Open Air: The Complete Saxophone Quartet Compositions of Julius Hemphill ist ein Musikalbum von Marty Ehrlich. Die 1997 und 2025 entstandenen Aufnahmen erschienen am 28. August 2026 auf Out of Your Head Records. Diese Aufnahmen in verschiedenen Besetzungen vereinen die vierzig bekannten Kompositionen für Saxophonquartett von Julius Hemphill (1939–1995). Diese Werke entstanden zwischen 1978 und 1989 meist für Aufführungen mit dem World Saxophone Quartet.

Hintergrund mini|Marty Ehrlich (2011) Der Multiinstrumentalist Marty Ehrlich ist seit Langem fester Bestandteil der New Yorker Musikszene und wirkte seit den 1980er-Jahren in unzähligen Ensembles mit. Er ist emeritierter Professor am Hampshire College in Amherst; nach dem Ende seiner akademischen Laufbahn widmete er sich verstärkt der Würdigung seines einstigen Mentors Julius Hemphill (1938–1995) als Komponist. Diese Tätigkeit war zum Teil Archivarbeit, notierte Jon Turney: Er hat die Sichtung von Hemphills Nachlass an der New York University geleitet, darunter 250 Kompositionen Hemphills.

Zuvor war Ehrlich von 1996 bis 2006 musikalischer Leiter des Julius Hemphill Saxophon-Sextetts und Kurator der Julius-Hemphill-Komponistenporträt-Konzerte. Er war außerdem Koproduzent der Ausgabe von Hemphills Archiv-Boxset The Boyé Multi-National Crusade for Harmony (Archival Recordings (1977–2007)) (New World, 2021), der Neuauflage von Hemphills Meisterwerk Dogon A.D. (New World, 2026) und veröffentlichte 2026 eine Duo-Aufnahme mit Hemphill aus dem Jahr 1982: Circle the Heart (Relative Pitch Records, 2026).

Seit Hemphills Tod vor 30 Jahren hat Ehrlich außerdem verschiedene Aufnahmeprojekte geleitet. Sein Projekt Open Air dokumentiert 40 Kompositionen für vier Holzblasinstrumente – das Vermächtnis des beeindruckenden World Saxophone Quartet, jener Gruppe, die Hemphill 1977 mit Oliver Lake, Hamiet Bluiett und David Murray ins Leben rief und für die Hemphill der häufigste Komponist war.

Rund zwei Drittel dieser Stücke sind aus den Glanzzeiten des World Saxophone Quartet bekannt, die übrigen wurden bisher noch nicht aufgenommen. Das Album umfasst insgesamt 42 Titel, darunter eine Wiederholung und eine Bonuskomposition aus einem früheren Projekt Ehrlichs. Einige Stücke basieren auf verschlungenen Saxophonlinien, andere auf Riffs, wieder andere sind vollständig instrumentierte Ausführungen, die sich stärker an klassischen Konventionen orientieren, notierte Jon Turney.

Die Kompositionen wurden in unterschiedlichen Formationen aufgenommen. Die Solisten sind Allan Chase (One/Waltz / Time, Sweet D), Rob DeBellis (Untitled), Marty Ehrlich (Bayou Sketches, Georgia Blue, Sweet D, Revue, Choo-Choo), Brian Landrus (Bumpkin, Revue), Jeff Lederer (Plain Song) und Jason Robinson in Ji-Ji Tune, My First Winter (#2).

Titelliste Marty Ehrlich: Open Air: The Complete Saxophone Quartet Compositions of Julius Hemphill Open Air (for Tommy) 2:50 Revue 4:17 R & B 1:32 My First Winter (#1) 2:36 Orator 1:32 Touchic’ 3:02 Hearts 2:28 Another Feeling 1:56 Funny Paper 0:57 New Prayers 2:29 Untitled 2:21 Stick 2:32 What I Know Now 4:17 Pillars Latino 3:33 Bayou Sketches 3:42 Dar El Sudan 1:31 Cool Red 3:15 Affairs of the Heart 2:58 Steppin’ 2:04 Plain Song 2:15 Sweet D (for David Murray) 3:39 Children’s Song 4:10 Romance in Time 1:44 Slide 3:45 Functions 2:50 Ink 2:21 One/Waltz/Time 3:35 Bumpkin 4:23 Border Town (San Antonio, TX) 3:04 Big Foot 2:38 Flair 1:22 Georgia Blue (for Joanne Robinson-Hill) 3:51 Little Samba 2:24 Dream/Scheme 3:21 Ji Ji Tune 3:21 Choo Choo 2:37 Fixed Signs 2:50 Impulse 1:21 Connections 2:37 Loopology 1:29 My First Winter (#2) 1:48 Void (Ehrlich) 1:09

Wenn nicht anders vermerkt, stammen die Kompositionen von Julius Hemphill.

