Schlacht von Pirogowka (auch Schlacht an der Desna) war ein Gefecht zwischen 29. Februar und 3. März 1664 an einem Übergang über den Fluss Desna beim Dorf Pirogowka nahe Nowhorod-Siwerskyj und fand während des Russisch-Polnischen Krieges 1654–1667 statt.
Vorbereitung Nach der erfolglosen Belagerung von Hluchiw begann die Führung des polnisch-litauischen Heeres, die nächsten Schritte zu beraten. Die dringendste Aufgabe bestand darin, die beiden Heere, das polnische Kronheer und das litauische Heer, zu vereinigen, da beide getrennt einer großen Gefahr ausgesetzt waren. Johann II. Kasimir brach am 9. Februar von Hluchiw auf und schlug nach einem fünftägigen Marsch sein Lager bei Sewsk auf, zwei Meilen vom Lager des litauischen Heeres entfernt.
Nach dem Zusammenschluss mit den litauischen Truppen fand am 18. und 19. Februar eine zweitägige Beratung der Heerführer und Senatoren statt. Sie war einberufen worden, um endgültige Entscheidungen über den weiteren Verlauf des Feldzuges zu treffen. Nach dem angenommenen Plan sollten inzwischen die Haupttruppen entlang der Grenze stationiert sein, während der König beabsichtigte, seinen Aufenthalt in Nowhorod-Siwerskyj, Starodub oder gegebenenfalls in Mahiljou zu nehmen.Adam Kersten S. 580–582Jerzy Maroń S. 85
Im Hinblick auf die nächsten militärischen Maßnahmen wurde beschlossen, dass Jan Sapieha mit 30 Fahnen unverzüglich nach Korop aufbrechen sollte, wo sich Romodanowski und die Kosakenobersten befanden. Gleichzeitig marschierte ein zehntausend Mann starkes Korps unter dem Kommando von Bidziński und Połubiński in feindliches Gebiet. Ihnen wurden zusätzlich 3000 Tataren sowie mehrere tausend Kosaken zugeteilt. Im Rahmen dieser Operationen kam es tief auf russischem Territorium zur Schlacht bei Kossulitschi.Adam Kersten S. 583
Der Aufbruch der Hauptstreitkräfte aus dem Lager bei Sewsk erfolgte am 21. Februar. Sie marschierten in Richtung Nowhorod-Siwerskyj. Der Weg war recht beschwerlich, und die Überquerung der Desna forderte zahlreiche Opfer. In der Nacht des 26. Februar rückte Czarniecki mit einer vorausgeschickten leichten Abteilung aus, um Nowhorod-Siwerskyj einzunehmen und anschließend über Woronisch gegen Romodanowski vorzustoßen. Bei der Überquerung des Flusses verlor er jedoch 126 Soldaten und kehrte daraufhin zum König zurück. Die Überquerung des Flusses durch die Hauptstreitkräfte war noch gefährlicher, da kosakische Einheiten des Gegners den Übergang unter Beschuss nahmen.
Indem das polnische Oberkommando Czarniecki anwies, sich rasch in die Richtung zu begeben, aus der Romodanowski heranrückte, handelte es im Einklang mit dem neu gefassten Entschluss, die russischen Truppen anzugreifen. Bereits am 23. Februar meldete Jan Sapieha alarmiert, dass Romodanowski auf Woronisch vorrücke. Zugleich schlug er vor, ihm zuvorzukommen, die Stadt zu besetzen und sich dort einschließen zu lassen, während er auf das Eintreffen der übrigen Truppen wartete.
Johann II. Kasimir billigte den Plan des Feldschreibers, doch wurde er durch Romodanowski selbst vereitelt, der sich in Woronisch festsetzte, bevor Sapieha dort eintreffen konnte. Dennoch beschloss man auf der Kriegsberatung vom 25. Februar, gegen die feindlichen Truppen vorzurücken und sie zu einer Feldschlacht zu zwingen. Die Aufklärung sowie die ersten Kampfhandlungen sollte Czarniecki durchführen, wäre er nicht durch die schwierigen Straßen- und Witterungsverhältnisse aufgehalten worden.Adam Kersten S. 583
Die Schlacht Das Aufeinandertreffen der polnischen und russischen Truppen, das die Polen mit Nachdruck angestrebt hatten, erfolgte in der Nacht vom 29. Februar auf den 1. März zwischen Woronisch und Nowhorod-Siwerskyj in Pirogowka, an der Desna. Romodanowski vermied angesichts der erheblichen Überlegenheit des Gegners eine offene Feldschlacht. Alle Versuche der Polen, die russischen Truppen aus ihren Stellungen herauszulocken, scheiterten. Der russische Plan bestand offenbar darin, die polnischen Verbände in die Belagerung oder sogar einen Angriff auf das befestigte Lager (Tabor) hineinzuziehen. Dieses Vorhaben blieb jedoch ebenfalls erfolglos.
