Der Grausaltator (Saltator coerulescens) ist eine Vogelart aus der Familie der Tangaren (Thraupidae), die in Kolumbien, in Ecuador, in Peru, in Bolivien, in Brasilien, in Paraguay, in Uruguay und in Argentinien verbreitet ist. Der Bestand wird von der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern) eingeschätzt. Lange Zeit wurde der Karibiksaltator (Saltator olivascens , 1849) und der Mexikosaltator (Saltator grandis ( 1830)) als Unterarten des Grausaltators betrachtet.Proposal (879) to South American Classification Committee Treat Saltator coerulescens as two or three species
Merkmale Der Grausaltator hat einen gräulichen Oberkopf sowie einen cremeweißen Überaugenstreif, der vom Schnabel bis über die Ohrdecken reicht. Die Zügel, das Gesicht und die Ohrdecken sind graubraun gesprenkelt. Die Oberseite ist gräulich, wobei die Federn im frischen Gefiederfeine weiße Ränder aufweisen. Der Bürzel ist matt graubraun, die Steuerfedern matt schwärzlich grau. Die Handdecken und die Armschwingen haben hellere Säumen an den Außenfahnen. Er hat einen schwärzlichen Bartstreif, eine cremeweiße Kehle, eine graue Brust und einen grauen Bauch. Der hintere Bauchbereich und der Bereich um die Kloake sind matt zimtfarben. Die Unterflügeldecken sind matt zimtfarben und schwärzlich grau. Es besteht kein Geschlechtsdimorphismus. Die Iris ist braun, der Schnabel schwarz und die Beine und Zehen schwärzlich bis bleigrau. Jungvögel wirken besonders am Kopf olivfarbener als Altvögel. Die Schwingen haben grüne Säume, der Überaugenstreif ist blass zitronengelb, die Brust mit einem Hauch ockergelb und die Unterschwanzdecken blass zimtfarben.Harold Francis Greeney III u. a. (2021)
Lautäußerungen Der Pfeifgesang des Grausaltators ist eine kurze melodische Phrase, die aus einer Reihe wiederholter, weicher Pfeiftöne besteht. Sie endet typischerweise mit einem längeren Pfeifton, der meist abfallend moduliert ist und bisweilen rau klingt, aber auch ansteigend verlaufen kann. Die Gesangsphrase ist recht variabel, umfasst jedoch typischerweise 4 bis 6 kurze Pfeiftöne vor dem abschließenden langen Ton, dauert etwa 2 Sekunden und wird alle paar Sekunden wiederholt. Ein weiterer Stottergesang ist eine laute, rasche Abfolge metallisch klingender schimpfartiger Laute. Eine Strophe besteht typischerweise entweder aus einer einzigen, wiederholten Note oder aus einer Kombination verschiedener, wiederholter Töne. Die Strophe dauert etwa 2 bis 3 Sekunden und kann mehrmals in Abständen von einigen Sekunden wiederholt werden. Dieser Gesangstyp ist weitaus seltener zu hören als der Pfeifgesang und wird häufig im Duett vorgetragen. Der Pfeif- und der Stottergesang werden häufig von zwei Vögeln gleichzeitig vorgetragen. Dies geschieht entweder im wechselseitigen Gegen- oder Antwortgesang oder durch gleichzeitigen Gesang, sei es synchron oder asynchron. Dazu gibt er kurze stakkatoartiges tschink oder tschin-Laute von sich, die in Abständen wiederholt wird. Sie sind ziemlich variabel, aber typischerweise recht tief bis runter auf 2 kHz und mehrstimmig. Erweitert wird das Repertoire durch kurze hoher Tsit!-Rufe, die sich im Sonogramm als mehrstimmiger Ton mit unklarer V-Form darstellt werden. Diese werden mit einer Frequenz von etwa 6 bis 9 kHz vorgetragen. Auch andere Einzeltöne aus den Liedphrasen können isoliert geäußert werden, doch gibt es keinen wirklich dominanten Ton, der als eigenständige Lautäußerungsform hervorsticht.
