San Maffio, auch San Matteo Apostolo, war zunächst ein Benediktinerinnen-, dann ein Zisterzienserinnenkloster auf der Insel Mazzorbo in der nördlichen Lagune von Venedig, das bis ins frühe 13. Jahrhundert zurückreicht. Namensgeber war der Apostel Matthäus. Der Klosterkomplex war eines von elf religiösen Bauwerken, die insgesamt auf Mazzorbo standen.Diese waren San Pietro, San Bartolomeo, Sant’Angelo, Santo Stefano e Santi Cosma e Damiano sowie die Klöster Santa Eufemia, San Maffio, Santa Maria Valverde, Santa Maria delle Grazie und Santa Caterina. Das Kloster entstand ab 1218 zunächst auf der später untergegangenen Insel Costanziaco, von wo die Nonnen Ende des 13. Jahrhunderts nach Mazzorbo umziehen mussten. Das Kloster wurde unter Napoleon aufgelöst und nach 1810 abgerissen. Dort, wo das Kloster stand, wurde vor 1928 der Canale di S. Margherita ausgehoben.

Geschichte Gründung als Benediktinerinnenkloster auf Costanziaco Mit dem Ziel, ein Benediktinerinnenkloster zu gründen, stellte Stefano Natali, Bischof von Torcello (1216–1254), im Jahr 1218 eine Urkunde aus, wodurch den drei Ordensschwestern Maria da Canale, Richelda Zancarolo und Maria da Zara die Übernahme einer Kirche gestattet wurde, die ursprünglich zu Ehren des Apostels Matthäus geweiht war. Diese befand sich auf der Insel Costanziaco. An der Schenkung beteiligte sich auch sein Schwager Niccolò mit der Kirche Santi Sergio e Bacco auf Costanziaco, in dessen Pfarrei sich die Matthäuskirche befand. Dort sollte für immer die Benediktsregel gelten. Außerdem sollte dem Bistum Torcello jährlich ein festgelegter Geldbetrag gezahlt werden.

Die Nonnen folgten der Regel der Benediktiner in Verbindung mit derjenigen der Zisterzienser. Dies bedurfte jedoch einer päpstlichen Bestätigung, daher wandten sie sich an Papst Gregor IX. Dieser beauftragte den Bischof von Torcello mit der Einrichtung des Zisterzienserordens im neuen Kloster. Als ihn jedoch ein Bericht des Bischofs darüber in Kenntnis setzte, dass das neue Kloster zu nahe an einem Kloster eines anderen Ordens, nämlich an San Tommaso di Torcello, liege und die Gründung folglich gegen dessen Statuten verstoße, die einen gewissen Abstand zwischen Klöstern unterschiedlicher Ordenszugehörigkeit vorschrieben, setzte er die Ausführung seiner Entscheidung sofort aus, wie Flaminio Corner berichtet. Erst nachdem offiziell die Entfernung gemessen worden war, erging am 26. April 1233 ein neues apostolisches Dekret, das die Klostergründung nun doch erlaubte. Diese erfolgte am 12. März 1235. Mittels Indulgenzen förderte der Papst am 24. September 1238 die Einrichtung; die Päpste Innozenz IV., Alexander IV. und Urban IV. förderten das Kloster ebenfalls (1247, 1255 und 1262). Auch der Bischof von Chioggia, Andrea Dotto, sowie Andrea da Padova (1322–1337), später Patriarch von Grado (1337–1355), unterstützte das Kloster mittels Indulgenzen.Giuseppe Cappelletti: Le chiese d’Italia dalla loro origine sino ai nostri giorni, Bd. 10, Venedig 1854, S. 365 (Digitalisat).

