mini|Höhleneingang Fa-Hien Lena (auch Pahiyangala Cave) ist ein großer Felsüberhang und bedeutender archäologischer Fundplatz im Distrikt Kalutara im Südwesten Sri Lankas. Die Fundstelle liegt nahe Bulathsinhala in der feuchten tropischen Zone der Insel und weist Spuren menschlicher Besiedlung auf, die mindestens etwa 45.000 Jahre zurückreichen. Fa-Hien Lena gehört damit zu den ältesten bekannten Fundplätzen des Homo sapiens in Südasien und ist insbesondere für die Erforschung der frühen Anpassung des modernen Menschen an tropische Regenwälder von Bedeutung. Dies ist die größte Natursteinhöhle in Südasien und war über viele Jahrtausende von Menschen bewohnt. Die Höhle und der angrenzende buddhistische Tempel sind heute für Touristen besuchbar.
Lage und Name mini|Landschaft Fa-Hien Lena liegt im Dorf Niggaha-Yatagampitiya etwa 75 Kilometer südöstlich von Colombo. Das lokale Klima ist humid und tropisch. Der nach Osten geöffnete Felsüberhang befindet sich in einer Gneiswand und besitzt einen etwa 30 Meter breiten und durchschnittlich rund 20 Meter hohen Eingang. Der geschützte Innenbereich reicht etwa zehn Meter in den Fels hinein und gliedert sich in zwei größere Bereiche, die in der Forschung als Area A und Area B bezeichnet werden. Im Inneren der Höhle gab es einst natürliche Tunnel, die jedoch mittlerweile verschüttet und unzugänglich sind. Schätzungsweise 3000 Menschen können in der Höhle Platz finden.
Der Name wird mit dem chinesischen buddhistischen Mönch und Pilger Faxian verbunden, der sich zu Beginn des 5. Jahrhunderts mehrere Jahre auf Sri Lanka aufhielt. Nach lokaler Überlieferung soll er während seiner Reise auf der Insel auch die Höhle besucht haben; die Bezeichnung Fa-Hien entspricht einer älteren Umschrift seines Namens. Teile des Felsüberhangs wurden später als buddhistische Tempelanlage genutzt.
Forschungsgeschichte Die archäologische Bedeutung von Fa-Hien Lena wurde 1968 von dem sri-lankischen Archäologen Siran Deraniyagala dokumentiert, wobei menschliche Überreste gefunden wurden. Systematische Ausgrabungen fanden von 1986 bis 1988 unter W. H. Wijeyapala statt. Weitere umfangreiche Untersuchungen wurden zwischen 2009 und 2012 durchgeführt.
Dabei konnte eine lange, allerdings nicht kontinuierliche Nutzung des Felsüberhangs nachgewiesen werden. Die älteste Besiedlungsphase reicht in das späte Pleistozän zurück. Radiokarbondatierungen aus den Untersuchungen von 2009 bis 2012 ergaben für die frühesten Fundschichten einen Zeitraum von ungefähr 48.000 bis 34.000 Jahren vor heute. Weitere Nutzungsphasen sind für das ausgehende Pleistozän und das Holozän belegt.
2023 wurde der Fundplatz erneut ausgegraben. Die 2026 veröffentlichten Ergebnisse bestätigten die frühe Nutzung des tropischen Regenwaldes und erweiterten die bekannte Besiedlungsfolge bis in das späte Holozän. Gleichzeitig zeigten die Untersuchungen mehrere längere Unterbrechungen der Nutzung der Höhle.
Archäologische Funde mini|Archäologische Stätte von Fa-Hien Lena Zu den bedeutendsten Funden gehören fragmentarische menschliche Überreste aus dem späten Pleistozän. Einige der in den 1980er-Jahren geborgenen Überreste wurden in Schichten gefunden, die auf etwa 38.000 bis 30.000 Jahre vor heute datiert werden. Sie zählen zu den ältesten sicher datierten Überresten des anatomisch modernen Menschen in Sri Lanka und Südasien. Die ältesten Fragmente menschlicher Knochenfossilien stammen von drei Kindern, einem Jugendlichen und zwei Erwachsenen, bei denen Anzeichen für eine sekundäre Bestattung zu erkennen sind. Die Leichen waren zuvor der Verwesung und Aasfressern ausgesetzt gewesen, und die Knochen wurden anschließend in Gräbern beigesetzt. Zu den weiteren fossilen Überresten gehören die eines weiteren kleinen Kindes, das auf etwa 6.850 Jahre vor heute datiert wird, sowie die einer jungen Frau (von Archäologen Kalu-Menika genannt), die auf etwa 5.400 Jahre vor heute datiert wird.
Daneben wurden zahlreiche Werkzeuge aus Quarz, darunter kleine Mikrolithen, sowie Geräte aus Knochen und Zähnen gefunden. Untersuchungen der Knochenwerkzeuge ergaben, dass einige der bereits vor etwa 48.000 Jahren verwendeten Spitzen wahrscheinlich als Pfeilspitzen dienten. Die 2020 veröffentlichte Analyse interpretierte sie als den bis dahin ältesten bekannten Nachweis von Pfeil-und-Bogen-Technologie außerhalb Afrikas. Andere Knochen- und Zahnwerkzeuge wurden vermutlich zum Durchbohren, Schaben und Bearbeiten von Pflanzenfasern oder Tierhäuten verwendet. Die Funde lassen auch die Herstellung von Netzen oder anderen aus Fasern bestehenden Gegenständen möglich erscheinen.
Die große Menge an Tierknochen erlaubt Rückschlüsse auf die Ernährung der Bewohner. Bereits in den ältesten Schichten dominierten kleinere Säugetiere, insbesondere Affen und Hörnchen, die gezielt gejagt wurden. Daneben fanden sich Überreste von Reptilien, Fischen und anderen Tieren. Schnittspuren, Brandspuren und die Altersverteilung der erlegten Tiere sprechen für eine systematische Nutzung der Regenwaldfauna. Die jüngsten Untersuchungen bestätigen eine langfristige Ausrichtung der Ernährung auf Ressourcen des tropischen Waldes. Zum Fundmaterial gehören außerdem Ockerstücke sowie durchbohrte Muschelschalen, die als Schmuck verwendet wurden. Da mehrere dieser Muscheln von der Küste stammen, obwohl Fa-Hien Lena im Landesinneren liegt, könnte es Kontakte oder Austauschbeziehungen zwischen im Regenwald und an der Küste lebenden Gruppen gegeben haben.
Bedeutung Fa-Hien Lena hat wesentlich dazu beigetragen, ältere Vorstellungen infrage zu stellen, nach denen tropische Regenwälder für frühe Menschen nur schwer dauerhaft nutzbar gewesen seien. Die Funde zeigen, dass Homo sapiens bereits im späten Pleistozän gezielt kleine, in Bäumen lebende Tiere jagte und dafür spezialisierte Technologien entwickelte.
Zusammen mit anderen sri-lankischen Fundstellen wie Batadomba-lena und Kitulgala Beli-lena bildet Fa-Hien Lena daher eine wichtige Grundlage für die Erforschung der Besiedlung Südasiens und der ökologischen Anpassungsfähigkeit des modernen Menschen. Die langjährige Nutzung des Fundplatzes erlaubt zudem Vergleiche der Jagd-, Ernährungs- und Werkzeugtraditionen vom späten Pleistozän bis in das Holozän.
Weblinks
Fa-Hien Caves Amazing Lanka
Einzelnachweise
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