Jan II. Kasimir zog daraufhin erneut vor Nowhorod-Siwerskyj und hielt die Truppen Stefan Czarnieckis als Reserve bereit, falls Romodanowski einen Angriff auf die polnischen rückwärtigen Verbindungen unternehmen sollte. Da es nicht gelang, den Gegner zu einer Entscheidungsschlacht zu bewegen, plante man den Rückzug nach Sosnyzja, das zuvor von Jan Sapieha besetzt worden war.
Am 2. März 1664 ließ Brjuchowezkyj mehrere tausend Kosaken über eine Brücke auf das rechte Ufer übersetzen. Dort wurden sie jedoch von den Chorągwie Czarnieckis angegriffen und zurückgeworfen. Die Kosaken verloren dabei über 500 Mann. Zudem wurden mehrere Gefangene gemacht. Polnische Quellen behaupteten sogar, Brjuchowezkyj selbst habe an dem Vorstoß teilgenommen und sei nur knapp entkommen.Babulin, I. B. S. 18
Unerwartet trafen jedoch in der Nacht vom 3. auf den 4. März Meldungen ein, wonach Romodanowski zum Kampf antrete. Die polnischen Truppen wurden sofort alarmiert und in Schlachtordnung aufgestellt. Der Alarm erwies sich jedoch als Fehlmeldung. Abgesehen von einem gelungenen polnischen Hinterhalt an einer Brücke über die Desna kam es zu keiner größeren Kampfhandlung. Russische und kosakische Verbände verließen in den folgenden Tagen ihr befestigtes Lager nicht, sodass eine entscheidende Schlacht ausblieb.
Jan II. Kasimir entschloss sich nicht, mit seinem Heer auf das gegenüberliegende Ufer überzusetzen, sondern wartete auf einen erneuten Versuch Romodanowskis und Brjuchowezkyjs, am rechten Desna-Ufer eine Schlacht zu erzwingen. Noch mehrere Tage lang dauerten Schusswechsel über den Fluss hinweg an. Als der König jedoch durch einen Gefangenen erfuhr, dass Romodanowski keinen Übergang unter dem Feuer der feindlichen Artillerie plante, gab er seine Stellung auf und zog in Richtung Starodub und weiter nach Litauen ab. Nowgorod-Sewerski konnte von der polnisch-litauischen Armee nicht eingenommen werden.Adam Kersten S. 583–584
Folgen Die letzte Gelegenheit, eine Entscheidungsschlacht zu schlagen, war damit verstrichen. Es blieb nur noch, geeignete Winterquartiere auszuwählen. Die litauische Armee sollte in den Raum Starodub und Trubtschewsk verlegt werden, während die Truppen der Krone entlang der Desna zwischen Sosnyzja und Ostr lager beziehen sollten. Zwar bestand formal die Absicht, die Offensive bereits im Frühjahr, also nach wenigen Wochen, wieder aufzunehmen. Tatsächlich handelte es sich jedoch eher um Absichtserklärungen als um realistische Operationspläne. Auf dem weiteren Vormarsch nach Mogiljow wurde Jan II. Kasimir im März in der Schlacht bei Drokow von den Truppen Jakow Tscherkasskis geschlagen.Jerzy Maroń S. 86Adam Kersten S. 584
Literatur Adam Kersten: "Stefan Czarniecki 1599–1665", Lublin 2005. Jerzy Maroń: "Kampania Zadnieprzańska Jana Kazimierza", Toruń 1998. Babulin, I. B.: "Die Verteidigung von Hluchiw gegen die polnische Armee König Jan Kasimirs im Jahr 1664", Slawisches Almanach (Slawjanski Almanach), 2019, Heft 1–2, Moskau 2019.
Einzelnachweise
Pyrohiwka Pyrohiwka Kategorie:Konflikt 1664 Kategorie:Oblast Sumy