Umzug nach Mazzorbo, Benediktiner und Zisterzienser, Interdikt (1301) Die drastischen ökologischen Veränderungen in der nördlichen Lagune mit ihrem steigenden Wasserspiegel erschwerten nach und nach das Leben auf Costanziaco so sehr, dass sich die Nonnen nach einem neuen Ort für ihr Kloster umsehen mussten. Dazu brauchten sie jedoch die Erlaubnis des Bischofs „Alirone“ (Alerone de Riccardi (1291–1303)), der den Umzug und ihr neues Domizil auf Mazzorbo genehmigte und am 21. Januar 1298 sogar den Grundstein für das Kloster am neuen Standort legte. Doch nun wehrten sich die benachbarten Pfarreien San Pietro und Sant’Angelo gegen die Ansiedlung und der besagte Bischof Alirone wandte sich im Einvernehmen mit seinen Kanonikern gleichfalls gegen das Nonnenkloster. Er behauptete, er sei um die festgelegte Rente betrogen worden. Die Streitigkeiten wurden schließlich durch ein Urteil der beiden Patriarchen Pietro (Correr) von Konstantinopel (1289–1302) und Egidio von Grado (1295–1310) beendet, die beide in Venedig residierten. Worin genau der Kompromiss lag, erwähnt Flaminio Corner nicht,Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 592. doch führt er aus, dass sich nun die Nonnen wehrten, die vom Bischof schließlich dem Interdikt unterworfen wurden. Die Nonnen legten ihrerseits am 1. August 1301 Einspruch bei Papst Bonifatius VIII. ein. Dieser entschied sich zugunsten der Zisterzienserinnen, doch sollte das Kloster abgespalten vom Orden fortbestehen. Der Streit schwelte über Jahrzehnte fort, bis die Frauen vor dem 1347 in Lyon versammelten Generalkapitel des Zisterzienserordens erreichten, dass sie wieder in den Orden aufgenommen und der Gerichtsbarkeit und Leitung des Abtes von Chiaravalle della Colomba im Ordensbezirk Piacenza unterstellt wurden.

Damit waren auch regelmäßige Visitationen verbunden, wie etwa im Jahr 1467, als Giovanni, Abt von Fossanova und Reformatore Generale aller Zisterzienserklöster Italiens, feststellte, dass das Kloster San Matteo infolge der schlechten Leitung der Äbtissin in Unordnung geraten sei. Außerdem sah er sich nicht in der Lage, die Gemeinschaft durch Ermahnungen wieder zur Pflichterfüllung zurückzuführen. So entließ er die Äbtissin aus ihrem Amt und setzte an ihre Stelle Chiara da Mula, Äbtissin des venezianischen Klosters Santa Maria della Celestia, die die harschen Reformen durchsetzte. Auf Ersuchen des Senats befasste sich der Papst mit den Zuständen im Kloster, der 1469 in einem apostolischen Brief den Patriarchen Maffeo Gherardi anwies, die Reform und Korrektur von San Matteo di Mazorbo in Angriff zu nehmen. Offenbar genügte dies der kirchlichen Leitung nicht, und so beauftragte Papst Alexander VI. den Patriarchen Tommaso Donato und noch dessen Nachfolger erneut mit dieser Aufgabe.

Bei derlei Auseinandersetzungen schreckte man auch nicht vor Gewalt zurück. Eine Elisabetta Steno wurde 1382 Äbtissin im Kloster, wie Emmanuele Antonio Cicogna konstatiert. Sie hatte die abgesetzte Äbtissin Cecilia Barbaro abgelöst. Ein gewisser Donato Barbaro, ein Verwandter der letzteren, versuchte Steno daraufhin mit Waffengewalt zu entführen und sie nach Venedig zu verschleppen.Emmanuele Antonio Cicogna: Delle Inscrizioni Veneziane, Bd. 6, Tipografia Andreola, Venedig 1853, S. 67 (Digitalisat).

Die Zahl der Nonnen im Kloster wuchs dennoch, auch durch Zuzug von Torcello. Leo X. wies den Patriarchen Antonio Contarini an, das beinahe verfallene dortige Zisterzienserinnenkloster Santa Margherita, in dem nur noch acht Nonnen lebten, mit San Maffio zu vereinen. Contarini veranlasste dementsprechend am 22. Mai 1521 den Umzug der verbliebenen Nonnen nach Mazzorbo, wo sich über fünfzig Ordensschwestern befanden.

