Der Konjunktur-Cha-Cha, besser bekannt unter seinem Refrain Geh’n Sie mit der Konjunktur, ist ein satirischer Schlager des Hazy-Osterwald-Sextetts aus dem Jahre 1960, zu Zeiten des deutschen Wirtschaftswunders, von Hochkonjunktur und Vollbeschäftigung im Nachkriegsdeutschland. Der Refrain Geh’n Sie mit der Konjunktur des in Westdeutschland erfolgreichen Schlagers wurde zum geflügelten Wort.Henning Dedekind: Krautrock: Underground, LSD und kosmische Kuriere. Höfen: Hannibal 2008, ISBN 978-3-85445-276-8.

Entstehungszeit mini|Das Hazy-Osterwald-Sextett 1961 Das vordergründig humoristische, tatsächlich aber mit deutlich satirisch-sarkastischem Unterton angelegte Lied zählt zu den Schlagern der Wirtschaftswunderzeit. Die Melodie im Viervierteltakt eines Cha-Cha-Cha stammt ursprünglich von dem französischen Liedermacher Francis Lemarque und dem französischen Komponisten Paul Durand, der sie 1960 für sein Instrumentalstück « Cha-cha des escargots » (Schnecken-Cha-Cha) komponiert hatte.Melodie von Paul Durand auf youtube.com. Der deutsche Text kam von Kurt Feltz, der u. a. auch erfolgreiche Schlager wie Der Theodor im Fußballtor (1948), Ganz Paris träumt von der Liebe (1954) oder den ebenfalls vom Hazy-Osterwald-Sextett interpretierten Kriminal-Tango (1959) geschrieben hatte.

Inhalt Im Lied werden Habgier, Materialismus und Egoismus der Wohlstandsgesellschaft und Wirtschaftswunderzeit angeprangert.

In einem zeitgenössischen kurzen Film, in dem das Sextett das Lied vorträgt, entsteigen fünf vornehme Herren einer schwarzen Limousine. Die Szene zeigt die Insignien des wirtschaftlichen Erfolgs der fünf Männer: einen schwarzen Mercedes-Benz 300, einen deutschen „Straßenkreuzer“ als Inbegriff einer Staatskarosse der damaligen Zeit. Das Fahrzeug hat Weißwandreifen und wird von einem Chauffeur mit Chauffeursmütze gesteuert. Mit vermeintlich quietschenden Reifen hält der Wagen an und ihm entsteigen fünf identisch gekleidete, ältere Herren. Alle tragen dunkle Anzüge mit Einstecktuch, weiße Handschuhe, schwarze Schuhe, weißes Hemd mit Krawatte. Jeder trägt einen Bowler, eine schwarze Aktentasche und einen schwarzen Regenschirm.

Der Liedtext prangert Selbstbedienungsmentalität, Ellenbogengesellschaft und Mitläufertum an, indem die fünf Männer zu einem Festbankett gehen, wo bereits sechs andere, identisch gekleidete ältere Herren sitzen. Dabei singen sie „nehm’ Sie sich Ihr Teil, sonst schäm‘ Sie sich und später geh’n Sie nicht zum großen Festbankett“. Zwischendurch spricht ein sechster Sänger in der Livree eines Butlers gekleidet mehrfach die Worte „geh’n Se mit“.

Nachdem die fünf am Tisch Platz genommen haben, entwickelt sich eine Art Wechselgesang mit dem Butler, wobei letzterer die Worte spricht „man ist, was man ist, nicht durch den inneren Wert“, auf den die Herren mit „den kriegt man gratis, wenn man Straßenkreuzer fährt“ reagieren. Es folgt der Satz „man tut, was man tut nur aus dem Selbsterhaltungstrieb“ vom Butler, beantwortet von den Herren mit „denn man hat sich nur selber lieb“.

Schließlich stehen die fünf wieder auf und gehen zu einem Roulette-Tisch, wo sie die Zuhörer auffordern, sich ihre „Kohlen wieder“ zu holen. Dabei erwähnen sie explizit „den Krupp-von-Bohlen“, dem man es damit gleich tun solle. Gemeint war Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, der als oberster Repräsentant des Rüstungsunternehmens Krupp und als Unterstützer des NS-Regimes nach Ende des Zweiten Weltkrieges 1947 im Krupp-Prozess angeklagt und als Kriegsverbrecher zu zwölf Jahren Haft verurteilt wurde. Es folgt eine Szene am Roulette-Tisch, an dem der Croupier mit einem Rechen die Jetons einsammelt und dabei immer wieder die Worte „Pinke, Pinke“ sagt, während die Herren „auf die gute, neue Zeit“ schwören. Das Lied endet mit der Zeile: „Geld, das ist auf dieser Welt der einz’ge Kitt, der hält, wenn man davon genügend hat“.

Rezeption Als höchste Chartplatzierung erreichte der Konjunktur-Cha-Cha in der Bundesrepublik Rang 40, wo er sich zwei Wochen halten konnte.Hazy-Osterwald-Sextett: Konjunktur-Cha-Cha auf Offizielle Deutsche Charts. 1988 erschien das Lied nochmals als Single in einer Hit Come Back-Version bei Polydor.Hazy Osterwald-Sextett - Hit Come Back 239 auf 45cat.com.

1966 hatte das Hazy-Osterwald-Sextett einen weiteren Hit mit dem gleichfalls satirischen (Wirtschafts-)Titel Der Fahrstuhl nach oben ist besetzt [Sie müssen warten].Das Hazy Osterwald Sextett – Der Fahrstuhl nach oben ist besetzt auf youtube.com.

1993 brachte die deutsche Punk-Band Abstürzende Brieftauben eine Coverversion heraus, die als Titel den Refrain hatte.Geh’n Sie mit der Konjunktur von Abstürzende Brieftauben auf youtube.com. In der 2011 entstandenen deutschen Filmtragikomödie Almanya – Willkommen in Deutschland kommt das Lied am Anfang vor.Almanya – Willkommen in Deutschland. Didaktiserungvorschlag des Goethe-Instituts Paris auf goethe.de.

1982: Bruttosozialprodukt Die Neue-Deutsche-Welle-Band Geier Sturzflug hatte 1982 großen Erfolg mit einem ähnlichen Thema: Ihr bereits 1978 erstveröffentlichter Hit BruttosozialproduktGeier Sturzflug - Bruttosozialprodukt (ZDF Hitparade 30.05.1983) auf youtube.com. erreichte 1982 Platz 1 der deutschen, österreichischen und Schweizer Musikcharts.

Auch bei diesem Lied wurde der Refrain zum geflügelten Wort: „Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt“.

Weblinks

vollständiger Liedtext auf songtexte.com. Film von 1961 auf youtube.com.

Einzelnachweise

Kategorie:Lied 1960 Kategorie:Schlager (Lied) Kategorie:Lied von Kurt Feltz Kategorie:Wirtschaft (deutsche Nachkriegszeit)