Besetzung und Aufnahmedaten Marty Ehrlich – Sopran-, Alt-, Tenorsaxophon, Klarinette, Flöte, Altflöte; Rob DeBellis – Sopran-, Tenor-, Baritonsaxophon, Klarinette, Altklarinette, Bassklarinette, Flöte. (Affairs of the Heart, Border Town, The Children’s Song, Fixed Signs, Flair, Ink, Little Samba, Loopology, New Prayers, Open Air (for Tommy), Steppin’) Aufgenommen von Carter McLean, 15. Januar 2025 – Heimstudio. Marty Ehrlich – Sopran- und Altsaxophon; Lisa Parrott – Sopran- und Altsaxophon; Jeff Lederer – Tenorsaxophon; Andy Lederer – Baritonsaxophon. (Another Feeling, Cool Red, Funny Paper, Plain Song, Georgia Blue, Impulse, Functions, Slide). Aufgenommen von Owen Mulholland, 15. Mai 2025, Samurai Hotel Studio. Produktionsassistenz: Noah Becker. Marty Ehrlich – Sopran- und Altsaxophon, Klarinette, Flöte; Brian Landrus – Tenor- und Baritonsaxophon, Bassklarinette, Flöte (Connections, Dar El Sudan, Hearts, My First Winter I, Romance in Time, Dream/Scheme, Bayou Sketches, Revue). Aufgenommen von Owen Mulholland am 2. Juli 2025, 20. August 2025 und 26. September 2025 in den Jaybird Studios und den 35th Street Studios. Marty Ehrlich – Sopran- und Altsaxophon, Allan Chase – Sopran- und Altsaxophon, Jason Robinson – Tenorsaxophon, Brian Landrus – Baritonsaxophon (Big Foot, Bumpkin, Choo-Choo, My First Winter (#2), Ji-Ji Tune, One/Waltz/Time, Orator, Pillars Latino, Touchic’, R & B, Stick, Sweet D, Void) Aufgenommen von Owen Mulholland, 19. und 20. August 2025, Jaybird Studio. Marty Ehrlich – Altsaxophon, Sam Furnace – Altsaxophon, Andrew White – Tenorsaxophon, Alex Harding – Baritonsaxophon (What I Know Now) Aufgenommen von Joe Ferla, 15. April 1997, Avatar Studios.

Rezeption Henphills Kompositionen würden hier von wechselnden Bläsern in Hemphills fantasievollen Arrangements wunderschön interpretiert, lobt Jon Turney (UK Jazz News). Alle vermittelten Aspekte eines unverwechselbar persönlichen Klangs, der hier in neuen Händen sofort wiedererkennbar sei. Wie Ehrlich in den Liner Notes schreibe, kann Hemphills „wandelbares kompositorisches Gehör im Saxophonchor voll und ganz aufblühen“, und das tue es hier in der Tat. Die Darbietungen seien kurz – zwölf Stücke dauern weniger als zwei Minuten, und ein weiteres Dutzend enthalte kurze Soli. Die anderen würden die Töne einfach mit dem strahlenden Klang projizieren, den vier Saxophone – gelegentlich ergänzt durch Klarinetten und Flöten – erzeugen können, wenn die Musiker so gut zusammenspielen. Dies verleihe dem Ganzen eine gewisse Feierlichkeit und biete eine Referenzsammlung von Stücken, die hoffentlich andere nun zu weiteren Erkundungen anregen werde. Insgesamt sei das Album ein eindrucksvolles Zeugnis für die Vision und Vielseitigkeit des Komponisten. mini|hochkant|Julius Hemphill (1988; Foto: Brian McMillen)

Der Flötist James Newton bemerkte in seinen Liner Notes, dass Hemphills „harmonische Progressionen geheimnisvolle Wendungen bergen, die der Schönheit einen neuen Namen geben. So viele einprägsame Melodien, die tief in seinem Herzen verankert sind, bleiben in ihm und offenbaren immer wieder neue Facetten. Wie bei Ellington, Strayhorn und einigen wenigen anderen offenbarte seine Klangsprache den Maler/Musiker, dessen Farben, Stimmführungen und Pinselstriche uns helfen, seine wahrhaft visionäre Klangsprache zu verstehen. Sein rhythmisches Vokabular zeugt von seinem Gespür für die Stimmen seiner DNA und seinen umfassenden multikulturellen Studien der Groove-Sprache.“

Open Air sei ein inspirierendes Werk der Liebe, das hoffentlich weitere Interpretationen von Hemphills großartigen Kompositionen anregen wird, meint Eyal Hareuveni (Salt Peanuts). Diese brillante, umfassende und vielseitige Sammlung sei weit mehr als nur historisch (obwohl sie es zweifellos ist) oder nostalgisch. Open Air widme sich Hemphills Vermächtnis als einem lebendigen, lebensbejahenden und stets relevanten, leidenschaftlich und fantasievoll interpretierten Werk, das Hemphills eindringlicher, orchestraler und einzigartiger innerer Logik mit kurzen, prägnanten Soli treu folge. Diese Sammlung würde Hemphills inklusive musikalische Sprache verkörpern, frei von Genregrenzen und „weit wie die Natur“, wie Hemphill selbst es ausgedrückt habe. Hemphill verwebe meisterhaft Elemente aus Blues, Rhythm & Blues, afrikanischer Musik und Jazz zu einer höchst persönlichen, ausdrucksstarken und gefühlvollen Ästhetik, die, wie Ehrlich abschließend festgestellt habe, „mit jedem erzählten Stück aufs Neue erblüht“.

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Einzelnachweise

Kategorie:Album (Jazz) Kategorie:Album 2026