Der Gesang ist das ganze Jahr über zu hören. Er singt vorwiegend am Vormittag und in geringerem Maße am späten Nachmittag, ohne eine deutliche Vorliebe für die Dämmerungszeiten zu haben. Gesang und Ruf werden vorwiegend von einer Sitzwarte in mittlerer Baumhöhe sowie aus den oberen Bereichen von buschiger Vegetation und kleinen Bäumen vorgetragen. Das Vorhandensein zweier Gesangstypen deutet auf geschlechtsspezifische Rollen hin, wobei das Männchen den Pfeifgesang und das Weibchen den Stottergesang vorträgt. Hier sind jedoch weitere Untersuchungen erforderlich, um die stimmlichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern hinsichtlich der Gesänge und des Duetts zu klären.
Fortpflanzung Die Brutsaison des Grausaltators variiert vermutlich stark im gesamten großen Verbreitungsgebiet dieser Art. Aus Argentinien weiß man, dass er dort von Ende Oktober bis Anfang Januar brütet, aus Kolumbien im Zeitraum April bis August. Das massig napfförmige Nest ist aus Zweigen und Blättern gebaut und wird mit Fasern und feinen Wurzeln ausgekleidet. Es ist gut verborgen in 1,5 bis 4 Meter Höhe über dem Boden in einem Strauch oder kleinen Baum platziert. Der Außendurchmesser ist 11 bis 16 Zentimeter, der Innendurchmesser 7 bis 9 Zentimeter und die Tiefe 3 bis 5 Zentimeter. Ein Gelege besteht a zwei oder drei leuchtend blauen Eiern, die insbesondere am dickeren Ende einen Kranz aus schwarzen Punkten, Schnörkeln und Flecken aufweisen. Die Brutzeit beträgt 13 bis 15 Tage, wobei beide Geschlechter die Eier bebrüten. Die Nestlinge werden nach 18 bis 19 Tagen flügge. Möglicherweise ist er gelegentlich ein kooperativer Brüter mit Helfern. In Argentinien wurde beobachtet, wie der Seidenkuhstärling (Molothrus bonariensis) das das Nest des Grausaltators parasitiert.
Verhalten und Ernährung Der Grausaltator ernährt sich von Früchten, Pflanzenteilen und kleinen Wirbellosen. Er ernährt sich hauptsächlich von pflanzlicher Kost wie Früchten, Blüten, Nektar, Knospen und zarten Blättern. Zudem frisst er langsam sich fortbewegende wirbellose Tiere. Eine Studie im Tiefland Argentiniens ergab, dass die Art als Allesfresser sowohl Samen als auch Insekten zu sich nimmt. Auch sucht er Gärten auf, um dort angebaute Bohnen und Tomaten zu fressen. In Brasilien wurde zudem beobachtet, wie er Blütenblätter von Ceiba pubiflora sowie Nektar von Combretum lanceolatum verzehrte. Seine Nahrungssuche erfolgt in allen Vegetationsschichten, wenngleich er oft singend in der oberen Baumkronen das Geschehen beobachtet. Bei der Nahrungssuche ist er einzeln oder in kleinen Gruppen unterwegs, bisweilen in gemischten Schwärmen.
Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet des Chacosaltators (grün) Der Grausaltator nutzt eine große Vielfalt an Lebensräumen. Darunter sind tropisches Trockengebüsch, jüngere Flussinseln im Amazonasgebiet sowie Galerie- und Uferwälder. Gewöhnlich bewegt er sich nicht im Inneren geschlossener Wälder. In Verbindung mit diesen Habitaten kommt er gewöhnlich an Waldrändern und in Sekundärvegetation vor. Zudem ist er in vom Menschen geprägten Landschaften wie Kaffee-, Zuckerrohr- und Maisplantagen, Gärten sowie städtischen Parks anzutreffen. Die Art kommt im Allgemeinen in Höhenlagen bis 1300 Meter vor, in Kolumbien jedoch bis auf 1.600 Meter. In anderen Teilen Südamerikas reicht ihr Verbreitungsgebiet von Meereshöhe bis auf 1.200 Meter in Peru und 1.300 Meter in Ecuador, sowie in Bolivien lokal bis auf 1.500 Meter.
