systeme ethnisch-rassischer Ungleichheit beinhalteten eine dominante oder privilegierte Gruppe an der Spitze und eine klar negative Referenz- oder Minderheitsgruppe am unteren Ende. Im Rahmen der SDT wurde beobachtet, dass Mitglieder marginalisierter Gruppen diesen Ideologien in überraschendem Maße zuzustimmen scheinen. Umgekehrt wirken hierarchieabbauende Ideologien wie die Idee universeller Menschenrechte der Ungleichheit stark entgegen und werden von Institutionen unterstützt, die darauf abzielen, Ungleichheit in der Gesellschaft zu verringern.

Seine Studien zu Geschlechterunterschieden in Bezug auf soziopolitische Einstellungen trugen später zur Invarianzhypothese der Selbstbestimmungstheorie (SDT) bei, der Beobachtung, dass Männer kulturübergreifend tendenziell ungleichheitsfeindlicher eingestellt sind als Frauen. Er entwickelte außerdem die Kontexttheorie, die die kontraintuitive Ansicht vertrat, dass politische Extremisten kognitiv anspruchsvoller seien als gemäßigte Politiker, da die Annahme und Verteidigung extremer Ansichten die sorgfältige Auseinandersetzung mit politischen Inhalten erfordere.

Ehrungen/Positionen 2022: William-James-Fellow-Preis für sein Lebenswerk posthum von der Association for Psychological Science 2021: Distinguished Scientific Applications of Psychology Award der American Psychological Association 2019: Scientific Impact Award der Society for Experimental Social Psychology (SESP) 2014: Career Contribution Award der Society for Personality and Social Psychology 2014: Gordon-Allport-Preis für Intergruppenbeziehungen der Society for the Psychological Study of Social Issues 2013: Career Contribution Award der Society for Personality and Social Psychology (SPSP) 2013: Mitglied der Association for Psychological Science 2010: (Mit)herausgeber der Zeitschrift Political Psychology und der Psychological Review 2007: Mitglied der American Academy of Arts and Sciences 2007: Mitglied der Society for Experimental Social Psychology 2006: Harold-Lasswell-Preis der International Society of Political Psychology 1998: Vizepräsident der International Society of Political Psychology (ISPP)

Privates Er war verheiratet mit Miriam Sidanius; das Ehepaar zog den Sohn namens Che Sidanius aus seiner ersten Ehe groß. Ihm wurde ein vielseitiger Musikgeschmack nachgesagt, er interessierte sich für Fotografie und liebte das Death Valley in Kalifornien.

Publikationen (Auswahl) Monografien Mit S. Levin; C. van Laar; D. O. Sears: The Diversity Challenge: Social Identity and Intergroup Relations on the College Campus. The Russell Sage Foundation, New York 2010, ISBN 978-0-87154-794-1 Mit F. Pratto: Social Dominance: An Intergroup Theory of Social Hierarchy and Oppression. Cambridge University Press, Cambridge 2008, ISBN 978-0-521-80540-7. Mit J. T. Jost: Political Psychology: Key Readings. Taylor & Francis Ltd, Abingdon 2004, ISBN 978-1-84169-069-8. Mit D. O. Sears; L. Bobo: Racialized Politics: Values, Ideology, and Prejudice in American Public Opinion. University of Chicago Press, Chicago 2000, ISBN 978-0-226-74407-0.

Herausgeberschaften Mit John T. Jost: Political Psychology: Key Readings (Key Readings in Social Psychology). Psychology Press, Hove 2004, ISBN 978-1-84169-070-4. Mit David O. Sears; Lawrence Bobo: Racialized Politics: The Debate about Racism in America (Studies in Communication, Media, and Public Opinion). University of Chicago Press, Chicago 2000, ISBN 978-0-226-74407-0.

Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge Mit Lotte Thomsen; Eva G. T. Green: We will hunt them down: how social dominance orientation and right-wing authoritarianism fuel ethnic persecution of immigrants in fundamentally different ways. In Journal of Experimental Social Psychology, 2008, 44 (6), S. 1455–1464. Mit Hillary Haley; Ludwin Molina; Felicia Pratto: Vladimir's Choice and the Distribution of Social Resources. In: Group Processes & Intergroup Relations, 2007, 10 (2), S. 257–265. Mit Hillary Haley: Person-Organization Congruence and the Maintenance of Group-Based Social Hierarchy: A Social Dominance Perspective. In: Group Processes & Intergroup Relations, 2005, 8 (2), 187–203. Mit Colette Van Laar: Social Status and the Academic Achievement Gap: A Social Dominance Perspective. In: Social psychology of education, 2001, 4 (3-4), S. 235–258. Mit Eva G. T. Green; Lotte Thomsen; Christian Staerklé; Polina Potanina: Reactions to Crime as a Hierarchy Regulating Strategy: The Moderating Role of Social Dominance Orientation. In: Social justice research, 2009, 22 (4), S. 416–436. Mit Michael R. Brubacher; Fortunate T. Silinda: RWA, SDO and Race: A Study of Prejudice in South Africa. In: Journal of social and political psychology, 2022, 10 (1), S. 191–200.

Weblinks Manisha Aggarwal-Schifellite: The evolution of bigotry. James Sidanius, who theorized societies are built on ethno-racial hierarchies, dies at 75 auf The Harvard Gazette vom 7. Juli 2021, abgerufen am 7. September 2026. Christopher Federico: Jim Sidanius auf ispp, abgerufen am 7. September 2026. John Jost: A Tribute to Jim Sidanius. Celebrating one of the most influential social scientists auf Psychology Today vom 15. Juli 2021, abgerufen am 7. September 2026.

Literatur J. Sheehy-Skeffington; N. S. Kteily; A. K. Ho; L. Thomsen: James H. (Jim) Sidanius (1945–2021). In: American Psychologist, 2022, 77 (7), S. 868–869.

Einzelnachweise

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