Westheim ist eine Dorfwüstung in der Gemarkung von Hofgeismar im nordhessischen Landkreis Kassel. Sie befindet sich auf Höhe über NHN etwa 1,5 km nordwestlich des Zentrums der Kernstadt Hofgeismar, unmittelbar südöstlich des Entsorgungszentrums und Recyclinghofs „Kirschenplantage“. Die Flurbezeichnungen Westheimer Feld und Westheimer Grund erinnern an die aufgebenen Siedlung.

Geschichte Die Geschichte des Orts ist bestimmt von Herrschafts- und Besitzansprüchen weltlicher und kirchlicher Herren. Der Ort wurde im Jahre 1123 erstmals urkundlich erwähnt, als Erzbischof Adalbert I. von Mainz dem Kloster Hasungen u. a. eine Schenkung von Grundbesitz in Westen durch den Grafen Adalbert von Schauenburg bestätigte.Die schriftliche Wiedergabe des Ortsnamens änderte sich im Laufe der Zeit: in Westen (1123), in Westheim (1146), Westhem (1210), Westem (Anfang 13. Jahrhundert), in Westhem (1244), in Westhem (1269), Westheym (1272/73), in Westheim (1278), in Westhem (13. Jahrhundert), Westheym (1303), in Westheym (1370, 1376), tho Westheym (ca. 1380) und zuletzt Westhayn (um 1530); siehe Westheim, Kassel, im Historischen Ortslexikon Hessen (LAGIS) Als Erzbischof Heinrich I. 1146 dem Kloster Lippoldsberg eine Schenkung Erzbischofs Adalbert I. von Gütern in Westheim bestätigte, wurde der Ort als villa bezeichnet. Das Kloster erlangte bis 1380 insgesamt vier Hufen in Westheim und behautete diesen Besitz bis zu seiner Auflösung im 16. Jahrhundert. Im Jahre 1210 trugen die Grafen und Brüder Adolf II. und Ludolf III. von Dassel dem Paderborner Bischof Bernhard III. als Entschädigung für unerlaubte Rodungen ihren in Westheim gelegenen allodialen Fronhof (curtis) auf und erhielten ihn als Lehen zurück. 1244 befreite Erzbischof Siegfried III. von Mainz den Besitz des Klosters Hardehausen u. a. in Westheim von allen Diensten und Abgaben; dieser Besitz wurde 1269 um drei Hufen vergrößert, und noch 1376 wurde der Umfang der Güter, die vermutlich vom Hardehäuser Hof in Hofgeismar aus verwaltet wurden, mit drei Hufen angegeben. mini|Kartenblatt Trendelburg, Landesaufnahme von 1857 (Westheimer Feld und Westheimer Grund unten links) Die Edelherren von Schöneberg, Burgmannen und Lehensnehmer des Erzstifts Mainz auf der nahen Burg Schöneberg, erwarben im 13. Jahrhundert zunehmend Grundbesitz in der Umgebung, so auch in Westheim, den sie mehrheitlich an Hofgeismarer Bürger als Afterlehen ausgaben. Die kleine Herrschaft Schöneberg kam jedoch um die Mitte des 13. Jahrhunderts als Kurmainzer Lehen an die Grafen von Dassel, und 1272 verkaufte Graf Ludolf V. von Dassel, auf Druck der mainzischen Stadt Hofgeismar, die gesamte Herrschaft Schöneberg mit Westheim an Kurmainz.

Im Jahre 1303 verpfändete Kurmainz die Vogtei über das Amt Hofgeismar-Schöneberg dem Grafen Otto I. von Waldeck. Dabei wurde Westheim noch als Dorf bezeichnet. Vermutlich fiel es aber kurz danach wüst, als seine Einwohner nach Hofgeismar zogen. Um 1530 wird noch einmal ein Hof zu Westhayn erwähnt.

Fußnoten

Literatur Georg Landau: Historisch-topographische Beschreibung der wüsten Ortschaften im Kurfürstenthum Hessen und in den großherzoglich hessischen Antheilen am Hessengaue, am Oberlahngaue und am Ittergaue. Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, Siebentes Supplement, Theodor Fischer, Kassel, 1858, S. 35 Thomas-Sergej Huck: Das Zisterzienserkloster Hardehausen in Ostwestfalen von seiner Gründung im Jahre 1140 bis in das 15. Jahrhundert. Studien zur Beschaffenheit und Organisation des klösterlichen Besitzes und zur Wirtschafts- und Rechtsgeschichte des Klosters unter besonderer Berücksichtigung siedlungsgeschichtlicher Aspekte. Hänsel-Hohenhausen, Egelsbach, 1998, ISBN 3-8267-2463-1 (= Deutsche Hochschulschriften. Band 2463), Univ. Kassel, Dissertation, 1994, S. 286–287 Jochen Desel: Das Kloster Lippoldsberg und seine auswärtigen Besitzungen. Gutenberg, Melsungen, 1967, S. 173 Heinrich Reimer (Bearb.): Historisches Ortslexikon für Kurhessen (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, Band 14), Elwert, Marburg, 1926, (Unveränderter Neudruck 1974, ISBN 3-7708-0510-0), S. 510 (Digitalisat) Kurt Günther: Territorialgeschichte der Landschaft zwischen Diemel und Oberweser vom 12. bis zum 16. Jahrhundert (Schriftenreihe des Arbeitskreises für Heimatgeschichte, Band 9), Magistrat der Stadt Immenhausen, Immenhausen, 1989 (Dissertation Marburg, 1959), S. 48 Nathalie Kruppa: Die Grafen von Dassel (1097–1337/38). Familie, Besitz und Regesten (= Veröffentlichungen des Instituts für Historische Landesforschung der Universität Göttingen, Band 42; zugleich Dissertation Universität Göttingen, 2000), Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld, 2002, ISBN 3-89534-392-7, S. 320

Weblinks Westheim, Kassel, im Historischen Ortslexikon Hessen (LAGIS)

Kategorie:Wüstung in Hofgeismar