Unterarten Es sind folgende Unterarten anerkannt: Saltator coerulescens azarae , 1840Alcide Dessalines d’Orbigny (1840), S. 287.Zur Publikationsgeschichte siehe Edward Clive Dickinson u. a. (2018a) S. 127–128, Edward Clive Dickinson u. a. (2018b) S. 281 kommt vom tropischen östlichen Kolumbien über Ecuador, Peru, dem nördlichen Bolivien und westlichen Amazonasbecken Brasiliens nördlich des Amazonas bis vermutlich nördlich an den Rio Negro vor. Die Unterart ist auf der Oberseite durchgehend schwärzlich statt grünlich braun. Der Schwanz und die Flügel sind schwarz statt braun, und die Schwungfedern sind bläulich weißlich statt grün gesäumt. Der länglicher geformte Schnabel ist an der Spitze deutlich spitzer und schwarz statt dunkel. das Weibchen wirkt etwas matter. Saltator coerulescens mutus , 1856Philip Lutley Sclater (1840), S. 72–73. ist im nördlichen Brasilien am Unterlauf des Amazonas bis auf die Insel Mexiana und die Bundesstaaten Amapá und den Norden Maranhãos verbreitet. Die Unterart ähnelt S. c. azarae ist jedoch an der Unterseite und im Bereich der Kloake heller gefärbt, wobei der Farbton eher zu Ockerbeige als zu sattem Ocker tendiert. Saltator coerulescens superciliaris (, 1825)Johann Baptist von Spix (1825), S. 44, Tafel 57. ist im nordöstlichen Brasilien vom südlichen Piauí bis ins nördliche und östliche Bahia verbreitet. Die Subspezies ist kleiner als die Nominatform. Sie ist auf der Oberseite weniger olivfarben, hat eine schiefergraue statt olivgraue Kopfseiten, eine reinweiße nicht gelbbraune Kehle, eine hellgraue statt olivgrau bis gelbbraun graue Brust sowie ein deutlich kleineren und blassen gelbbraunen Bauchbereich. Auf der Unterseite steht die Form der Unterart S. c. mutus näher und ähnelt ihr stark, unterscheidet sich jedoch durch eine blassere, gräuliche Färbung an Vorderhals und Brust, während die Oberseite deutlich heller ist. Diese ist schiefergrau statt bleigrau, mit einem leichten Olivton am Bürzel und den Schwanzdecken. Saltator coerulescens coerulescens , 1817Louis Pierre Vieillot (1817), S. 105–106. kommt vom östlichen Bolivien über Paraguay, das südwestliche Brasilien, Uruguay bis ins nördliche Argentinien vor.
Migration Der Grausaltator ist überwiegend ein Standvogel. Im Süden Brasiliens wurde festgestellt, dass sich beringte Vögel nur wenig zwischen Waldfragmenten bewegen.
Etymologie und Forschungsgeschichte mini|links|Tafel mit Saltator coerulescens superciliaris und Papageischnabelsaltator (Saltator fuliginosus) illustriert von Johann Baptist von Spix Die Erstbeschreibung des Goldschnabelsaltators erfolgte 1817 durch Louis Pierre Vieillot unter dem Namen Saltator coerulescens. Als Verbreitungsgebiet gab er Paraguay an. Er bezog sich dabei auf Habia de la veja blancaFélix de Azara (1802), S. 344–348. von Félix de Azara. 1816 führte Louis Pierre Vieillot die neue Gattung Saltator ein.Louis Pierre Vieillot (1816), S. 32.Die Gattung wurde für den Buntkehlsaltator (Saltator maximus (, 1776)) eingeführt. Das Wort leitet sich von ab.Saltator The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Der Artname coerulescens leitet sich von ab.coerulescens The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Azarae ist Félix de Azara gewidmet. Mutus hat seinen Ursprung in mutus The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling, superciliaris in .superciliaris in The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay einen Balg, gesammelt von Eugen Josef Robert Schuhmacher (1906–1973) in Puerto Sastre im Gran Chaco, zur Verfügung. Im Münchner Museum befanden sich noch zwei weitere Exemplare aus Bernalcue bei Asunción und eines aus dem Departamento Concepción. Er betrachtete Saltator coerulescens coerulescens als Unterart für das Land. In der Literatur sah er in Fortín Page am Río PilcomayoJohn Graham Kerr (1892), S. 125 und in Waikthlatingmayalwa im Gran Chaco sowie in ConcepciónJohn Graham Kerr (1901), S. 223. durch John Graham Kerr, in Puerto PinascoClaude Henry Baxter Grant (1911), S. 94. im Departamento Presidente Hayes durch Claude Henry Baxter Grant sowie in Monte Sociedad von Félix Posner (1873–?1930) gesammeltArnaldo de Winkelried Bertoni (1930), S. 255. und durch Arnaldo de Winkelried Bertoni beschrieben, Nachweise für das Land.Alfred Laubmann (1940), S. 124–125.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Anmerkungen
Kategorie:Tangaren