Corner schildert nach der Vereinigung der beiden Klöster und der ausführlichen Schilderung der Auseinandersetzungen sowohl auf Torcello als auch auf Mazzorbo nur noch, welche Reliquien sich in dem Kloster befanden. Dabei nennt er den Oberarm des Johannes Chrysostomos, ein Knochenstück der heiligen Margareta von Antiochia, dann Knochen der unter Herodes getöteten Kinder von Bethlehem sowie den Leichnam des Heiligen und Märtyrers „Emilian“ (Aemilianus von Durostorum (?), † 362), der aus den römischen Katakomben stammte.Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 594.

Aus den Akten der Provveditori sopra i Monasteri, die vor allem die Frauenklöster beaufsichtigten, geht hervor, welche Auswirkungen die verbreitete Praxis hatte, diejenigen Töchter ins Kloster abzuschieben, deren Aussteuer die Familie nicht aufbringen wollte oder konnte. Unabwendbar wurde die Einmischung der Provveditori, wenn es um die Frage des Geschlechtsverkehrs mit Nonnen ging, insbesondere, wenn es dabei zu einer Schwangerschaft kam. Am 24. Juli 1564 erhielten die Provveditori einen Brief der Äbtissin des Klosters San Maffio, in dem diese sich über die Schwestern Giustina und Catherina Corner beklagte – sie entstammten einer der angesehensten Familien der Stadt. Caterina hatte einen Sohn zur Welt gebracht, doch hatten ihre einflussreichen Verwandten dafür gesorgt, dass es nicht zu einer offiziellen Reaktion kam. Als auch die Schwester sich in „skandalöser“ Weise verhielt, verlangten die übrigen Nonnen am 2. April 1565 ihre Entfernung aus dem Haus. Die Provveditori entsandten einen Unterhändler zum in ihren Augen eher kompromissbereiten Patriarchen, um die Rückkehr der beiden Schwestern zu verhindern, was für weitere Unruhe im Kloster gesorgt hätte. Der Patriarch bevorzugte die Rückkehr der beiden, wenn sie auch einige Jahre im dortigen Gefängnis verbringen sollten. Über den weiteren Fortgang ist nichts bekannt.

Auflösung unter Napoleon, Abriss Unter Napoleons Vizekönig wurden 1806 die Nonnen von San Maffio, ebenso wie die von San Daniello, ins Kloster Santa Maria della Celestia verbracht, ein Kloster, das ab 1810 gleichfalls sukzessive abgerissen wurde.Giovanni Correr: Venezia e le sue lagune, Bd. II, Teil II, Antonelli, Venedig 1847, S. 582. Auch San Maffio wurde abgerissen, die erfassten 92 Gemälde sind verloren gegangen.Abschnitt San Matteo Monastery, imagesofvenice.com. 1928 wurde ein Kanal eröffnet, der in den Jahren zuvor als Verbindung zwischen anderen Kanälen ausgehoben worden war. Damit verschwand das Gelände des Klosters endgültig.

Literatur Lina Frizziero: San Maffio di Mazzorbo e Santa Margherita di Torcello (Inventari delle carte del secolo XIII. Archivi ecclesiastici. Diocesi Torcellana) (= Civiltà veneziana. Documenti, 1), Fondazione Giorgio Cini, Leo S. Olschki, Florenz 1965. Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 590–594. (Digitalisat)

Weblinks Enrico Comastri: Mazzorbo scomparsa, Abschnitt Monastero di San Matteo (S. Maffio)

Anmerkungen

Kategorie:Zisterzienserkloster in Italien Maffio di Mazzorbo Maffio di Mazzorbo Venedig Venedig Kategorie:Ehemaliges Benediktinerinnenkloster in Italien Kategorie:Ehemaliges Zisterzienserinnenkloster